Der gute Kaufmann und die Social-Media-Agentur
Neulich bekam ich einen Anruf von einer Agentur, die sich auf Social-Media-Marketing für Supermärkte spezialisiert hat. Ich könne mehr Reichweite aufbauen, neue Kunden erreichen, unseren gesamten Internetauftritt professionalisieren und überhaupt allerlei Dinge tun, die sich in Power-Point-Präsentationen vermutlich sehr schön mit Diagrammen darstellen lassen, in denen die Pfeile und Balken überwiegend nach rechts und nach oben zeigen.
Weil ich nicht freudestrahlend sofort dem angebotenen Beratungstermin zustimmen wollte, und die ganze Sache eher zögerlich und kritisch anging, fiel irgendwann der Satz: "Sie sind doch ein guter Kaufmann, oder?"
Nun ja. Relativ.
Das ist natürlich ein ausgesprochen geschickter Satz. Denn welche Antwort erwartet man darauf? "Nein, eigentlich wirtschafte ich hier seit über 25 Jahren schon vollkommen planlosherum und hoffe immer wieder neu, dass am Monatsende zufällig etwas Geld übrig bleibt"?
Natürlich bin ich ein guter Kaufmann. Und gerade deshalb würde ich irgendwann gerne über Zahlen sprechen.
Was die konkret für ihre Dienstleistung verlangen, weiß ich bislang nicht. Ließ sich auch nicht annähernd online herausfinden. Eine Firma aus Bremen, die eine ähnliche Dienstleistung anbietet, tut dies ab 990 Euro netto im Monat. Das ist für eine professionelle Social-Media-Betreuung sogar eher am unteren Ende dessen, was andere Agenturen öffentlich aufrufen.
Bei einer angenommenen Handelsspanne von 20 Prozent muss die Maßnahme also zunächst einmal 5000 Euro zusätzlichen Umsatz pro Monat erzeugen, damit allein die 1000 Euro Agenturkosten wieder hereinkommen.
Zusätzlichen Umsatz!
Nicht Umsatz von Leuten, die sowieso gekommen wären. Nicht Umsatz von Stammkunden, die zufällig auch ein lustiges Reel gesehen und auf "like" geklickt haben. Und auch keine theoretischen 5000 Euro in Form von "Reichweite", "Interaktionen" oder "Impressionen".
Ganz altmodische 5000 Euro auf dem Konto.
Aufs Jahr gerechnet wären das als mal eben 60000 Euro Mehrumsatz, nur damit die Marketingrechnung bei dieser (sehr vereinfachten) Betrachtung überhaupt wieder verdient ist. Bei rund 26 Öffnungstagen im Monat müssten also jeden einzelnen Verkaufstag knapp 200 Euro zusätzlicher Umsatz entstehe – ausschließlich durch die Social-Media-Kanäle herbeigeführt.
Erst ab da beginnt der Spaß, mit lustigen Videos bei Instagram oder TikTok überhaupt Geld zu verdienen. Und genau deshalb finde ich dieses "Sie sind doch ein guter Kaufmann?" so amüsant. Keiner würde die Frage mit "nein" beantworten.
Aber ausgerechnet ein guter Kaufmann sollte auf diesen Satz eigentlich antworten: "Ja. Deshalb zeigen Sie mir jetzt bitte, wie Ihre 1000 Euro jeden Monat mindestens 5000 Euro zusätzlichen Umsatz erzeugen – und zwar nachweislich und nicht nur theoretisch."
Follower sind nämlich eine wunderbare Sache. Views auch. Eine halbe Million Impressionen (die von der Firma sogar pro Jahr garantiert werden) sehen in einer Statistik bestimmt auch ganz super aus. Natürlich gibt es einige Supermärkte, die wirklich viele Follower haben und die echt fleißig sind und massig Content bei Insta raushauen. Aber …
Nur meine Lieferanten haben sich bislang hartnäckig geweigert, sich in Impressionen bezahlen zu lassen. Vielleicht sollte ich daran arbeiten. Und ehrlich: Ich glaube, die Arbeit hier auf der Fläche vor Ort ist viel, viel, viel mehr Wert, als jeder zum tausendsten Mal neu nachgespielte Gag. Meine Meinung, so als guter Kaufmann.
Übrigens: Besonders hübsch wird die Geschichte dadurch, dass die Agentur selbst bei Instagram nicht einmal 600 Follower hat. Vielleicht ist das ja Absicht. Ein guter Kaufmann verschwendet schließlich keine Reichweite am eigenen Unternehmen.
Weil ich nicht freudestrahlend sofort dem angebotenen Beratungstermin zustimmen wollte, und die ganze Sache eher zögerlich und kritisch anging, fiel irgendwann der Satz: "Sie sind doch ein guter Kaufmann, oder?"
Nun ja. Relativ.
Das ist natürlich ein ausgesprochen geschickter Satz. Denn welche Antwort erwartet man darauf? "Nein, eigentlich wirtschafte ich hier seit über 25 Jahren schon vollkommen planlosherum und hoffe immer wieder neu, dass am Monatsende zufällig etwas Geld übrig bleibt"?
Natürlich bin ich ein guter Kaufmann. Und gerade deshalb würde ich irgendwann gerne über Zahlen sprechen.
Was die konkret für ihre Dienstleistung verlangen, weiß ich bislang nicht. Ließ sich auch nicht annähernd online herausfinden. Eine Firma aus Bremen, die eine ähnliche Dienstleistung anbietet, tut dies ab 990 Euro netto im Monat. Das ist für eine professionelle Social-Media-Betreuung sogar eher am unteren Ende dessen, was andere Agenturen öffentlich aufrufen.
Bei einer angenommenen Handelsspanne von 20 Prozent muss die Maßnahme also zunächst einmal 5000 Euro zusätzlichen Umsatz pro Monat erzeugen, damit allein die 1000 Euro Agenturkosten wieder hereinkommen.
Zusätzlichen Umsatz!
Nicht Umsatz von Leuten, die sowieso gekommen wären. Nicht Umsatz von Stammkunden, die zufällig auch ein lustiges Reel gesehen und auf "like" geklickt haben. Und auch keine theoretischen 5000 Euro in Form von "Reichweite", "Interaktionen" oder "Impressionen".
Ganz altmodische 5000 Euro auf dem Konto.
Aufs Jahr gerechnet wären das als mal eben 60000 Euro Mehrumsatz, nur damit die Marketingrechnung bei dieser (sehr vereinfachten) Betrachtung überhaupt wieder verdient ist. Bei rund 26 Öffnungstagen im Monat müssten also jeden einzelnen Verkaufstag knapp 200 Euro zusätzlicher Umsatz entstehe – ausschließlich durch die Social-Media-Kanäle herbeigeführt.
Erst ab da beginnt der Spaß, mit lustigen Videos bei Instagram oder TikTok überhaupt Geld zu verdienen. Und genau deshalb finde ich dieses "Sie sind doch ein guter Kaufmann?" so amüsant. Keiner würde die Frage mit "nein" beantworten.
Aber ausgerechnet ein guter Kaufmann sollte auf diesen Satz eigentlich antworten: "Ja. Deshalb zeigen Sie mir jetzt bitte, wie Ihre 1000 Euro jeden Monat mindestens 5000 Euro zusätzlichen Umsatz erzeugen – und zwar nachweislich und nicht nur theoretisch."
Follower sind nämlich eine wunderbare Sache. Views auch. Eine halbe Million Impressionen (die von der Firma sogar pro Jahr garantiert werden) sehen in einer Statistik bestimmt auch ganz super aus. Natürlich gibt es einige Supermärkte, die wirklich viele Follower haben und die echt fleißig sind und massig Content bei Insta raushauen. Aber …
Nur meine Lieferanten haben sich bislang hartnäckig geweigert, sich in Impressionen bezahlen zu lassen. Vielleicht sollte ich daran arbeiten. Und ehrlich: Ich glaube, die Arbeit hier auf der Fläche vor Ort ist viel, viel, viel mehr Wert, als jeder zum tausendsten Mal neu nachgespielte Gag. Meine Meinung, so als guter Kaufmann.
Übrigens: Besonders hübsch wird die Geschichte dadurch, dass die Agentur selbst bei Instagram nicht einmal 600 Follower hat. Vielleicht ist das ja Absicht. Ein guter Kaufmann verschwendet schließlich keine Reichweite am eigenen Unternehmen.








