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Kassenschlangenfrage

Ben hat mir geschrieben:
Als ich in London war, fand ich dort in fast jedem Laden EINE Kassenschlange vor, die zu mehreren Kassen führt. In größeren Geschäften mit Nummernanzeige, aber in kleineren Läden geht es auch ohne. Ich finde das deutlich angenehmer – immer, wenn bei meinem Stamm-Supermarkt (oder -Discounter) eine neue Kasse öffnet, geht nämlich das Gerangel los.

Wie stehst du diesem System grundsätzlich gegenüber? Welche Vor- und Nachteile sprechen aus deiner Sicht dafür bzw. dagegen? (Auch unabhängig von deiner konkreten Platzsituation – mal ganz objektiv und auf das gesamte Bundesgebiet bezogen.)
Generell finde ich das Prinzip nicht schlecht, da es wirklich für alle Kunden gleich schnell geht und es nicht mehr den Kampf um die schnellere Schlange gibt.

Setzt natürlich auch den entsprechenden Platz vorraus, da man notwendige Kundenleitsysteme vor den Kassen installieren muss. Gerade auch in Geschäften mit großen Einkaufswagen müssen diese Systeme entsprechend dimensioniert sein. Also für mich hier überhaupt nicht geeignet, aber wir haben normalerweise sowieso nur zwei Kassen auf und da halten sich derartige Probleme in Grenzen.

In Filialen der Deutschen Post wird dieses System hierzulande schon verwendet, warum sollte sich also die Supermarktkunden davon abhalten lassen? Es müsste nur mal jemand installieren. :-)

Ein Viertel weniger Inhalt

Als letztes Jahr im August die Drogeriekette "dm" eine Zahnpasta medial sehr wirksam aus dem Sortiment nahm, weil der Hersteller für den gleichgebliebenen Preis ein Viertel weniger Inhalt liefern wollte, hatte mich "Klodeckel" in einem Kommentar um eine Stellungnahme als Einzelhändler gebeten.

Damit ich das nicht vergesse, hatte ich mir das sogar extra als Screenshot in mein "Blogbilder"-Verzeichnis gelegt – aber mir fehlte immer die Motivation, da mal ranzugehen. Ist inzwischen nicht mehr ganz aktuell, weiß ich – aber ich möchte mich dazu jetzt trotzdem noch äußern:

Die "Dentagard"-Zahncreme hatte dm aus dem Sortiment genommen und (zumindest im Onlinshop) bis heute nicht wieder aufgenommen. Viele, viele andere Produkte vom Hersteller Colgate-Palmolive sind aber nach wie vor verfügbar. Sieht ein wenig nach danach aus, etwas werbewirksames tun zu wollen, ohne dass es wirklich schmerzt – allerdings sind die wahren Beweggründe schwer zu ermitteln. Mit CP und dm spielen da zwei ziemlich mächtige Gegner miteinander.

Ich bin nur Händler und habe natürlich mit meinem Sortiment die Möglichkeit, ein wenig den Konsum meiner Kunden zu steuern. Doch wie weit gehe ich? Sehe ich mich vielleicht doch nur als Dienstleister? Letztendlich ist es ein wenig so wie beim Boykott der BILD-Zeitung vor rund einem Jahr: Wer sie nicht will, kaufte sie schon vorher nicht. Wer sind unbedingt lesen möchte, besorgt sie sich nun woanders, Kunde verloren. Was habe ich als Händler gewonnen? Ich kann mein Ego streicheln, ja. Aber wem habe ich damit wirklich in meiner Rolle als Einzelhändler geholfen? Springer pellt sich ein Ei auf die paar nicht verkauften Exemplare. (Bei der Dentagard dürften es bei dm allerdings nicht nur ein "paar" gewesen sein, daher passt der Vergleich nicht ganz.) Wieviel Idealismus verkaufe ich? Ich hätte möglicherweise die Kunden auf die Verteuerung hingewiesen, aber letztendlich ihnen die Entscheidung, ob sie Dentagard noch weiter kaufen wollen, selber überlassen.


Aktionspreis BIO-Eier

Dieses A4-Plakat hat ein Kollege in einem Regal im Lager gefunden. Damit hatten wir mal die Eier vom Bioland-Hof hier im Markt bekannter machen wollen. Das ist jetzt bestimmt schon zehn Jahre her.

Inzwischen kosten mich im Einkauf die Eier schon so viel, dass ich bei 1,50€ "Aktionspreis" noch fast einen halben Euro pro Packung dazulegen würde. :-O


F* kaufen

Mein Mitarbeiter Gregor beobachtete aus dem Augenwinkel, wie sich ein junger Mann unseren Spirituosen-Vitrinen an der Kasse näherte und eine Flasche "Ficken"-Likör rausnahm und direkt in seinen Einkaufskorb legte.

Gregor freute sich und rief in Richtung des Kunden: "Juhu, endlich mal ein Kunde, das Zeugs nicht nur anguckt und belächelt, sondern auch tatsächlich kaufen möchte."

Dieser antwortete: "War nicht meine Idee, hat meine Freundin vorgeschlagen."

Der die ganze Zeit danebenstehende Kumpel des Kunden stupste diesen an und sagte dann: "Bist du sicher, dass es das war, was deine Freundin auch wirklich gemeint hat?"

Dieser erwiderte: "Ich hatte sie gefragt, ob wir was machen wollen oder ob ich was mitbrigen soll und sie antwortete Ficken. Dann wird das wohl passen."

Sein Kumpel wieder: "Sicher, dass sie den Schnapps meinte? Bist du echt so naiv?"

Der Kunde guckte auf das Rückenetikett der Flasche, las sich den Text durch, grinste und lachte: "Und wenn schon, ich nehme ihn jetzt trotzdem mit."

Könnte bei ihm ein unterhaltsamer Abend werden. :-)

Linsenburger

Ich wünsche dem Täter, dass ihm oder ihr ein Stück eines dieser Burger ganz böse im Halse stecken bleibt. Wird schon kein großer Verlust sein…

Bleibt bei mir nur die Frage, ob die Ware direkt im Laden verspeist wurde, oder ob jemand den Inhalt einfach so in seine Tasche gekippt hat.


Wundersames Eigenleben

Mehrere (abgepackte) Brote lagen vor dem Regal auf dem Fußboden. Ich wollte wissen, wer oder was dafür verantwortlich war und guckte mir die Stelle mal auf der Videoaufzeichnung an.
Damit hatte ich dann aber auch nicht gerechnet:

Etwa eine halbe Stunde zuvor war ein einzelnes Brot aus dem Regal gerutscht. Nachdem es eine Weile unbeachtet auf dem Fußboden lag, hat sich ein Stammkunde danach gebückt und es wieder ordentlich ins Regal gestellt. Ein paar Minuten später rutschte allerdings der halbe Regalbestand wieder aus dem Regal und blieb dann da liegen, bis ich den Haufen entdeckte.

Naja, dafür konnte der Mann ja nichts. War nett, dass er das Brot überhaupt aufgehoben hat. Andere schieben sowas mit einem Fußtritt eher noch unter das nächste Regal.

Links 360

Es wird Sie überraschen, was alles als "Regio" durchgeht

Konsum: Lust auf die große Schlange

Polizistin von Ladendieb in Supermarkt schwer verletzt

Deutschlandkarte: Gewürze im Brot

Küken-Töten: Nächstes Jahr soll in Niedersachsen Schluss sein

Sexistische Preise: Was es kostet, eine Frau zu sein

Tabakindustrie: Schock auf der Schachtel

Welche Mate-Limo schmeckt am besten?

Tester finden Glyphosat in beliebten Biermarken

So sieht die Zukunft des Einkaufens aus

Beschwerde wegen Duzens

Folgende E-Mail trudelte hier ein:
"Sehr geehrter Herr Harste,

ich beanstande, dass ich in Ihrem Markt öfters "geduzt" werde. Das ist nicht schön und respektlos.
Ich empfehle Ihnen, sich eine angemessene Entschuldigung zu erdenken, damit ich wieder ihr Geschäft betrete, da es sonst nichts austzsetzen gibt.
Uff… Der kam tief. Wir haben hier schon immer einen ausgesprochen lockeren Umgang miteinander gehabt und dieses "Du" ist überhaupt niemals respektlos gedacht. Eher wie im englischsprachigen Raum oder Schweden, wo es einfach nur eine Form der Anrede gibt. Wir dutzen natürlich nicht konsequent und mit Sicherheit verwenden wir das "Sie" häufiger – aber verglichen mit anderen Supermärkten dürfte die Quote bei uns schon recht hoch liegen. Übrigens auch in beide Richtungen. Hier kommen durchaus Kunden rein, die einen mit "Hey, Björn/Ines/Gregor/Uwe, kannst du, habt ihr, geht das..." begrüßen.

Tzja – was antwortet man darauf? Ich habe es hiermit versucht:
Sehr geehrte xyz,

es tut mir ernsthaft Leid, dass Sie sich in meinem Geschäft respektlos behandelt gefühlt haben. Das ist mit Sicherheit nicht unsere Absicht gewesen, denn natürlich leben wir von unseren Kunden und somit sind wir auch stets bemüht, jedes Missverhältnis gleich aus der Welt zu schaffen.

Nun ist es allerdings so, dass wir hier grundsätzlich im Team untereinander und dadurch auch mit sehr vielen Kunden (und zwar in beide Richtungen) das "Du" verwenden. Ich kann und werden folglich nicht die allgemeine Anweisung in den Raum stellen, darauf zu achten, grundsätzlich keine Kunden zu duzen. Aber natürlich duzen wir normalerweise ausdrücklich keine fremden / neuen / älteren Kunden, allerdings möchte ich nicht generell ausschließen, dass dem oder der einen oder anderen Mitarbeiter/in es nicht trotzdem mal unangebrachterweise herausrutscht. Das "Plural-Du" ("ihrzen") verwenden wir gleichermaßen.

Ich kann Sie nur bitten, dem oder der Mitarbeiter/rin hier bei mir ggf. direkt zu sagen, dass er oder sie das "Du" unterlassen soll. Aber bedenken Sie dabei bitte auch, dass das von unserer Seite aus nie böse gemeint ist.

CHINA! WIR KOMMEN!!!

Ich werde nach China expandieren!
Sehr geehrter Herr Harste,

[…] kommen Vertriebsmanager und Geschäftsführer aus Konzernen und Mittelstand zusammen, um sich zu Chancen und Herausforderungen auf dem Absatzmarkt China auszutauschen. Die Konferenz „Internationaler Vertrieb: Go east – Wege nach China“ bietet Ihnen eine einmalige Plattform, um sich Inspirationen für Ihre China-Strategie zu holen.

[…]

Unser Programm bietet eine ideale Mischung aus wirtschaftswissenschaftlichem Input, Best Practice-Vorträgen direkt aus der Unternehmenspraxis und interaktiven Workshops. Außerdem erwartet Sie ein Highlight der besonderen Art: Tischtennis-Star Timo Boll berichtet persönlich von seinen Erfahrungen als Marken-Testimonial für deutsche Firmen im Reich der Mitte.

[…]

Ich freue mich darauf, Sie auf der Veranstaltung zu begrüßen!

Herzliche Grüße
Also mal ehrlich, das kann ich mir doch nicht entgehen lassen, oder? Da MUSS ich doch mitmachen. Vor allem auf die Best-Practice-Vorträge freue ich mich schon wie ein kleines Kind vor Weihnachten.

Wer Ironie findet, darf sie behalten. :-D