Ein gestandener Mann war er die ganzen Jahre, die ich ihn hier als Kunden kannte. Im Rentenalter, aber ein kräftiger Kerl. Freundlich und gesprächig, so dass man immer gerne mal ein Wort gewechselt hat.
Und nun? Keine Ahnung, was passiert ist. Ein Schlaganfall möglicherweise? Wenn er durch den Laden humpelt und scheinbar nichts mehr wahrnimmt, kommt es mir so vor, als würde er mit Scheuklappen durch einen Tunnel laufen. Korb nehmen, Ware einpacken, zur Kasse gehen. Er grüßt nicht mehr, allerdings nicht aus verlorengegangener Höflichkeit. Es wirkt, als würde er mich und andere überhaupt nicht erkennen, ist gar nicht ansprechbar.
Traurig, sowas mitzubekommen.
Ein Kunde mittleren Alters hatte einen kleineren Einkauf zusammengesucht. An der Kasse stapelte er die Artikel auf das Förderband, eine Kiste Mineralwasser ließ er im Wagen stehen. Aber dennoch löste irgendetwas den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Beim genaueren Nachsehen stellten wir fest, dass unter der Kiste noch eine Packung Tofu, nicht aus der Vitrine, lag. "
Oh, die ist da wohl irgendwie druntergerutscht", erklärte der Mann. Wir haben die Aussage erstmal so hingenommen, zumal der Kunde insgesamt recht glaubwürdig wirkte.
Dennoch hat uns der Vorfall keine Ruhe gelassen und wir haben uns hinterher die Videoaufzeichnung angesehen. In der Getränkeabteilung hat er in den zu dem Zeitpunkt noch relativ leeren Wagen die flache Packung Tofu gelegt und dann unmittelbar danach die Wasserkiste darüber gestellt. Danach setzte er seinen Einkauf fort und ging schließlich zur Kasse.
Man kann sagen, was man will –
so verpeilt ist doch niemand. Für mich war das ein knallharter Diebstahlsversuch!
Ein Kunde klingelte an der Lagertür und zeigte schließlich auf den Leergutautomaten, an dem die rote Lampe leuchtete. Er erklärte mir: "
Da steht 'Annahmekanal nicht frei
' auf dem Display. Das heißt wohl, dass da irgendwo noch eine Flasche drinliegt."
Wow, ein Kunde, der lesen kann.
Notiz an einem ec-Terminal, die einer meiner Mitarbeiter dort angebracht hat: "
Gerät funktioniert, aber der Aufdruck ist gar nicht zu erkennen!"
Manchmal hilft es, bei Thermopapier zumindest, die Rolle einfach mal umzudrehen und die richtige Seite bedrucken zu lassen.
Seit ein paar Jahren schon fahren wir in der Gemüseabteilung bei etlichen Artikeln zweigleisig. Ein paar wichtige Eckartikel wie z.B. Tomaten, Gurken, Zucchini und Zitronen haben wir immer doppelt platziert gehabt. Immer als konventionell angebaute Früchte, aber auch in Bio-Qualität – und das bei unserer ohnehin viel zu kleinen Gemüseabteilung.
Damit soll jetzt Schluss sein. Die Umstellung klappt zwar nicht von einem Tag auf den anderen, aber so nach und nach möchte ich sämtliche Artikel, die wir auch als Bioware bekommen können, nur noch als solche anbieten.
Ich bin gespannt, wie die Kunden reagieren werden. Wahrscheinlich nicht durchgängig positiv, denn auch, wenn ich die Preise etwas harmonisieren möchte, werden sie doch über denen des konventionell angebauten Obst und Gemüses liegen.
Ein Kunde wunderte sich über unsere Kaffeevitrine:
Das ist ja was, dass der Kaffee eingeschlossen ist. Sieht ja aus wie früher in der DDR. Warum ist das so?
Weil der Kaffee hier bei uns sonst immer auf mysteriöse Art und Weise verschwunden ist.
Und jetzt nicht mehr?
Naja, geht ohne Schlüssel ja schlecht.
Da stimmt dann wohl eher mit Ihrem Sicherheitssystem hier etwas nicht.
Doch, die Vitrine ist unser System. Das funktioniert perfekt.
Dazu fiel ihm dann nichts mehr ein.
Dieser –ähhm– "Rollbehälter" hat seinen Namen eigentlich nicht verdient. Immerhin sind 50% der Rollen nicht mehr funktionsfähig bis quasi nicht mehr vorhanden. Aber dafür stand das Ding auch bis oben hin mit Getränken voll.
Ich habe bei mir im Büro die Heizung eingeschaltet.
Absichtlich!
Ein Mitarbeiter unseres wichtigsten Bio-Lieferanten erkundigte sich bei mir, ob wir einen kleinen Gefallen für sie erledigen würden: Im Laufe der Monate/Jahre hatte sich durch falsche Leergutrückgaben ihrer Kunden eine beachtliche Menge klarer Milchflaschen bei denen im Lager angesammelt, die sie nicht an die Bio-Molkerei zurückschicken könnten.
Ob ich die wohl en gros zurücknehmen und an einen meiner anderen Lieferanten zurückgeben könnte, wollte er wissen.
Ach, klar!
Fertig?
Los!
Liebe Kunden, das ist doch kein Wühltisch.
Auf der Titelseite der April-Ausgabe einer Fachzeitschrift für den Lebensmittel-Einzelhandel, die noch im Aufenthaltsraum herumlag, ist folgendes zu lesen:
Grillsaison – Die umsatzstarke Grillzeit beginnt.
Gemeint war die Aussicht auf den Sommer. Diese möchte ich mit einem kurzen Begriff aus dem Netzjargon kommentieren:
lol
Peter hat mir vor ein paar Wochen dieses Foto eines SPAR-Marktes in der dänischen Klein(st)stadt
Ærøskøbing via E-Mail geschickt. Vielen Dank dafür.
Ein Vertreter der Zigarettenindustrie erkundigte sich bei mir, ob er an die Auswurfschächte unseres Zigarettenautomaten breite Aufkleber mit schwarzer Schrift auf weißem Grund "Rauchen kann tödlich sein." anbringen dürfe.
"Ist das Pflicht?", wollte ich wissen.
Nein, freiwillig. Und damit ersparte ich mir die Verschandlung des Automaten mit irgendwelchen Aufklebern. Das kann man, falls es die Obrigkeit in Brüssel mal irgendwann so entscheidet, immer noch machen. Und außerdem hält es sowieso (fast?) niemanden davon ab, die Kippen zu kaufen und zu benutzen. Also…