Eine Kundin hat sich mit der Guthabenkarte für ihr Handy vertan. Sie hat aus Gewohnheit noch eine Karte ihres alten Anbieters gekauft und wollte sie gerade gegen eine neue (richtige) eintauschen.
Das wäre alles kein Problem. Gerade bei Reklamationen bin ich bestimmt der Allerletzte, der sich querstellen würde. Wenn die Karte nicht schon aufgerubbelt gewesen wäre. Ich glaube ihr sogar, daß die Karte unbenutzt ist, aber ich habe sie trotzdem nicht zurückgenommen.
Ich stelle mir nämlich jetzt folgende Situation vor: Ein anderer Kunde kauft diese Karte und hat damit irgendein Problem - dann komme ich einigermaßen in Erklärungsnotstand, kann ihm eine neue Karte geben und bin im Zweifelsfall zwei Karten losgeworden. Auf das Theater habe ich keine Lust.
Viele Kunden bringen ihre alten Eierkartons wieder mit, damit sie erneut verwendet werden können.
Das ist eine ganz tolle Idee, funktioniert aber leider nicht wirklich. Das hat zwei Gründe:
Zum einen erfassen wir unsere Artikel (auch abgepackte Eier) per Strichcode. Benutzt jemand dann z.B. einen Karton, in dem sich ursprünglich (teure) Bio-Eier befanden, für die einfachen (günstigeren) Eier aus Bodenhaltung, kann das an der Kasse zu unnötigen Diskussionen und Mißverständnissen führen.
Zum anderen steht auf den Packungen ein Haltbarkeitsdatum. Ich habe es durchaus schon erlebt, daß Kunden wochenlang zu Hause leere Eierpackungen sammelten und dann kollektiv unter unserem Eierregal abgestellt haben. Nun nimmt sich ein Kunde eine dieser Packungen, legt dort sechs frische Eier hinein (auf denen dummerweise der Stempel verwischt ist) und beschwert sich später, daß wir ihm "seit Wochen abgelaufene" Eier verkauft haben.
Man staunt und wundert sich, wenn Kunden mit einem Einkaufswagen durch den Laden gehen, ein Teil (Packung Zucker) einladen, sich eine Zeitschrift schnappen und sich damit direkt auf den Weg zur Kasse machen.
Wäre die Verweildauer länger, könnte man darauf schließen, daß die Kundin nicht alles das gefunden hat, was sie ursprünglich kaufen wollte. Aber sie ist direkt vom Eingang zum Zucker, dann zu den Zeitschriften und dann zur Kasse gegangen.
Eine Kundin erkundigte sich soeben nach Müllers Milchreis für die Mikrowelle, den wir aber schon seit Wochen Monaten schon nicht mehr im Sortiment haben: Er lief einfach nicht. Und wenn, dann ab.
Soll ich den Artikel nun für diese eine Kundin bestellen? Die kauft dann zwei Becher und der Rest steht sich hier wieder zu Tode.
Nein, tut mir Leid, den bekommen wir nicht wieder rein.
Manchmal tut es weh. Aber eigentlich auch nur ein bißchen.
Seltsame Art, eine Flasche zu öffnen. Ausgerechnet Kronkorken kann man ja nun mit fast allem entfernen, was man so im Haushalt findet. Mit einem spitzen Gegenstand einen "Ausgießer" reinzustemmen halte ich jedenfalls für wesentlich schwieriger und gefährlicher.
Noch schlimmer als Bierpfützen in Leerguttüten sind kalkverschmierte Flaschen, wie sie z.B. Maurer und Fliesenleger bevorzugt abgeben.
Ich vertrage wirklich viel, aber dieses stumpfe Gefühl an den Händen kann ich nicht ab. Da stellen sich bei mir sämtliche Haare auf. Dann lieber mit einem Nagel meinen Namen auf 'ner Schieffertafel einritzen.
Eben waren zwei Typen im Laden, denen ich nicht ein Stück über den Weg getraut habe. Folglich habe ich mich an unsere Videoanlage geklemmt und mal ein bißchen zugeschaut, was die beiden so trieben. Plötzlich blieben sie in einem Gang stehen, einer legte ein Teil ins Regal und sie gingen zur Kasse.
Das Teil entpuppte sich als frischer Fisch aus dem Kühlregal und wäre etwas später ein Fall für den Müll gewesen. Das Nährmittelregal wird nunmal nicht gekühlt.
An der Kasse erwischte ich die Kerle noch. Nachdem der dunklere von beiden sich zunächst unwissend gestellt hatte, rief ich ihnen im rausgehen noch zu, daß ich sie - wenn sie das noch einmal machen - stumpf rausschmeißen werde.
Er drohte dann damit, daß er nicht wiederkommen wird. Auch gut.
Abgerissener Kunde, seit Jahren aber bekannt, kommt auf mich zu:
Haben Sie Sekundenkleber?
Nein, leider nicht.
Aber das hier klebt doch auch gut, oder? (Uhu Flinke Flasche)
Das kommt darauf an, was sie kleben möchten.
Mir ist ein Zahn abgebrochen.
Bitte, was?
Mir ist vorne ein Zahn abgebrochen (Schneidezahn fehlt gänzlich) und ich möchte den wieder festkleben.
Damit würde ich zum Zahnarzt gehen!
Das müßte doch halten, oder?
Ich glaube nicht, daß das hält. Außerdem sind da Lösungsmittel drin, was bestimmt nicht sonderlich gesund ist. Ich würde mich damit an einen Zahnarzt wenden.
Ich probier' das hier mal.
Also: Ich kann ihnen ja nichts vorschreiben, Machen Sie, was Sie wollen. Aber ich rate Ihnen da in höchstem Maße von ab!
Haben Sie noch günstigeren Kleber?
(Ich gehe mit ihm zum Regal)
Das ist die Auswahl an Klebstoffen. Uhu Kraft ist stärker, aber auch teurer. Die Tuben Uhu Alleskleber sind günstiger als die Flasche, die Sie in der Hand haben.
Ich nehme den hier. (Flinke Flasche)
Ich habe noch ein letztes Mal versucht, ihm das auszureden, aber davon wollte er nichts wissen. Hätte ich mich weigern sollen, einem erwachsenen Menschen eine Flasche Alleskleber zu verkaufen?
Nachtrag
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, daß dieses Erlebnis nicht lustig ist. Man kann darüber schmunzeln, aber im Grunde ist es nur traurig. Dieser Mensch hat definitiv kein Geld für Zahnersatz oder eine Krankenversicherung und wahrscheinlich nicht einmal für die 10 Euro Praxisgebühr.
Die Brötchen sind frisch, die backen wir hier selber. Der Ofen steht jetzt im Hintergrund und nicht mehr in der Brotabteilung. Soll ich Ihnen den eben zeigen?
Sie sind ein ehrlicher Mensch, ich glaube Ihnen das auch so, sagte ein Stammkunde zu mir.
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich Kunden über eine offensichtlich ehrliche Beratung freuen.
Ich empfehle normalerweise immer das passendste Produkt, unabhängig von der Marke oder dem Preis. Bei Zucker reicht unsere Eigenmarke, bei Sprühsahne rate ich z.B. davon ab. Die 50% Mehrpreis schmeckt man. Ich jedenfalls.
Oder auch der umgekehrte Fall: Ein Kunde suchte gerade Corned Beef. Wir haben zwei Sorten: Das gute "Exeter" und eine günstigere Zweitmarke. Bei Corned Beef frage ich normalerweise, ob es zum kochen (z.B. für Labskaus) oder als Aufschnitt verwendet werden soll. Das gute, teurere, Fleisch ist nämlich saftiger und schmeckt auf Brot einfach besser. Beim Kochen fällt es dagegen nicht so auf, weswegen ich da durchaus die günstigeren Dosen empfehle.
An den 30 Cent weniger Umsatz werde ich nicht sterben. Aber der Kunde freut sich.