Ich sollte zwei 55-Cent-Briefmarken an die Kasse bringen, welche von der Kunden auch umgehend auf ihren C4-Umschlag geklebt wurden.
Eineurozehn reicht dafür aber nicht. Da gehören einsvierundvierzig drauf.
Der ist aber nicht schwer.
Es kommt auch auf die Größe an. Und dieser Umschlag kostet bis 500 Gramm Gewicht nunmal einen Euro und vierundvierzig Cent.
Die Kundin versuchte, die Marken wieder abzuziehen, gab allerdings auf und kaufte noch eine dritte 0,55€-Marke.
Wenn jeder Fehler nur 21 Cent kosten würde...
Eine Kundin wollte wissen, ob wir "normale Batterien" haben.
Die Größenangabe "normal" hilft bei Batterien nur leider kein Stück weiter... Selbst Angaben wie "für meine Uhr", "für meine Taschenlampe" lassen nur sehr ungenaue Rückschlüsse auf den benötigten Zellentyp zu.
Eine Stammkundin kam mit einer BILD-Zeitung unter dem Arm in den Laden. Während sie ihre paar Teile zusammensuchte sprach sie mich an und erklärte mir, dass die BILD nicht aus meinem Laden stammt. Die hätte sie beim Quickshop gegenüber gekauft, weil sie nicht wußte, ob wir hier überhaupt Zeitungen verkaufen würden.
Ich gebe ja zu, dass ich vor knapp sechs Jahren recht spontan und ohne weitere Ankündigungen den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften begonnen habe.
Eine Kundin reklamierte eine Packungs Beck's Green Lemon, die sie angeblich letzten Freitag hier gekauft hätte und der schon Ende März abgelaufen ist.
Beweisen, dass sie es hier gekauft hat, konnte sie nicht. Es gab weder Kaufbeleg noch Zeugen. Außerdem war das Produkt in den letzten Monaten immer wieder ausverkauft, so dass ich mir nur sehr schwer vorstellen kann, dass es überhaupt auch nur annähernd an die Grenzen des Haltbarkeitsdatums gelangt ist.
Aber: Es kann immer mal irgendwie ein Teil zufälligerweise so lange durch die Neulieferungen rutschen und/oder sich hinter anderen Produkten verstecken, bis es dann doch irgendwann abläuft.
Auf meinen Schultern saßen plötzlich ein kleines Engelchen und ein kleines Teufelchen, die sich gegenseitig die Pro- und Kontra-Argumente um die Ohren schlugen... Ich habe der Kundin dann aus irgendeinem Grund und ohne nachvollziehbare Erklärung fünf (Eine aus dem Sixpack hatte sie bereits geöffnet.) neue Flaschen mitgegeben. Morgen werde ich mich nicht mehr darüber ärgern und wer weiß - vielleicht hatte sie ja wirklich Recht.
Ich schob einen Container mit Geranien durch den Laden. Hinten auf der Rampe kann man doch etwas großzügiger gießen ohne den ganzen Laden unter Wasser zu setzen. Eine Kundin sprach mich unterwegs an:
Kommen die weg?
Nein, die sollen nur Wasser bekommen. Möchten sie welche haben?
Ein lautes Krachen und lange anhaltendes Scherbenklirren riß mich aus dem Schlaf aus der Arbeit: Ein Kunde hat sich umgedreht und hat dabei versehentlich offenbar recht kräftig mit seinem Arm gegen eine der seitlichen Begrenzungsscheiben unseres Wurstkühlregales geschlagen.
Eine private Haftpflichtversicherung hatte er leider keine und so bleibe ich auf dem Schaden sitzen. Die Scheibe werde ich aber auf jeden Fall so bald wie möglich ersetzen, da sie verhindert, dass unnötig viel kalte Luft aus dem Regal entweicht.
Nachtrag: Irgendwie waren wir hier völlig überrumpelt, dass wir völlig vergessen haben, den Kunden irgendwie dafür verantwortlich zu machen. Wenn Ware versehentlich beschädigt wird, geht der Schaden ja auch zu meinen Lasten... Aber, kleiner Trost, so eine Scheibe wird nicht übermäßig teuer sein.
Eine Stammkundin zahlt öfter mal mit einem 500-Euro-Schein. Meistens meldet sie sich schon bei mir, bevor sie zur Kasse geht, damit ich ihr den 500er in handlichere Stücke zerlegen kann.
So gab es auch diesmal wieder 10 50-Euro-Scheine.
Etwa eine halbe Stunde später rief sie telefonisch an und erkundigte sich, ob das Portemonnaie an der Kasse liegengeblieben wäre. Sie hätte es nicht mehr bei sich und befürchtet, dass sie es beim Einpacken der Ware irgendwo liegengelassen hat. Gefüllt mit über 400€.
Eine ältere Kundin stand als letzte an der Kasse, bezahlte ihre Waren und schob mit ihrem Rollator davon.
Mein Mitarbeiter wollte gerade aufstehen und konnte die Frau zum Glück noch darauf hinweisen, dass sie ihren Einkauf vollständig auf dem Kassentisch stehengelassen hatte.
Na, das wäre zu Hause aber eine Überraschung geworden...
Um zu verhindern, dass Kunden alte Eierkartons mitbringen, wollte ich eigentlich seit ein paar Wochen schon ein entsprechendes Schild am Eierregal befestigen.
Nachdem ich nun heute erst voller Schwung an die Sache herangehen wollte, habe ich dann doch beschlossen, kein Schild aufzuhängen.
Schilder liest doch bekanntermaßen kein Mensch. Außerdem ist an unserem Eierregal sowieso nicht ausreichend Platz, um irgendeinen Zettel vernünftig zu befestigen. Lieblos irgendwo versteckt würde der Hinweis wahrscheinlich sowieso keinerlei Erfolg bringen - also lasse ich ihn gleich komplett weg.
Bislang hat sich ja (trotz meiner Bedenken) noch niemand beschwert und das bißchen Mehrarbeit, im Vorbeigehen hin und wieder eine oder mehrere Eierpappen einzusammeln, bekomme ich nun gerade auch noch hin...
Eine Kollegin rief mich für eine Weinberatung zu einer Kundin, die vorm Weinregal stand und einen Kadarka suchte. Die Kundin kenne ich seit Jahren und unterstelle jetzt einfach mal, dass sie wirklich keine Weinexpertin ist. Immerhin wollte sie einen "nicht so sauren" Rotwein haben. "So mittel bis süß." Das klang nicht nach Fachwissen.
Wir haben jedenfalls zwei günstige Sorten Kadarka im Angebot. Der billigere für 1,59€ ist sogar relativ lecker. Süß, sicher nicht hochwertig, aber subjektiv lecker.
Ich suche eigentlich etwas nicht so billiges.
Mit einem Kadarka konnte ich ihr bei diesem Wunsch nicht weiterhelfen und so überlegte ich, welcher Wein aus meinem Sortiment noch in Frage kommen könnte. Ich zeigte ihr einen tunesischen Wein, den ich auch selber gerne mal trinke.
Sie ging darauf allerdings gar nicht ein und zeigte scheinbar völlig wahllos auf eine Flasche aus Chile. "Wie ist der denn?"
Das ist ein sehr trockener Wein. Ich glaube nicht, dass der Ihren Wünschen entspricht.
Hmm...
Ansonsten... habe ich hier noch einen deutschen Wein, einen Schwarzriesling. Eher ein lieblicher Wein und rieslingtypisch sehr frisch-fruchtig.
Wieder zeigte sie plötzlich auf einen völlig anderen Wein: "Und der, der ist doch bestimmt auch gut?"
Nein, bestimmt nicht. Der Balaton ist auch eher sauer. (Ich beschloss, ihre eigenen Worte zu verwenden. Man verzeihe mir den Begriff "sauer".)
Ich wurde plötzlich nach hinten gerufen. Passenderweise wollte die weinsuchende Kunden gerade "lieber noch etwas selber gucken".
Über so ein Verhalten kann ich mich wirklich nur wundern. Da versucht man, jemanden, der eine Beratung haben wollte, anhand einer dünnen Beschreibung einen möglichst passenden Wein zu empfehlen und sämtliche Empfehlungen werden stumpf mit einer Überdosis Dummheit bombardiert und vor allem ignoriert. :wall:
Vor drei Tagen hat eine Frau für exakt 4,90€ eingekauft. Der Kassierer soll ihr aber "6,90 Euro" gesagt haben, woraufhin sie ihm 22 Euro gegeben hätte. Zurückgegeben wurden ihr aber angeblich nur 15,10 Euro und nicht die zu viel gezahlten 2€.
Kundenservice hin, Kundenservice her - derartige Reklamationen sind Tage später meistens in keinster Weise mehr nachvollziehbar.
Eine Kundin erkundigte sich vorige Woche, ob wir ihr Gemüsegrünabfälle für ihr(e) Kaninchen bereitstellen können. Wenn ich kostenlosen Service bieten kann, mache ich es auch. Versuche es zumindest - und genau das habe ich ihr auch gesagt.
Das mit dem Grünzeugs hat in den vergangenen Tagen allerdings nicht geklappt, da unsere "Gemüsefrau" krank ist und alles morgens etwas sehr viel hektischer zugeht. Vor allem, wenn man nebenbei noch kassiert und Zeitungen packt. So hat sich vor allem ergeben, dass täglich unterschiedliche Mitarbeiter die Reste vom Gemüsepacken aufgeräumt und den Müll dann eben "en gros" entsorgt haben.
Gerade eben war diese Kundin da und hat sich bitterböse darüber beschwert, dass sie ja nun jeden Tag umsonst hergekommen ist und dass das mit dem Gemüseabfall einfach nicht klappt.
Mit drei Flaschen Vodka in der Hand näherte ich mich der Kasse. Eine Kundin, die gerade dabei war, ihre Ware zu bezahlen, wollte die hochprozentigen Spirituosen kaufen.
Hinter der Frau stand eine ältere Kundin, die gerade umständlich die Ware aus ihrem Rollator auf das Förderband stapelte. Ich stellte mich neben sie und schob meiner Kassiererin die Flaschen auf dem Förderband entgegen.
"Gehen Sie ruhig vor.", sagte die ältere Kundin zu mir.
Danke, aber geht schon.
Ich hab's aber nicht eilig. Sie dürfen ruhig vorgehen.
Zum Glück habe ich es dann doch schnell geschafft, ihr mitzuteilen, dass ich hier arbeite und nicht den Alk zum Mittag einholen wollte.
Eine Kundin wollte den Fettgehalt einer bestimmten Sorte Kokosmilch aus meinem Sortiment wissen. Der Fettbereich bei Kokosmilch ist relativ groß und kann durchaus bis zu 30% betragen. Aber auch 10% oder weniger ist möglich. Eine verbindliche Angabe konnte ich ihr folglich leider nicht geben.
Leider hatte die Frau kein Verständnis für meine nicht vorhandenen hellseherischen Fähigkeiten, weswegen sich etwa folgender Dialog ergab:
Man sollte schon wissen, was man verkauft.
Natürlich, aber man kann ja nun auch nicht jedes Produkt hier im Laden kennen.
Man kann es nachlesen!
Werd' ich machen...
Ich hätte ihr wahrscheinlich einfach völlig souverän "18,5% Fett, aber rein pflanzlich!" sagen sollen. Das wäre mit großer Wahrscheinlichkeit falsch gewesen, aber ich wette, dass die Frau dann glücklich gewesen wäre...