Dass in einem Supermarkt auch mal Artikel mit abgelaufenem MHD zu finden sind, ist vollkommen normal. Es ist fast unmöglich, das gesamte Sortiment ständig unter Kontrolle zu haben, zumal auch nie die selbe Ordnung besteht. Kunden sortieren auf der Jagd nach dem neuesten Datum z.B. selber die Reihenfolge in den Regalen um und so kommen mal alte Artikel nach hinten. Andere Produkte laufen nur so schlecht, dass man sie nur einmal zu bestellen braucht und trotzdem der Rest irgendwann abläuft. Die Möglichkeiten sind vielfältig und auch wir hier sind davor nicht sicher.
Ein Paar stand eben in der Getränkeabteilung und stapelte das Beck's Bier um. "Hinten steht immer das am längsten haltbare", sagte er wissend zu ihr.
Ja, kann sein. Aber wir sind hier in Bremen, unsere halbe Getränkeabteilung besteht aus Produkten von Beck & Co inBev anBev Anheuser-Busch ABInBev der Brauerei da hinten in unserem Stadtteil, nur ein paar Straßen von hier entfernt.
Hier wird bestimmt einiges alt. Aber kein Beck's Pils.
Ein Kunde wollte wissen, ob Bio-Eier auch von freilaufenden Hühnern stammen. Eine blöde Antwort lag erst auf der Zunge ("Nein, Käfighaltung, damit die aufgrund fehlender Medikamente sehr empfindlichen Hühner draußen nicht mit Keimen in Kontakt kommen…"), aber ich wusste nicht, ob der Mann das tatsächlich als Witz aufgefasst hätte. Ich konnte ihn einfach nicht einschätzen und so blieb es dann vorsichtshalber doch bei der richtigen Antwort.
Zwei Kunden wollten ein paar Getränkedosen mit fertiger Mischung "Jack Daniels und Cola" haben. Mein Mitarbeiter schlug ihnen vor, doch einfach die einzelnen Bestandteile zu kaufen, da sie damit bei der gewünschten Menge günstiger davonkommen würden.
Frage des Kunden: "Was ist denn da drin?"
Immer wieder fragen Kunden nach leeren Kartons. Wenn möglich helfen wir dann, wenngleich ein Großteil der Pappe in der Presse landet.
Natürlich entdecken die Leute dann auch die unterschiedlichen vollen (und daher normalerweise noch benötigten) Kartons im Lager. Freundlich fragen, ob wir den einen oder anderen Karton irgendwie ausleeren können, ist ja okay. Aber manche Leute werden bei dieser Forderung dreist und verlangen regelrecht, dass man die Schachtel ausleert. Da möchte man dann schon aus Prinzip nicht mehr weiterhelfen.
Zwei Heranwachsende kauften ein paar Getränkedosen mit einem Cola-Whisky-Mix. Diese Dosen sind bei uns mit Klebeetiketten unserer Warensicherungsanlage gesichert.
Ein Kollege bekam mit, wie einer der beiden eindringlich zum anderen sagte: "
Hier, die Etiketten musst du unbedingt abreißen und wegwerfen. Das ist RFID und wenn die an den Dosen bleiben, können die hier sogar sehen, wo wir damit hingehen."
Wenn der wüsste. Wir könnten damit sogar sämtliche Räume ihrer Wohnung per Videoüberwachung ausspähen. Hehehe.
Eine Kundin beschwerte sich an der Kasse auf eine recht unfreundliche Art und Weise vor allen Kunden darüber, dass meine Putzfrau mit der Maschine den Fußboden reinigt: "Muss so ein Krach jetzt sein? Kann man sowas nicht vielleicht mal nach Feierabend machen und nicht, wenn hier Kunden im Laden sind?"
Die Antwort einer Kollegin war ernüchternd: "Och, sie können gerne den Putzjob hier bei uns haben. Das wäre dann regelmäßig von null bis zwei Uhr nachts oder alternativ vier bis sechs Uhr morgens."
Es folgte, loooogisch, keine Antwort.
Ältere Kundin: "Wo haben Sie Kaffeefilter?"
Ich: "Genau links von Ihnen."
Die Kundin drehte sich nach rechts zum Regal.
"Wo denn?"
"Genau hinter Ihnen."
"Na, jetzt wollen Sie sich aber einen Spaß mit mir erlauben, oder? Sie bringen mich ja ganz durcheinander."
Ältere Kundin: "Ich suche alkoholfreien Kaffee."
Ich: "Ähh..?"
"Koffeinfrei. Hihi, koffeinfrei natürlich."
Wenn wir hier sonntags arbeiten und dazu notwendigerweise die Marktbeleuchtung einschalten, bedeutet das nicht, dass wir auch geöffnet haben.
Manche Zeitgenossen scheinen daraus eine Verpflichtung zur Ladenöffnung abzuleiten. Klopfen, an der Tür rütteln, herumschreien und uns auf unser Nichtreagieren bzw. Kopfschütteln auch noch mit obszönen Gesten zu überschütten. Na, schönen Dank. Jetzt natürlich erst recht nicht.
Zwei Heranwachsende betraten den Laden. Sie hatten das szenetypische Outfit der in
Banden Gruppen auftretenden Querulanten, die uns hier oftmals am Wochende stressen, und wurden deshalb von einer Kollegin sofort als "verdächtige Person" eingestuft. Wir sprinteten ins Büro an die Videoanlage. Der Adrenalinspiegel stieg, der Puls ging schneller. Wir rechneten schon mit dem Schlimmsten und staunten dann nicht schlecht: "I love Milka" und zwei mit Rosen bedruckte, herzförmige Pralinenschachteln kauften die beiden.
Ach, ja. Valentinstag.
PS: Und heute sogar Valendienstag.
(Die Kalauerkasse füllt sich stetig.)
Ein Kunde suchte
Eiswein. Viel Auswahl haben wir davon nicht, aber zumindest einen sehr guten
Bio-Eiswein. Eine 0,375l-Flasche kostet bei mir 21,99€ – und das ist schon knapp kalkuliert.
Der Kunde freute sich: "
Oh, der ist ja günstig."
Andere zucken zusammen, wenn sie das Preisschild sehen.
Um 1:38 Uhr hat mich vor ein paar Stunden das Klingeln meines Handys aus dem Tiefschlaf gerissen. Ich habe das Gerät für Notfälle immer in greifbarer Nähe liegen - man weiß ja nie...
Den genauen Gesprächsverlauf bekomme ich nicht mehr zusammen, aber es war eine Frau am anderen Ende der Leitung, die im Internet gelesen hatte, dass wir von "0-24 Uhr" geöffnet hätten und davon ausging, dass die Notfallnummer so ähnlich wie die Nachtglocke einer Apotheke funktionieren würde.
Sie musste den Rest der Nacht dann wohl ohne ein neues Babyfläschchen auskommen...
Sollte man, resp. "Kassiererin", sich Gedanken machen, wenn ein Kunde ihr zur Verabschiedung einen "heiligen Dödel" wünscht?
Ernstgemeint, wohlgemerkt.
Zwei angetrunkene Heranwachsende pöbelten an der Kasse herum und beleidigen dabei u.a. meine Mitarbeiterin. Als ich schlichten wollte, zeigten sich die beiden wenig einsichtig, so dass ich sie kurzerhand rauswarf – ohne dass sie ihren Einkauf noch beenden durften.
An der Ausgangstür johlte der kleinere mir noch quer durch den Laden hinterher: "
Eeey, weisst' du, wo isch arbeite? Bei der BILD-Zeitung. Und isch nehm' euern Laden hier auseinander!!!"
Ohgott, beleidigte Kinderchen.