Ältere Kundin: "Ich suche alkoholfreien Kaffee."
Ich: "Ähh..?"
"Koffeinfrei. Hihi, koffeinfrei natürlich."
Wenn wir hier sonntags arbeiten und dazu notwendigerweise die Marktbeleuchtung einschalten, bedeutet das nicht, dass wir auch geöffnet haben.
Manche Zeitgenossen scheinen daraus eine Verpflichtung zur Ladenöffnung abzuleiten. Klopfen, an der Tür rütteln, herumschreien und uns auf unser Nichtreagieren bzw. Kopfschütteln auch noch mit obszönen Gesten zu überschütten. Na, schönen Dank. Jetzt natürlich erst recht nicht.
Zwei Heranwachsende betraten den Laden. Sie hatten das szenetypische Outfit der in
Banden Gruppen auftretenden Querulanten, die uns hier oftmals am Wochende stressen, und wurden deshalb von einer Kollegin sofort als "verdächtige Person" eingestuft. Wir sprinteten ins Büro an die Videoanlage. Der Adrenalinspiegel stieg, der Puls ging schneller. Wir rechneten schon mit dem Schlimmsten und staunten dann nicht schlecht: "I love Milka" und zwei mit Rosen bedruckte, herzförmige Pralinenschachteln kauften die beiden.
Ach, ja. Valentinstag.
PS: Und heute sogar Valendienstag.
(Die Kalauerkasse füllt sich stetig.)
Ein Kunde suchte
Eiswein. Viel Auswahl haben wir davon nicht, aber zumindest einen sehr guten
Bio-Eiswein. Eine 0,375l-Flasche kostet bei mir 21,99€ – und das ist schon knapp kalkuliert.
Der Kunde freute sich: "
Oh, der ist ja günstig."
Andere zucken zusammen, wenn sie das Preisschild sehen.
Um 1:38 Uhr hat mich vor ein paar Stunden das Klingeln meines Handys aus dem Tiefschlaf gerissen. Ich habe das Gerät für Notfälle immer in greifbarer Nähe liegen - man weiß ja nie...
Den genauen Gesprächsverlauf bekomme ich nicht mehr zusammen, aber es war eine Frau am anderen Ende der Leitung, die im Internet gelesen hatte, dass wir von "0-24 Uhr" geöffnet hätten und davon ausging, dass die Notfallnummer so ähnlich wie die Nachtglocke einer Apotheke funktionieren würde.
Sie musste den Rest der Nacht dann wohl ohne ein neues Babyfläschchen auskommen...
Sollte man, resp. "Kassiererin", sich Gedanken machen, wenn ein Kunde ihr zur Verabschiedung einen "heiligen Dödel" wünscht?
Ernstgemeint, wohlgemerkt.
Zwei angetrunkene Heranwachsende pöbelten an der Kasse herum und beleidigen dabei u.a. meine Mitarbeiterin. Als ich schlichten wollte, zeigten sich die beiden wenig einsichtig, so dass ich sie kurzerhand rauswarf – ohne dass sie ihren Einkauf noch beenden durften.
An der Ausgangstür johlte der kleinere mir noch quer durch den Laden hinterher: "
Eeey, weisst' du, wo isch arbeite? Bei der BILD-Zeitung. Und isch nehm' euern Laden hier auseinander!!!"
Ohgott, beleidigte Kinderchen.
Eine Kundin beschwerte sich darüber, dass unser Kühlregal
zu kalt sei und sie deshalb kalte (ach, was…) und schmerzende Finger bekommen würde, wenn sie dort hineinfasst.
Technisch wäre es natürlich gar kein Problem, die Temperatur in dem Möbel auf hautfreundliche 22 Grad plus zu stellen. Aber
das lasse ich die Frau dann mit der Lebensmittelüberwachung ausdiskutieren.
Ein Mann kaufte mit seiner ca. vierjährigen Tochter ein. Plötzlich rief sie: "Papa, lass uns doch ein Eis mitnehmen. Aujaaaa, Eis."
"Nein", antwortete er und ergänze schließlich noch: "Außerdem ist es doch viel zu kalt draußen".
"Aber Papa, Eis passt doch immer. Außerdem will ich das ja zu Hause essen, da ist es doch warm."
Im Laden einen Leergutbon von Oktober 2008 gefunden. Etwas vergilbt, aber noch lesbar.
Den habe ich nun vernichtet und meinen zu versteuernden Gewinn um 1,50€ erhöht. Davon bekommt das Finanzamt noch rund die Hälfte. Der Finanzhaushalt dieses Landes ist gerettet.
Ein Kunde hat über Jahre hinweg bei uns immer wieder eine bestimmte Sorte getrockneter Mangostreifen aus fairem Handel gekauft. Dabei nahm er durchaus keine kleinen Mengen ab – genauer gesagt packte er sich sogar immer wieder mal unseren kompletten Regalbestand in den Einkaufswagen.
Natürlich kam irgendwann mal die Frage nach einem besonderen Mengenrabatt für ihn auf, vor allem mit der Aussicht, dass der Kunde die Waren dann wortwörtlich kartonweise bei mir kaufen würde. Vor ein paar Tagen unterhielten wir uns nochmal ganz konkret über die Sache und ich versprach, mich darum zu kümmern.
Mal eben ein paar Zahlen:
Eine Packung kostet bei mir 2,79€.
Der Preis für dieses Produkt ist damit absolut marktüblich (da Preisempfehlung des Herstellers) und daher nicht weiter erwähnenswert.
In einem Karton befinden sich 15 Einzelpackungen, das ergibt einen regulären Gesamtpreis in Höhe von 41,85€. Gestern hatte ich über den Einkaufspreis der Mangos ein längeres Gespräch mit meinem Lieferanten. Schließlich einigten wir uns auf einen weiteren Rabatt für mich und so wäre ich in der Lage gewesen, dem Kunden einen kompletten Karton für 35 Euro anzubieten. Das ist ein Rabatt von über 16 Prozent, den ich schon ganz ordentlich und alles andere als "knauserig" finde. Abgesehen davon bleibt bei diesem Preis kaum noch etwas für uns übrig, aber für einen Kunden, der hier drumherum auch noch seine anderen Einkäufe erledigt, hätte ich das schließlich unter der Rubrik Kundenservice verbucht.
Heute Morgen habe ich auf dem Zettel, auf dem ich die Daten des Kunden und die Preise notiert hatte, folgenden Hinweis gefunden: "Er kauft in Zukunft woanders…"
Was war geschen? Gestern Abend hat einer meiner Mitarbeiter dem Kunden telefonisch die gute Nachricht bzgl. des Menrabatts mitgeteilt. Der hatte sich aber wohl einen viel größeren Preisnachlass erhofft. Auch mit dem Hinweis, dass wir mit dem Preis schon an der Schmerzgrenze angekommen sind und eben nicht weiter runtergehen können, ließ sich der Mann nicht umstimmen. Das Gespräch beendete er schließlich mit den Worten, dass er dann in Zukunft seine anderen Einkäufe auch woanders erledigen würde.
Denkt euch, was sich mein Mitarbeiter dachte.
Eher durch Zufall haben wir in den letzten Tagen erfahren, warum
dieser Kunde überhaupt Vegetarier ist.
Sinngemäß: "
Haben Sie schonmal in Afrika Fleisch gegessen? Oder gesehen, wie das dort aufbewahrt wird. Total ekelig!"
Nein, der Titel dieses Beitrags hat nichts mit dem Einzug in meine neue Halle zu tun. Dort kann ich ja sowieso erst ab dem ersten März hinein, da die Räume momentan noch vermietet sind.
Viel mehr geht es um ein paar Kunden. Ein junger Mann stand an der Kasse und löste mit irgendetwas den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Er hatte nichts eingesteckt und wir gingen davon aus, dass ein Sicherungsetikett in seiner Bekleidung (Stichwort: Quellensicherung) für das laute Piepen verantwortlich war. Das Gespräch bekam eine ältere Dame mit, die gerade am Packtisch stand und ihren eigenen Einkauf verstaute. Schließlich mischte Sie sich wortkarg wie ausdrucksstark in die Runde ein: "
Aus-zieh'n! Aus-zieh'n! Aus-zieh'n!"
Tzzz…
Den Wunsch erfüllte der Kunde ihr übrigens nicht.
Ein Pärchen stand an der Kasse. Er trug einen Rucksack und während er bezahlte, stopft sie die Ware bei ihm hinten in den Rucksack.
Das ist so weit nicht weiter ungewöhnlich.
Mein Mitarbeiter versuchte, mit etwas Smalltalk die Zeit zu überbrücken. "Da hast du ja echt doppeltes Pech. Packesel und Zahlmeister in einer Person", grinste er den Kunden an.
Ihre Reaktion kam sehr spontan und hinterher lachten alle Beteiligen: "Tzja, wer ficken will, muss nett sein."
Erstaunlich, wie peinlich es manchem (scheinbar) erwachsenen Mann sein kann, sowas Profanes wie Kondome zu kaufen. Da wird dann gewartet, bis bloß kein anderer Kunde mehr in der Nähe ist, sich bevorzugt bei einem männlichen Kassierer angestellt, die Packung mit den Verhüterlis verschwindet auf dem Förderband irgendwo unter oder zwischen anderer Ware und wird nach dem Scannen auch nicht liegengelassen, sondern sofort in die Tasche geräumt.
Aufatmen, Erleichterung. Der Rest des Einkaufs wird entspannt und ohne Hektik erledigt.
Gemein ist es dann schon fast, wenn der Mitarbeiter an der Kasse sich danach nicht nur freundlich verabschiedet, sondern auch noch grinsend "viel Spaß heute Abend" wünscht. Alles schon vorgekommen.
Bei
uns natürlich nicht.