Ich saß an der Kasse, ein Kunde kaufte lediglich eine Packung Toilettenpapier. Nach dem Bezahlvorgang stellte ich die übliche Frage: "Brauchen Sie den Kassenbon dazu?"
"Na, so dringend brauche ich das Papier jetzt auch nicht", antworte er. Und ergänzte noch: ".Reicht vollkommen, wenn ich die Packung in Ruhe zu Hause aufmache."
Jeder Leergutautomat braucht dann und wann mal Unterstützung durch das Personal. Ob da nun irgendetwas voll oder verstopft ist oder ob neue Gebinde eingepflegt werden müssen, in dem Moment ist die Annahme nunmal unter Umständen eine Weile nicht möglich. Bei rund 200 Kunden, die hier pro Tag Leergut abgeben, ist die Chance, dass gerade in einem solchen Moment jemand den Automaten nutzen möchte, natürlich nicht gerade klein.
Die Reaktionen dieser Kunden sind aber beinahe durchgängig negativ: "Ich hasse diese Geräte", "Na, wieder kaputt?", "Schafft das Mistding ab!", "Immer ist was damit." usw. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
Keine Ahnung, ob das durch die in seinen letzten Wochen extrem vielen Ausfälle unseres alten Leergutautomaten kommt oder ob die Leute ganz einfach nur allgemein so drauf sind…
Die Flaschen stehen ganz oben im Regal und ich habe sie ihr auch anstandslos heruntergegeben. Das, was da auf meiner Zungenspitze lag, war nicht nett. Hab's dann aber ohne weiteren Kommentar heruntergeschluckt.
Anfang August hatte eine Kundin einen meiner Mitarbeiter mit extrem besorgten Unterton angesprochen: Sie hätte hier im Laden eine Packung Dany&Sahne gefunden, die schon vor mehreren Jahren abgelaufen sein sollen.
Die Zahlenkombination stand zum Glück nur für den zwölften August, bei Frischeprodukten normalerweise ohne Jahresangabe.
Die ältere Kundin begutachtete die roten Früchte und kommentierte das mit "Sooo schöne Erdbeeren. Die sehen gut aus. Sind wohl mit die letzten, aber riechen noch toll."
An der Kasse unterhielt ich mich mit einer Stammkundin, die mich eine Weile im Laden nicht gesehen hatte. Wahrheitsgemäß erklärte ich, dass ich momentan immer sehr viel zu tun habe und auch häufig im Stress stecke, da wir hier ganz viel bezüglich dringend anstehender Umbau- und Renovierungsmaßnahmen planen.
"Muss auch!", sagte sie, "Der Laden ist echt runtergrockt."
So kann man es wohl auch ausdrücken… Aber wir arbeiten ja daran!
Eine Anruferin wollte wissen, ob wir das Schöller "Spiderman-Eis" im Sortiment hätten. Es gab auf jeden Fall mal eins und ich glaube, das hatten wir sogar mal im Sortiment, ist gefühlt eine Ewigkeit her und auf jeden Fall haben wir es jetzt nicht mehr. Vorsichtshalber lief ich trotzdem mit dem Telefon am Ohr in den Laden und zu den Tiefkühltruhen, um nochmal genau nachzusehen. Während ich suchte, erklärte mir die Frau am Telefon: "Spiderman! Das ist dieser rote Typ, der fliegen kann." – ich fühlte mich an diesen Beitrag erinnert und entgegnete leicht genervt, dass ich Spiderman kenne. Das Eis hatten wir nicht, die Anruferein bedankte sich und legte auf.
Etwas grätig war ich schon. Kann ja sein, dass sie schonmal an jemanden geraten ist, der Spiderman nicht kannte. Oder vielleicht hat sie gerade selber auch zum allerersten Mal davon gehört, als irgendjemand sie beauftragt hatte, genau dieses Eis zu besorgen. Aber pauschal einem Fremden zu unterstellen, Spiderman nicht zu kennen, finde ich schon mutig. Mein Empfinden ist jedenfalls, dass es nicht die Frage ob Fan oder Nicht-Fan ist. Sowas gehört doch schon zur Allgemeinbildung.
Und fliegen kann der auch nicht. Höchstens schwingen!
Zwei junge Männer standen gestern vor der "Vegan-Vitrine" in unserem Bio-Kühlregal und staunten nicht schlecht. Staunen beschreibt es gar nicht richtig, sie wirkten eher ausgesprochen ungläubig: "Die Sachen sind eingeschlossen?"
Einer der beiden machte gerade ein Foto und kommentierte es mit den Worten, dass er dazu etwas im Internet schreiben wird.
Da kam ich ihm allerdings zuvor und berichtete, dass zu dieser Vitrine schon einiges im Web zu lesen war. Nämlich hier im Blog. Dann erzählte ich kurz, dass das Blog schon seit über zehn Jahren existiert und im Grunde ein detailliertes Tagebuch dieses Ladens und eigentlich meiner gesamten Firma ist.
Falls sie nun tatsächlich den Weg hierher gefunden haben und sogar diesen Beitrag gerade lesen sollten: Herzlich Willkommen!
Mein Mitarbeiter erklärte ihr die Beweggründe und das nun ein großer Teil der Kunden die Filter nun endlich dort finden würde, wo sie sie schon immer gesucht hätten.
Die Kundin entgegnete folgendermaßen: "Dann räumen die das mal eben wieder um und dann habe ich noch eine Frage an Sie!"
Als wenn das "mal eben" in ein paar Minuten ginge…
Eine Stammkundin sprach uns an und erklärte, dass sich bei denen im Garten in einer alten Kiste Bienen eingenistet hätten. Ob wir etwas hätten, mit dem man die wegmachen könne, wollte sie wissen.
Hoffen wir mal, dass sie unseren Rat befolgt hat, einfach mal die Feuerwehr anzurufen und dort um professionelle Hilfe durch einen Fachmann zu bitten.
Ein Kunde feilschte recht zäh (aber letztendlich erfolgreich) um einen erheblichen Rabatt bei zwei Ananas, die schon ein paar welke Blätter hatten.
Es war nicht so, dass er nicht das Geld für den ursprünglichen Preis der Früchte dabei gehabt hätte. An der Kasse zog er ein dickes Bündel Banknoten aus der Tasche, in dem die Farben violett, grün und braun absolut dominierten.
Die paar Cent Wechselgeld ließ er dann liegen: "Stimmt so."
Mit meinen Mitarbeitern und dem Brotlieferanten standen auch zwei ziemlich kaputte Typen mit mehreren Tüten Leergut vor dem Laden. Dudeldick waren sie und schliefen augenscheinlich vor dem Leergutautomaten schon fast im Stehen ein.
Der eine lief vor dem Spirituosenregal hin und her überlegte, was er für sie beide zum Nachtanken kaufen könnte. Seine Wahl fiel schließlich auf das Produkt mit dem besten Preis-Dröhnungs-Verhältnis – "Klarer", also letztendlich Alkohol, der mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt wurde.
Der andere nahm sich derweil ein Eis aus der Eistruhe und aß es gleich noch im Laden auf und knüllte sich die Verpackung in die Tasche. Ich wusste schon, warum ich die beiden die ganze Zeit vom Büro aus beobachtet hatte.
An der Kasse ließ ich sie das Eis mitbezahlen. Weitere Diskussionen und Erklärungen sparte ich mir allerdings, denn ich glaube, dass sie von all dem nicht ernsthaft viel mitbekommen haben. Sie wirkten auf mich tatsächlich schon so, als wären sie kurz vor nicht mehr ansprechbar.