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Wortloser Kommunikationsversuch

Zusammen mit einer Kollegin stand ich in der Nähe des Leergutautomaten, als ein Mann auf uns zu kam, mit einer Hand mit zwei ausgestreckten Fingern auf seine Augen zeigte und eine Bewegung andeutete, die mich zum Mitkommen aufzufordern schien. "Alles klar, der will mir etwas zeigen", dachte ich noch und ging mit ihm. Er führte mich zur Vegan-Vitrine im Kühlregal und zeigte schließlich mit einem Finger in Richtung eines dahinterstehenden Artikels. Ich konnte keine Auffälligkeit entdecken und fragte: "Was ist damit? Ich kann da nichts erkennen."

"Ich möchte davon was haben."

Das hätte er aber auch gleich sagen können, so musste ich nämlich wieder nach hinten ins Lager laufen und den Schlüssel holen.

Im nächsten Leben werd' ich Hellseher, versprochen. :-P

Der geilste Arsch

Ein dunkelhäutiger Mann, der kein Wort deutsch spach und nur in einem sehr gebrochenen Englisch mit meiner Mitarbeiterin kommunizieren konnte, trug ein T-Shirt mit folgendem Aufdruck:
Meine Freundin hat den geilsten Arsch der Welt – MICH!
Ob er weiß, was er da trägt?

Wir haben jedenfalls nicht danach gefragt. :-D

20 statt 50

Unsere Kassen haben vier Tasten, mit denen man die gegebenen Zahlungsmittel "5€", "10€", "20€" und "50€" mit einem Tastendruck auslösen kann, ohne z.B. einzeln nacheinander Fünf – Null – Null – Null – Enter drücken zu müssen. Das ist sehr praktisch und spart Zeit, allerdings kann eine kurze Unaufmerksamkeit schon unangenehme Folgen haben. Durch die Routine an der Kasse denkt man nicht mehr über jede einzelne Zahl nach und wenn da ein Rückgeld in Höhe von 30 Euro auf dem Display angezeigt wird, hinterfragt man das oftmals nicht. Das man gerade versehentlich die 50er- statt die 20er-Taste gedrückt hat, ist in dem Moment schon nicht mehr präsent.

Einem Kollegin erging es andersherum. Eine Frau mittleren Alters hatte mit einem 50-Euro-Schein bezahlt und ein um 30 Euro zu geringes Wechselgeld bekommen, nachdem mein Mitarbeiter versehentlich auf die 20er-Taste gedrückt hatte.

Das ließ sich relativ schnell und problemlos aufklären, wir zahlten das Geld aus und mein Kassierer und ich entschuldigten uns bei der Frau. Allerdings fand ich ihre Sprüche gar nicht nett. Während sie die ganze Zeit mit dem Kopf nickte, um ihren Unglauben zu untermauern, sagte sie: "Ja, schon klar… Man kann's ja mal versuchen.

Klar machen wir das absichtlich.
Die hat jetzt unser ganzes Geschäftsmodell durcheinandergebracht. :-P

Verschrotteter Weihnachtsmann

Ein Kunde stellte neben ein paar anderen Artikeln auch einen großen Schokoladenweihnachtsmann auf das Förderband der Kasse. Nachdem meine Mitarbeiterin den Schokomann gescannt hatte, stellte der Kunde ihn ganz behutsam in seinen Einkaufswagen zurück. Ein paar Artikel später hatte er eine Dose Würstchen, die ihm allerdings aus der Hand rutschte und den Weihnachtsmann erschlug und komplett zerbröselte.

"Möchten Sie sich einen neuen nehmen?", bot meine Kassiererin an.

"Ach, egal, der wird sowieso gleich gegessen", antwortete er.

Na, denn. :-)

Was ist denn da wohl drunter?

Kundendenke? "Ohoh, ein Preisschild, das über einem anderen Preisschild klebt. Das muss ich gleich mal hochknibbeln. Wer weiß, was sich darunter verbirgt. Vielleicht ja sogar ein wertvoller Schatz."


"Defekt"-Schild ignorieren

An einem Kühler, dessen Stromanschluss wir kurzzeitig anderweitig benutzen mussten, prangte auf Augenhöhe ein dickes "DEFEKT!"-Schild – aber das hat den Kunden nicht davon abgehalten, sich mehrere Flaschen Bier herauszunehmen und sich schließlich an der Kasse darüber zu beschweren, dass die Flaschen gar nicht richtg kalt wären.

Ach, was. :-)

Muss arbeiten!

Ein Mann kaufte mehrere Flaschen Spirituosen und Wein, nahm sich Tabak und Blättchen und dazu noch ein Päckchen Feuerzeuge und legte schließlich noch ein ein paar Convenience-Produkte dazu, Tiefkühlpizza und fertige Hot Dogs, und packte letztendlich noch zwei Tüten Chips dazu. Es sah nach einem ausgesprochen entspannten Wochenende aus und das wünschte mein Mitarbeiter an der Kasse ihm auch: "Dann wünsche ich doch ein schönes und entspanntes Wochenende."

Ernüchternde Antwort: "Nee, ich muss arbeiten."

Schokolade

Eine Kundin sprach mich an und wollte wissen, wo wir Schokolade hätten. Ich führte sie zu unserem Süßwarenregal und zeigte ihr unsere Auswahl. Nachdem sie rund zwei Minuten vor dem Regal stand und zumindest so tat, als wenn sie sich ernsthaft für eine Sorte entscheiden wollte, verließ sie den Laden schokoladenlos.

Ob sie überfordert wegen der großen Auswahl war? Immerhin durfte sie sich zwischen Zotter, Gepa, Milka, Ritter Sport, Marabou, Gut&Günstig Eigenmarke, Trumpf, Böhme, Schogetten, Alpia, Die Weiße, Ferrero, Aero und anderen kleineren Marken entscheiden. :-D

War das für alle Ohren bestimmt?

Ein junges Pärchen kaufte ein. Während sie noch vor dem Cola-Regal stand, befand er sich schon auf dem Weg zur Kasse und war rund zehn Meter von ihr entfernt. Es ergab sich etwa der folgende und aufgrund der Entfernung nicht leise gesprochene Dialog, der darum auch in den anderen den Regalreihen nicht zu überhören war:
Sie: "Wie doll liebst du mich?"

Er: "Ich lieb dich total!"

"Nee, ehrlich jetzt."

"Wirklich. Ich schwör. Kein Scheiß. Ich lieb dich voll!"

"Wie sehr liebst du mich?

"So sehr, dass ich dich gleich ficken werde!"
Dann ging es auch schon gemeinsam zur Kasse. Leider. Wäre mal spannend gewesen, wie das wohl weitergegangen wäre… :-)

Antibiotikum

Eine Kundin stand an der Fleischtruhe und rief einem mehrere Meter entfernt stehenden Kollegen zu: "Woher weiß ich denn, dass den Tieren kein Antibiotikum gegeben wurde?"

"Weil "bio" draufsteht."

"Da steht nichts von Bio."

"Dann nicht."

Sie nahm dann eine Packung tiefgefrorenes Bio-Hackfleisch. :-)

(In der Bio-Haltung ist die Verabreichung von Antibiotika übrigens (bis auf ganz wenige Ausnahmen) generell verboten. In der konventionellen Landwirtschaft sollen zumindest die Wartezeiten bis zur Schlachtung lange genug sein, wenn Antibiotikum gegeben wurde. Also theoretisch braucht man so oder so keine Angst zu haben, ungewollt Antibiotika zu sich zu nehmen.)

Bescheidene Bio-Weihnachtsgeflügelbestellung

Die Bestellung an Bio-Weihnachtsgeflügel fiel relativ bescheiden aus: Eine Gans, eine Ente, zwei Stücke Entenbrust, zwei Putenkeulen und drei Putenrollbraten haben meine Kunden vorbestellt.

Das Problem ist, dass die Zeit immer relativ knapp ist. Wenn ich die Unterlagen Mitte November bekomme und die Bestellung schon Anfang Dezember beim Lieferanten vorliegen muss, bleibt nicht viel Zeit. Ich könnte zwar die Flyer schon deutlich früher auslegen, aber da besteht natürlich das Risiko, dass sich das Sortiment oder die Preise noch verändern.

Das mache ich sonst nie!

Eine Kundin kam mit einem ihrer Kontoauszüge zu uns in den Laden und beschwerte sich, dass wir ihr zu viel Geld abgebucht hätten: "166,41€ – da ist Ihrer Kassiererin eine sechs zu viel reingerutscht. Das kann nur ein kleiner Einkauf gewesen sein, also wohl 16,41€."

Da ich ihr nicht einfach auf gut Glück 150 Euro in die Hand drücken wollte, erklärte ich, dass ich dass ich das prüfen müsse und dass das eine Weile dauern würde. Die Frau war vollkommen entspannt und bot an, nach ihrem Frisörtermin wiederzukommen. Die Zeit nutzte ich, um die entsprechenden Belege (Ausruck aus dem ec-Terminal und am Rechner den Kassenbon) herauszusuchen.

Auf dem ec-Beleg stand 166,41€ drauf. Logischerweise, die Summe wurde auch abgebucht. Wenn da mal eine Differenz auftreten würde, hätte der Dienstleister wohl ein großes Problem.

Spannender war der Kassenbon: Der kleine Einkauf ergab tatsächlich nur 16,41€. Als "Zahlungsmittel gegeben" wurden allerdings 166,41€ gebucht, so das als Rückgeld 150€ herauskamen. Das war für mich ziemlich eindeutig ein zeichen dafür, dass sich die Kundin 150 Euro hat auszahlen lassen. Meine Begründung:

1. Beim Eingeben der PIN überprüft man doch als Kunde die Summe, die da am Gerät steht. Okay, sollte man prüfen, denn Fehler passieren überall. Könnte also an dieser Stelle schomal schiefgelaufen sein. Und das ist eigentlich ein Punkt, an dem man als Händler die Schuld von sich weisen könnte.

2. Eine erfahrene Kassiererin müsste versehentlich zweimal die Sechs am ec-Gerät gedrückt haben. Da das eine Gummitastatur ist, bei der man die Tasten ziemlich bewusst drücken muss, ist das eher unwahrscheinlich. Mit "Wurstfingern" kann man zwar zwei verschiedene Tasten drücken, aber nicht zweimal hintereinander die selbe.

3. Wir übernehmen aus Sicherheitsgründen (zur Nachkontrolle und um Differenzen zu vermeiden) bewusst den auf dem ec-Beleg stehenden Wert als den gegebenen Betrag in die Kasse. Spätestens hier hätte meine Mitarbeiterin stutzig werden müssen.

4. Es hat "150€" Rückgeld auf dem Display gestanden. Auch hier wäre mal Gelegenheit gewesen, nachzuprüfen, was da wohl schiefgelaufen sein könnte.

5. Es gab keine auffällige Kassendifferenz an dem Tag.

"Sind Sie sicher, dass Sie nicht doch 150 Euro mitgenommen hatten?"

Die Kundin wollte erst protestieren, dann stockte sie, überlegte und stammelte schließlich: "Ach… Jaaaaha… Doch… Ich erinnere mich wieder. Das mache ich sonst nie, darum hatte ich das vergessen."

War ich nicht!

Vom Ende einer Regalreihe aus beobachtete ich eine ältere Frau dabei, wie sie versuchte, eine kleine (4er) Eierverpackung zu öffnen. Nachdem sie das Prinzip mit der kleinen Papplasche offenbar nicht verstanden hatte, riss sie einfach den gesamten Deckel ab. Der Inhalt gefiel ihr wohl nicht und sie stellte den Karton wieder ins Regal und nahm sich eine andere Schachtel mit sechs Eiern, die sie ungeöffnet in ihren Einkaufswagen stellte.

Ich sprach sie an und bat sie, entweder nur die kleine Packung oder meinetwegen auch gerne beide Packungen zu kaufen. Aber wer was aufreißt, muss dafür auch aufkommen.

"Ich war das nicht", sagte sie.

"Na, ich hab da doch zugeguckt", entgegnete ich.

"Die Schachtel war so."

"Nein, war sie nicht. Ich habe doch gesehen, wie Sie den ganzen Deckel da hochgerissen haben. Darüm möchte ich, dass Sie die bezahlen."

"Ich nehme ja die größere Packung."

"Sie können gerne beide Packungen nehmen oder meinetwegen auch nur die kleine. Oder zwei kleine, dann haben Sie acht Eier. Aber was soll ich denn damit jetzt machen? Das kauft doch kein anderer Kunde so."

Sie zuckte mit den Schultern und ließ mich einfach stehen.

Meinem Kassierer sagte ich, ihr einfach 99 Cent mehr mit abzuziehen. Die Packung haben wir dann mit Tesafilm replikiert und für den halben Preis verkauft. Manche merken echt gar nichts mehr… :-|

Ruhe in Frieden, Rosemarie

Kunden kommen und gehen. Gerade viele ältere Kunden tauchen irgendwann nicht mehr auf. Das fällt nicht immer sofort auf, aber manchmal sitzt man dann zu Hause am Esstisch, unterhält sich über die Firma und dann unterhält man sich plötzlich über bestimmte Kunden und Kundinnen und dann fällt einem auf, dass man ihn oder sie schon eine Weile nicht mehr gesehen hat.

Eine ältere Dame, die uns hier rund 15 Jahre begleitet hat und von der man gefühlt die gesamte Lebensgeschichte wusste (auch wenn das Inerfahrungbringen derselben manchmal sehr anstrengend war), ist uns nun schon einige Monate nicht mehr über den Weg gelaufen. Eine Kollegin wusste aber, dass die Kundin in der selben Bank wie sie ist und so fragte sie einfach mal beim freundlichen Mitarbeiter der Bank nach. Dort müsste ja bekannt sein, wenn Konten etc. aufgelöst worden wären.

Traurige Gewissheit: Die Kundin, die bei uns vorne am Eingang immer ein paar Sekunden stehenblieb und sich ihren Pony akkurat zur Seite kämmte, weilt nicht mehr unter uns. Schade. Sie war zwar manchmal anstrengend, aber gehörte zu den Leuten, mit denen man immer nett plaudern konnte.

Nee, nee – Kilopreis!

Ein Kunde betrachtete die Liste mit den Bio-Geflügel-Angeboten und wunderte sich und fragte seiner Begleitung: "Warum ist denn die kleine Ente teurer als die große? Was soll das denn?"

Diese löste das Rätsel: "Das ist der Kilopreis."

Ich glaube, da ist eine Welt zusammengebrochen. :-)