Natürlich verkaufen wir hier auch Getränke auf Kommission. Wer nicht weiss, ob er für seine Party nu 15 oder 20 Kisten Bier braucht, kann erstmal großzügig mitnehmen und komplette Kisten hinterher gegen Barauszahlung wieder herbringen. Dies gilt bei mir und auch bei jedem anderen mir bekannten Laden ausschließlich für vollständige Getränkekästen.
Falls doch mal Flaschen fehlen, ist das meistens auch kein Problem. Von der Gutschrift für die gesamte Kiste ziehe ich dann einfach die Anzahl der fehlenden Flaschen zum Einzelverkaufspreis ab. Das bringt niemanden um und ich als Kunde würde mich darüber freuen.
Ob nun mein Mitarbeiter oder die Kunden bei seiner Erklärung das falsch verstanden hatten, weiss ich nicht.
Das nach der Feier wieder mitgebrachte Durcheinander aus kompletten und angebrochenen Kisten, teilweise durch mehrere Biersorten hindurch bunt gemischt mit vollen und leeren Flaschen war bezüglich einer ordentlichen Gutschrift schon eine Herausforderung für mich.
Ich hätte es jedenfalls nichtmal gewagt, die Reste überhaupt so unsortiert wieder zum Supermarkt zu bringen und mit dem Hinweis auf den Kommissionskauf eine Rücknahme zu verlangen...
Ein Kunde suchte einen Wein, der "Speziell für Schwangere" geeignet sein soll und den es hier bei mir im Markt geben soll.
Ich hatte keine Idee, was er wohl meinen könnte und habe ihm deshalb einen alkoholfreien Wein angeboten. Das war nämlich der einzige, der mir für eine schwangere Frau wirklich tauglich schien.
Ein Pärchen, das ich rein optisch der fröhlichen Runde an der Piepe (Zentraler Treffpunkt für Drogen und Alk) zuordnen würde, betrat eben den Laden. Ihr Weg führte direkt zum Regal mit Damenhygieneartikeln - meiner ins Büro zur Überwachungskamera. Tampons sind nunmal teuer und ich daher pauschal misstrauisch.
Die Blicke ihres Begleiters führten immer wieder zur Kamera. Ob das nun Zufall war, oder nicht, kann ich allerdings nicht sagen. Eingesteckt haben die beiden nichts, aber auf dem Weg zur Kasse warf sie dann eine kleine Packung Tampons noch schwungvoll ins Süßwarenregal.
Früher hätte ich noch versucht, bei sowas ruhig zu bleiben. Stillschweigend hätte ich hinterhergeräumt und die Ware wieder an ihren eigentlichen Platz gestellt. Der Kunde ist schließlich König.
Ist er auch eigentlich immer noch, unabhängig von der Optik, aber trotzdem sage ich inzwischen meine Meinung, wenn der Monarch sich wie eine alte Sau benimmt.
An der Kasse sprach ich die Frau ruhig, aber bestimmt, darauf an, dass sie die Sachen beim nächsten Mal ruhig wieder ins Regal zurücklegen darf und sie nicht irgendwo ins Regal zuwerfen braucht. Sie fühlte sich wohl doch ertappt und murmelte irgendwas, das wie "mache ich nicht wieder" klang...
Während ich im Gespräch mit einem Handwerker war, beobachtete ich aus dem Augenwinkel folgendes:
Eine Kundin suchte etwas im Gewürzregal. Plötzlich fiel ihr ein Gewürztütchen zu Boden, welches sie unmittelbar darauf hektisch mit dem Fuß aus dem Gang unters Regal verschwinden ließ.
Sekundenbruchteile später drehte sie sich um und muß zumindest geahnt haben, dass ich sie bei ihrer Aktion beobachtet hatte - jedenfalls bückte sie sich, hob das Gewürz auf und stellte es wieder ordentlich ins Regal...
Ich glaube, der Kundin war die Sache mächtig peinlich. Mein Lachanfall tat mir jedenfalls ganz gut. :)
Vor ein paar Tagen ist mir beim groben Überschlagen aufgefallen, dass hier im Geschäft in der Gastfeldstrasse seit Geschäftseröffnung rund 1,5 Millionen Kunden durchgelaufen sind. Eine recht beachtliche Zahl, wie ich finde.
Diese große Anzahl an Besuchern und der Zeitraum von inzwischen mehr als sechs Jahren haben ihre Spuren hinterlassen: Vieles hier im Markt ist inzwischen abgenutzt oder sogar beschädigt. Einiges ist schmuddelig und der Laden ist im Laufe der Jahre einfach immer mehr verbaut worden. Jetzt, im direkten Vergleich mit dem neuen, hellen Markt in Findorff, fällt mir das erst recht auf. Bislang war's immer eine Mischung aus Betriebsblindheit und Gewohnheit, denke ich - aber nun wird aufgeräumt und neu gestaltet. Zwar nicht gleich nächste Woche, aber schon noch dieses Jahr.
Entschuldigung, wo habt ihr denn jetzt die H-Milch?
Ich interpretiere in das Wort "jetzt" irgendwie den Vorwurf hinein, gerade erst und vor allem mal wieder umgebaut zu haben. Vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein, aber ich empfinde es nunmal so.
Ob der Mann irgendwelche Drogen oder Alkohol genommen hatte, kann ich nicht sagen. Vielleicht war er auch einfach nur krank oder behindert. Jedenfalls wirkte er zeitweise sehr normal (Typ seriöser Endfünfziger im entspannten Müßiggang). Im Grunde suchte er nur schlendernd einen kleinen Einkauf zusammen, stellte sich an der Kasse an und bezahlte seine Waren.
Wie gesagt: Im Grunde.
Tatsächlich war es so, dass er sehr kommunikativ war und alle möglichen Leute anquatschte. Dazu gehörten auch ein paar Mitarbeiter/innen und ich. Er warf mit obszönen Begriffen um sich und sprach die anderen Kunden teilweise sehr direkt auf ihr Sexualleben an und unterstellte ihnen diverse Vorlieben und Neigungen.
Nach einigem Zureden blieb er dann halbwegs friedlich und verließ nach dem Bezahlen auch freiwillig den Laden. Ich war sehr dicht davor, ihn gezielt an die frische Luft zu setzen.
Mitten im Laden lag auf dem Fußboden ein Taschentuch. Ich hielt an, hob es mit spitzen Fingern auf und stellte dabei fest, dass es relativ schwer war. Der Grund dafür war der schwarzbraune, matschig-feste Klumpen, der im Taschentuch klebte.
Ich rede mir jetzt ein, dass es ein Stück Schokokuchen war.
Ein Kunde traf im Laden auf eine Bekannte, begrüßte sie winkend und stellte ihr die obligatorische Frage: "Kaufst du gerade ein?
Ihre Antwort hatte ich im Vorbeigehen leider nicht mehr mitbekommen. Ich wünschte mir allerdings insgeheim, dass es irgendetwas Schlagfertiges war, das sich auf den bereits gut gefüllten Einkaufswagen bezog, den sie vor sich her schob... :)
Eine Stammkundin sprach mich gerade sehr ernst an. In der Hand hielt sie etwas sehr Flaches, das mit Alufolie umwickelt war.
Ich nahm das geschlossene Paket entgegen und sie sagte:
Diesen Schinken habe ich vor ein paar Tagen gekauft!!!
Was ist denn damit?, wollte ich wissen.
Der ist übelst abgelaufen!
Oops, sowas kann natürlich bei hunderten verschiedenen Artikeln passieren. Was mit "übelst" gemeint war, kam beim Auspacken des Schinkens ans Tageslicht: Das aufgedruckte MHD vom 2.6.2006 war inzwischen seit mehr als einem Monat überschritten. Sofort fing ich an, darüber nachzudenken, woher der Schinken stammen könnte. Immerhin machen wir hier tägliche Kontrolle mit wöchentlicher Komplettaufnahme der Kühlregale. Klar kann da mal etwas übersehen werden - aber vier Wochen hintereinander? Ich hatte schon oft das Gefühl, das Leute alte Ware aus ihrem Kühlschrank mit frisch gekaufter Ware verwechseln. Aber das würde ich dieser Kundin nicht zutrauen.
Ich war jedenfalls sehr beruhigt, als ich die aufgedruckte Marke sah: Es handelte sich bei dem Produkt nämlich um die Eigenmarke von Penny, meinem Wettbewerber an der Ecke. :)