Nach einer leider ziemlich blogeintragarmen Woche möchte ich hier noch einen Kommentar auf den letzten Eintrag veröffentlichen. Es lesen ja nicht alle die Kommentare und darum wäre es zu schade, wenn dieser, geschrieben von Torsten Karwoth, einfach in Vergessenheit geraten würde:
Aus dem Tagebuch einer verwirrten Frau:
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Captains log, 28. September 2005:
Liebes Tagebuch. Heute war ich wieder einkaufen. Nun ist mir allerdings etwas komisches aufgefallen: Man kann dort auch Getränke kaufen, die 37% Alkohol enthalten. Ich habe dem Geschlechtsführer sofort mitgeteilt, dass ich dieses mißbillige. In diesen Laden gehe ich nicht mehr. Ich fühle mich so enttäuscht...
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6. Oktober 2005:
Meine Vorräte von letzter Woche gingen zu Ende. Schweren Herzens ging ich daher heute wieder einkaufen. Es hätte ein harmonischer Einkauf werden können, aber leider liefen da heute so merkwürdige Leute rum. Ein Mann hat eine Frau unsittlich berührt und ich bin resolut dazwischen gegangen - das muß doch nicht sein daß die vor meiner Nase Sex haben!? Der Mann wollte mich noch verwünschen, aber ich habe nicht zugehört.
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8. Oktober 2005:
Vorgestern hatte ich vergessen zu kontrollieren, ob es in diesem komischen Laden immernoch Alkohol gibt... Das wollte ich heute nachholen. Die 37%igen Flaschen gibt es immernoch! Ich beschließe, den Staatsschutz anzurufen und will eine Telefonkarte erwerben. Allerdings wollen die mir eine offensichtlich leere Karte andrehen um dieses zu verhindern. Diese leere Karte sollte 5 Euro kosten. Ich habe abgelehnt. Während des Heimweges gehen mir diese Zahlen nicht aus dem Kopf. 37... 5... immer wieder 37...5... 37 + 5 ... 42! Ich habe Angst!
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15. Oktober 2005:
Ich mußte wieder was einkaufen. Heute ging fast alles glatt, aber dann als ich an der Kasse stand... Ein Mann war ganz dicht hinter mir. Wollte er mit mir etwa das gleiche machen wie das was ich vor 9 Tagen hier erlebt hatte? Das ist ein Sündenpfuhl, kein Laden!
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9. Dezember 2005:
Habe heute eine komische Frau mit Pferdeschwanz gesehen, die hat mich so komisch angeschaut. Außerdem hatte sie kurze Haare. Was will die von mir?
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10. Dezember 2005:
Heute wieder eine Frau gesehen. Es war zwar nicht die gleiche Frau wie gestern, aber eine Frau. Und sie hatte auch einen Pferdeschwanz. Es war aber nicht der gleiche Pferdeschwanz, da es ja eine andere Frau war. Es war auch ein anderer Laden. Morgen treffe ich mich endlich mit meinem Doktor....
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3. Juni 2006:
Seit zwei Wochen bin ich wieder daheim. Mein Arzt sagte mir gestern, ich wäre auf dem Weg der Besserung. Ich fühle mich gut und werde gleich Einkaufen gehen!
Nachtrag: Ich komme grade vom Einkaufen wieder. Ich habe dort 37%igen Alkohol gesehen. Eine Frau mit Pferdeschwanz hat sich von einem Mann küssen lassen - oder bildete ich mir das nur ein? Ich lief ganz schnell zur Kasse und bezahlte. Ich glaube, ich bin wieder von einem Mann berührt worden der ganz dicht hinter mir stand. Ich wollte eben meinen Therapeuten anrufen aber das kann ich erst nächste Woche tun. Muß mir erst eine Telefonkarte kaufen...
Damit verabschiede mich für diese Woche und wünsche euch allen ein paar schöne Pfingsttage.
Eine Kollegin kam direkt von der Kasse zu mir, war sichtlich irritiert und sprach mich ganz besorgt an: An der Kasse war eben eine Kundin, die die ganze Zeit etwas von "Körperverletzung" und "Sie zeigt uns alle an." erzählt hat.
Worum es ging? Keine Ahnung. Wer es war? Klar: SIEmalwieder.
Ein Mädchen, ca. 7 Jahre alt, klingelte eben an der Leergutkasse. Sie öffnete ihre Schultasche und zog eine Plastiktüte voller leerer Getränkedosen heraus.
Nachdem ich feststellte, dass ich ihr für die Dosen kein Pfand auszahlen konnte, stopfte sie alles wieder zurück in ihre Tasche und verlangte anschließend noch eine Rolle Gelbe Säcke.
Faszienierend, was manche Kinder mit sich herumschleppen...
Eine Kundin sollte für eine Flasche Sekt 3,09€ bezahlen.
Das war ihr zu viel und es folgte natürlich die obligatorische Diskussion an der Kasse. Schließlich rief mich meine Mitarbeiterin an und erkundigte sich, ob dieser spezielle Sekt gerade im Angebot sei. Ich verneinte.
Die Kundin behauptete allerdings, dass am Regal 2,99€ stehen würde. Nachdem ich alles überprüft hatte, aber keine Erklärung für den zu hohen Preis finden konnte, wollte ich gerade der Kassiererin sagen, dass sie der Kundin erstmal die 10 Cent wiedergeben soll. Anschließend wäre ich dann ans Regal gegangen und hätte überprüft, ob die Kundin überhaupt auf das richtige Etikett gesehen hat. Aber so weit kam es gar nicht...
...denn plötzlich sagte die Stimme am Telefon: "Schon gut, die Kundin hat ja noch eine Plastiktüte für zehn Cent dabei."
Eine Kundin hat ihre Einkäufe auf das Kassenband gelegt und ihre eigene große Einkaufstasche im Wagen belassen. Die Tasche war offen und relativ einsehbar. Zu sehen waren einige Artikel aus einem anderen Geschäft. Oben guckte der Zipfel einer Papiertüte heraus, die unseren Brötchentüten zumindest sehr ähnlich sah.
Meine Mitarbeiterin sprach sie freundlich und in keiner Weise vorwurfsvoll oder verdächtigend auf die Tüte an. Die Kundin explodierte förmlich, fing an, sich möglichst laut (warum nur immer...) vor allen anderen Kunden zu blamieren darüber aufzuregen, dass wir sie des Diebstahls(!) bezichtigen würden. Schließlich sollte meine freche und unverschämte [sic!] Kassiererin sogar noch ihren Chef rufen.
Ich lief also nach vorne, wußte in dem Moment natürlich noch gar nicht, um was es überhaupt ging, und stand plötzlicher einer laut fluchenden Frau gegenüber. Ich versuchte, sie zu beruhigen, unter anderem damit, dass ihr keiner einen Diebstahl unterstellt hätte. Aber davon wollte sie nichts hören. Sie fluchte vor sich hin, dass das Verhalten der Kassiererin eine Frechheit gewesen wäre, dass sie es bestimmt nicht nötig hätte, ein paar Brötchen zu stehlen, dass sie hier nicht mehr herkommen würde usw.
Währenddessen stopfte sie die Ware in ihre Tragetasche und verließ den Laden. Zurück blieben ein paar kopfschüttelnde Beobachter...
Anwesende Kunden bestätigten übrigens hinterher, dass das Verhalten meiner Mitarbeiterin völlig korrekt war und die Frau einfach nur absolut überreagiert hatte.
Eine Kundin hielt einer Mitarbeiterin zwei Packungen Speisequark vor die Nase und wollte wissen, was denn nun die Aufschriften "Magerstufe" und "20%" bedeuten sollen.
Eine Stammkundin erkundigte sich danach, ob sie bei uns mit Dollar bezahlen könne. Sie erklärte, dass es sich dabei um echte US-Dollar handeln würde und sie dringend noch zwei Schachteln Zigaretten benötigen würde.
Auch wenn ihr ein Mitarbeiter von mir das angeblich vor ein paar Tagen zugesagt haben soll, blieb ich sehr beharrlich bei meiner Aussage, dass wir hier im Euroland sind.
Nachtrag:
Ich habe den Eintrag mal umbenannt. Offenbar machen die $-Zeichen im Titel bei einigen Probleme.
Vorige Woche bestellte ein Kunde 10 Packungen frische Entenfilets. Ich sagte sie ihm für heute, Freitag, zu und bestellte dementsprechend eine größere Menge dieser Fleischstücke.
Eben war der Kunde hier und wollte die Filets abholen. Er schien gar nicht glücklich und tat war sehr schockiert über den Preis von rund drei Euro pro Stück und erzählte mir, dass er vor 2-3 Wochen doch nur etwa 1,70€ dafür bezahlt und er für den Preis sogar eine Doppelpackung bekommen hätte. Damit sind die Stücke, die ich ihm jetzt verkaufen wollte, ja gleich vier mal so teuer. Die könne er natürlich nicht kaufen.
Daraufhin erfuhr er von mir, dass ich die Entenfilets extra für ihn bestellt hätte und dies normalerweise nur mit Anzahlung tun würde. Wir einigten uns darauf, dass er sechs Stück mitnimmt. Über die restlichen werden sich hier im Laden bestimmt noch ein paar andere Kunden freuen.
Wie er auf "Doppelpacks" kommt, ist mir schlicht und einfach ein Rätsel. Sowas hatten wir definitiv noch nie. Der "halben", aber runde Preis ist schnell erklärt: Er hat bestimmt ein heruntergesetztes Stück gekauft.
Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass ein Kunde einen preisreduzierten Artikel kauft, diesen nachbestellt und sich dann darüber aufregt, dass er "so teuer" ist...
Ich sollte zwei 55-Cent-Briefmarken an die Kasse bringen, welche von der Kunden auch umgehend auf ihren C4-Umschlag geklebt wurden.
Eineurozehn reicht dafür aber nicht. Da gehören einsvierundvierzig drauf.
Der ist aber nicht schwer.
Es kommt auch auf die Größe an. Und dieser Umschlag kostet bis 500 Gramm Gewicht nunmal einen Euro und vierundvierzig Cent.
Die Kundin versuchte, die Marken wieder abzuziehen, gab allerdings auf und kaufte noch eine dritte 0,55€-Marke.
Wenn jeder Fehler nur 21 Cent kosten würde...
Eine Kundin wollte wissen, ob wir "normale Batterien" haben.
Die Größenangabe "normal" hilft bei Batterien nur leider kein Stück weiter... Selbst Angaben wie "für meine Uhr", "für meine Taschenlampe" lassen nur sehr ungenaue Rückschlüsse auf den benötigten Zellentyp zu.
Eine Stammkundin kam mit einer BILD-Zeitung unter dem Arm in den Laden. Während sie ihre paar Teile zusammensuchte sprach sie mich an und erklärte mir, dass die BILD nicht aus meinem Laden stammt. Die hätte sie beim Quickshop gegenüber gekauft, weil sie nicht wußte, ob wir hier überhaupt Zeitungen verkaufen würden.
Ich gebe ja zu, dass ich vor knapp sechs Jahren recht spontan und ohne weitere Ankündigungen den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften begonnen habe.
Eine Kundin reklamierte eine Packungs Beck's Green Lemon, die sie angeblich letzten Freitag hier gekauft hätte und der schon Ende März abgelaufen ist.
Beweisen, dass sie es hier gekauft hat, konnte sie nicht. Es gab weder Kaufbeleg noch Zeugen. Außerdem war das Produkt in den letzten Monaten immer wieder ausverkauft, so dass ich mir nur sehr schwer vorstellen kann, dass es überhaupt auch nur annähernd an die Grenzen des Haltbarkeitsdatums gelangt ist.
Aber: Es kann immer mal irgendwie ein Teil zufälligerweise so lange durch die Neulieferungen rutschen und/oder sich hinter anderen Produkten verstecken, bis es dann doch irgendwann abläuft.
Auf meinen Schultern saßen plötzlich ein kleines Engelchen und ein kleines Teufelchen, die sich gegenseitig die Pro- und Kontra-Argumente um die Ohren schlugen... Ich habe der Kundin dann aus irgendeinem Grund und ohne nachvollziehbare Erklärung fünf (Eine aus dem Sixpack hatte sie bereits geöffnet.) neue Flaschen mitgegeben. Morgen werde ich mich nicht mehr darüber ärgern und wer weiß - vielleicht hatte sie ja wirklich Recht.
Ich schob einen Container mit Geranien durch den Laden. Hinten auf der Rampe kann man doch etwas großzügiger gießen ohne den ganzen Laden unter Wasser zu setzen. Eine Kundin sprach mich unterwegs an:
Kommen die weg?
Nein, die sollen nur Wasser bekommen. Möchten sie welche haben?
Ein lautes Krachen und lange anhaltendes Scherbenklirren riß mich aus dem Schlaf aus der Arbeit: Ein Kunde hat sich umgedreht und hat dabei versehentlich offenbar recht kräftig mit seinem Arm gegen eine der seitlichen Begrenzungsscheiben unseres Wurstkühlregales geschlagen.
Eine private Haftpflichtversicherung hatte er leider keine und so bleibe ich auf dem Schaden sitzen. Die Scheibe werde ich aber auf jeden Fall so bald wie möglich ersetzen, da sie verhindert, dass unnötig viel kalte Luft aus dem Regal entweicht.
Nachtrag: Irgendwie waren wir hier völlig überrumpelt, dass wir völlig vergessen haben, den Kunden irgendwie dafür verantwortlich zu machen. Wenn Ware versehentlich beschädigt wird, geht der Schaden ja auch zu meinen Lasten... Aber, kleiner Trost, so eine Scheibe wird nicht übermäßig teuer sein.