Ein langjähriger Stammkunde sprach uns eben an und erkundigte sich, ob er Anfang der Woche wohl ein paar sehr wichtige Telefongespräche von uns aus führen dürfe.
Bei einem Raubüberfall auf einer Großveranstaltung wurde ihm so ziemlich alles gestohlen: Schlüssel, Papiere, Geld, Handy - im Grunde alle wichtigen persönlichen Gegenstände. Dabei wurde er von mehreren Personen verprügelt und letztendlich noch am Boden liegend getreten. Er ist deutlich sichtbar schlimm zugerichtet und sprach sehr leise, da ihm bei dem Überfall gleich vier gebrochene Rippen zugezogen hat.
Ich denke, ein paar Telefongespräche sind das Mindeste, was ich für ihn tun konnte.
Heute Nachmittag haben Werder Bremen und der FC Bayern gegeneinander gespielt. Das erklärt, warum es hier in den letzten Stunden so verdächtig ruhig im Laden war.
Ein Kunde wollte "Kindergrieß" haben. Aber nicht fertigen im Glas, sondern in Pulverform. "Klar.", denke ich. Haben wir. Und führte ihn direkt zum Nährmittelregal, in dem bei mir auch der Kindergrieß steht.
"Nein, nicht sowas! Ich meine den, den man einfach mit heißem Wasser zubereitet. Gibt's in Stracciatella, Erdbeere, Schokolade und anderen Sorten."
Ich habe nun zugegebenermaßen nicht viel gar keine Ahnung von Kindererziehung, aber von dem gesuchten Produkt habe ich trotz etlicher Jahre im Lebensmitteleinzelhandel noch nie etwas gehört. Das sagte ich ihm auch.
Der Mann reagierte säuerlich: "Das hat doch jeder Supermarkt!"
Nein, eben nicht jeder.
Und wenn ich ehrlich sein soll: So weit ich das beurteilen kann, scheint dieses Produkt auch nicht unbedingt zum Grundsortiment "Babynahrung" gehören zu müssen.
Ein Mann sprach mich gerade im Laden an. Er sprach leise und diskret und hielt mir eine Flasche Grillsauce vor die Nase: "Die haben wir am Samstag gekauft. Wir wollten grillen und dann haben wir gesehen, dass die seit über einem Jahr abgelaufen ist."
Ich betrachte nachdenklich die Flasche und der Kunde ergänzte noch: Seine Freundin hätte davon gegessen und das, obwohl sie hochschwanger sei. Da man nicht um die gesundheitlichen Risiken für das Ungeborene wüsste, hat sie sich erstmal ausführlich untersuchen lassen...
Was hätte ich machen sollen? Die Sauce haben und hatten wir noch nie im Sortiment, so dass sie definitiv nicht aus meinem Laden stammen konnte.
Den Hinweis, dass Gegrilltes für eine Schwangere wahrscheinlich ungesünder ist, als eine abgelaufene Sauce (die ja keimfrei in einer versiegelten Flasche abgefüllt ist), habe ich ihm dann vorsichtshalber lieber nicht mehr mit auf den Weg gegeben...
Ein Kunde suchte etwas unsicher in unserer riesigen Auswahl an Sechserträgern Bier herum. Ein Mitarbeiter, der gerade in der Nähe Ware verräumte, fragte, ob er ihm helfen könne. Der Kunde verneinte und griff relativ zielsicher zu einem Träger Staropramen.
Um das Gespräch nicht ganz so aprupt beenden zu lassen, ergänzte mein Mitarbeiter noch ein paar Zusatzinfos zu dem Bier: "Etwas Besonderes. Das ist nämlich das älteste tschechische Bier."
Kunde: "So lange haben Sie das doch noch gar nicht..?"
Randnotiz: Sie war nach langer Zeit mal wieder auffällig.
Unser Eigenmarken-Speiseeis wurde bislang in einer länglichen, rechteckigen Packung ausgeliefert. Nun bekommen wir es in immer noch eckigen, allerdings quadratischen Verpackungen. Inhaltlich hat sich nichts geändert und wenn irgendeiner wenig Einfluss auf das Design einer Verkaufsverpackung hat, dann ein einzelner Einzelhändler.
Dennoch soll ich mich nun dafür einsetzen, dass das Eis wieder in die längliche Packung abgefüllt wird, da sie es ansonsten nicht mehr kaufen würde.
Ich denke, die gute Frau wird mit der Enttäuschung leben müssen...
Sehr frühmorgendlicher Anruf eines Mannes, der sich bei mir erkundigte, wie lange wir noch geöffnet hätten.
Meine Antwort "Noch eine knappe Woche." hat er zum Glück auf Anhieb richtig verstanden und sich gefreut, endlich eine 24-Stunden-Einkaufsmöglichkeit gefunden zu haben.
Zwei Kunden gingen durch den Laden. Sie sprachen nicht viel miteinander, was daran gelegen haben könnte, dass der eine Kopfhörer trug. Offensichtlich waren sie auch in Gebrauch, denn ich konnte das Schnarren noch in knapp drei Metern Entfernung wahrnehmen. Dieser Kunde hielt eine leere Pfandflasche in der Hand und ich sprach ihn aus etwas Distanz an und fragte, ob ich ihm die Flasche abnehmen soll.
Keine Reaktion.
Seine Begleiter hatte mitbekommen, dass ich etwas von ihnen wollte und stupste den Musikhörer an, aus dessen Mund als Reaktion ein etwas unsauber artikuliertes "Was?" kam, an. "Die Flasche!!!
Der mit den Kopfhörer guckte erst etwas irritiert, trotte aber dann zur Leergutannahme, wo ich ihm das leere Gefäß abnahm und ihm dafür einen Pfandbon überreichte. Dies ging, aus wohl verständlichen Gründen, sehr wortkarg vonstatten.
Ein Nachbarskind hat mich darauf heute angesprochen, dass ihre kleine Schwester eine Kette hier im Laden verloren haben soll. Ich beruhigte sie: "Wenn wir die finden, bringe ich die eben rüber oder gebe sie deinen Vater."
Sie sah mich traurig an und erklärte mir, dass das nicht geht.
Nun kenne ich die Familie schon seit über sieben Jahren und ausgerechnet heute sind sie weggezogen...
Ich war im hinteren Teil des Lagers, als sich eine Kundin mit einer Tüte voller leerer Flaschen der Leergutannahme näherte. Als ich sie sah, ging ich ihr sofort entgegen. Als ich noch ca. sechs Meter von ihr entfernt war, trafen sich unsere Blicke. Ich nickte zum Gruß, sie stellte die Tüte auf den Boden...
Eine Kundin grinste mich gerade an der Ben&Jerry's-Truhe an: "Das solltet ihr wieder abschaffen. Viel zu gefährlich!"
Ich dachte zuerst, sie wollte auf moralischer Ebene irgendwie gegen ein Produkt des Unilever-Konzerns angehen. Allerdings bezog sich ihre Aussage nur scherzhaft auf den Suchtfaktor einiger B&J-Sorten und die darin enthaltenen vielen, bösen Kalorien.
Eine Kundin stand bei mir an der Kasse und stapelte einige Waren auf das Förderband. Ganz unten in ihrem mitgebrachten Einkaufskorb lag noch eine Packung Staubsaugerbeutel der gleichen Marke, wie ich sie hier auch im Sortiment habe. Da das Regal mit den Staubsaugerbeuteln hier aber in unmittelbarer Nähe der Kasse steht und gut einsehbar ist, wusste ich, dass sie die Wahrheit sagte, als sie erklärte, dass sie Packung mitgerbracht hätte.
Ich wies sie dennoch freundlich darauf hin, zukünftig in solchen Fällen vorsichtshalber beim Betreten des Marktes kurz an der Kasse Bescheid zu sagen und auf die mitgebrachte Ware hinzuweisen. Nur, um Missverständnissen vorzubeugen.
Die Kundin erklärte, dass sie die Beutel bei einem Fachgeschäft hier in der Nachbarschaft gekauft hätte. Nachdem sie wusste, dass ich ebenfalls Staubbeutel im Sortiment habe, erkundigte sie sich nach dem Preis. Ich sah nach und nannte ihr den genauen Betrag (8,99€).
Die Kundin guckte etwas verärgert: "Da vorne habe ich eben zehn Euro bezahlt."