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LXXIII

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Wie Björn zu seinem SPAR-Markt kam – Die Antworten 16-21 zu den Fragen

Was kostet der Sprung vom Angestellten zum Unternehmer, und wie hast Du den finanziert?
Der Sprung kostet unheimlich viele Nerven und vor allem den Mut, aus einem sicheren Angestelltenverhältnis in ein riesiges schwarzes Loch unbekannter Tiefe zu springen.
Es mag nicht jedem so gehen, aber die Aussicht darauf, ohne Vorgesetzte arbeiten zu können, hat mir mächtig viel Kraft gegeben.
Wie hoch war Dein Eigenkapital, und wieviel mußtest Du insgesamt (fremd und eigen) finanzieren?
Eigenkaptial war nicht vorhanden. Wie denn auch mit gerade mal 26 Jahren? Der gesamte Laden wurde duch die Bank finanziert, die als Sicherheit natürlich alles haben wollte, was hier drin steht.
Wie kamst Du überhaupt darauf, diesen Sprung zu machen - war es der Frust als Angestellter oder die Herausforderung des Unternehmertums? ("push" oder "pull"?)
Es war eine Mischung aus dem sowieso vorhandenen langjährigen Wunsch, mich selbstständig zu machen und dem Frust bei meinem alten Arbeitgeber. Die letzten zwei Jahre vor meiner Selbstständigkeit habe ich bei Plus als Marktleiter gearbeitet und hatte irgendwann keine Lust mehr auf das konsequente Gängeln von oben.
Die Übergangsphase, vom Angestelltendasein über die Kündigung bis zum ersten Öffnungstag - Pulsfrequenz? Blutdruck? Anspannung? Schlafrhythmus? (Gab es Schlaf in dieser Phase?)
Die Phase war nur kurz. Am 1. Mai konnten wir hier rein und an dem Tag haben auch gleich schon die Handwerker losgelegt. Ich hatte meinen alten Job zum 30. Mai gekündigt und noch zwei Wochen Urlaub gehabt, so dass ich erst ab Mitte Mai hier in meinem neuen Laden richtig zur Verfügung stand. Davor habe ich jeweils abends nach meinem Feierabend beim alten Arbeitgeber hier noch ein paar Stunden gearbeitet. Ab dem Moment, in dem ich nicht mehr täglich in die Discounter-Filiale musste, habe ich hier täglich von morgen bis spät abends gearbeitet, geplant und die Arbeiten der Handwerker (soweit möglich) überwacht und gesteuert.
Privatleben - vorher halbwegs geregelte Arbeitszeiten, seitdem Freiwild der Kunden und des Unternehmens - wie hast Du das erlebt und verarbeitet?
Ich habe das gut verarbeiten können. Kaum Schlaf, schmerzende Füße, Stress – aber die Gewissheit, zukünftig mein eigener Herr zu sein. Das hat mir viel Kraft gegeben.
Wieso überhaupt selbständig? Reichtum? Ruhm? Ziele?
Definitiv die Ziele und den Wunsch, eigene Ideen verwirklichen zu können, ohne ständig unter dem Druck von oben Leiden zu müssen.
Muss ein sonderbares Gefühl sein der erste Tag als eigener Chef, wenn die Kunden kommen und bei einem einkaufen und das Geld in die eigene Kasse fließt und man plötzlich für ein paar Angestellte verantwortlich ist.
Es war ein sonderbares Gefühl, ja. Aber auch ein unwahrscheinlich gutes, das jetzt noch kaum zu beschreiben ist. Ich glaube, das können nur diejenigen nachvollziehen, die den Schritt irgendwann mal selber gewagt haben. Vielleicht mag ja der eine oder anderen in den Kommentaren versuchen, den Zustand zu beschreiben. :-)

Frage zu Beschwerden

Wolfram hat eine Frage:
Hallo Björn,

wenn sich früher Kunden über die Spar-Zentrale über Dich/Deinen Laden beschwert hatten - war das schlimmer, als wenn Sie sich direkt an Dich gewandt hatten? Sprich: Hatte die Spar bei Dauerbeschwerden Sanktionsmöglichkeiten?

Interssiert mich schon länger, da Du ja selbsständig bist.
Ich kann diese Frage (leider) nur für mich selber, bzw. meinen Markt beantworten. In all den Jahren hat sich eine einzige Kundin bei der Zentrale und nicht direkt hier vor Ort beschwert. Darüber wurde ich natürlich in Kenntnis gesetzt, aber Konsequenzen hatte dies keine. Wie und warum auch? Die SPAR (oder heute "E") ist grob betrachtet "nur" mein Lieferant und nicht mein Vorgesetzter.

Es gibt sicherlich auch andere Fälle. Genug selbstständige Einzelhändler stehen bei ihrem Lieferanten mit mehr als nur der aktuellen Lieferung in der Kreide und wenn sich die Beschwerden häufen und deshalb möglicherweise die Gefahr besteht (oder diese zumindest angenommen wird), dass der Ruf der gesamten Kette geschädigt wird, sind sicherlich entsprechende Sanktionen möglich.

Darüber kann ich aber nur spekulieren und bin froh, dass ich mich mit dieser Thematik noch nie auseinandersetzen musste.

Blubb!

In diesem Beitrag ist nicht vom Verona-Spinat die Rede. Die sämige, weiße Masse in dem Eimer war auch nicht die Sahne für eben jenes Tiefkühlgemüse.

Trotzdem machte es "Blubb!".


Dummerweise war das auch gleichzeitig der Moment, in dem sich einer meiner Mitarbeiter herunterbeugte und sein iPhone ihm aus der Brusttasche ausgerechnet in den vollen Eimer mit weißer Wandfarbe fiel. Nun hoffen wir jedenfalls beide, dass die "Handyklinik" das Ding wieder hinbekommt. :-|

Ob man damit reich werden kann?

Ein Kunde oder eine Kundin hat bei meiner Kassiererin mit 30 D-Mark bezahlt. Als ich das Tütchen eben nachgezählt habe, fiel mir auf, dass es nur 29,90DM waren. Die fehlenden "0,10" hat jemand mit Euro-Cent-Münzen aufgefüllt.

Das macht ja ein Plus von satten fünf Cent. Wenn das nun täglich eine Kundin so macht, bin ich in rund 55.000 Jahren Millionär. Inflation, Zinsen und Steuern mal unbeachtet gelassen. ;-)

Aufregen über die eigeschlossenen veganen Produkte

"Ich brauch' was aus dem Schrank", zischte eine Kundin mit verschränkten Armen. Gemeint war die Vegan-Vitrine und den Missmut über den Mehraufwand ließ die Kundin auch in den folgenden Minuten deutlich raushängen.

Klar ist es unbequem geworden. Aber immerhin haben wir hier Geld und Zeit investiert, um die Artikel überhaupt im Sortiment halten zu können. Man kann sich darüber monieren, aber in so einer Art und Weise muss es nun auch wirklich nicht sein.

Erste Reaktion

Erste persönliche Reaktion eines Kunden auf die geänderten Öffnungszeiten: "Mir ist das egal, ich hab noch nie nach 24 Uhr eingekauft.""

Na, denn. :-)

KOST NIX

"KOST NIX – der Inhalt dieser Kiste ist totalkostenlosfürumsonst!"

Funstück vor einem Buchladen Antiquariat in Hamburg in der unmittelbaren Nähe vom "Michel". So kann man auch versuchen, seine Ladenhüter loszuwerden. Oh, nein, das klang jetzt ironisch, oder? War aber überhaupt nicht böse oder negativ gemeint. Mir ist die Kiste einfach nur positiv aufgefallen. Bevor man's wegwirft...

Für mich war übrigens nichts dabei, aber das eine oder andere Buch dürfte sicherlich einen neuen Besitzer finden. Bei dem alten Telefonbuch bin ich mir dagegen nicht so sicher. :-P


Ab Montag neue Öffnungszeiten

Wenn wir heute Abend die Türen abschließen, hat Bremen vorerst keinen "24-Stunden-Supermarkt" mehr.

Ich habe lange, sehr lange, mit mir gerungen und mir seit rund einem dreiviertel Jahr schon das Hirn darüber zermatert, ob ich die Öffnungszeiten zurückschrauben sollte oder lieber nicht.
Nun habe ich es erstmal getan. Vielleicht nicht verbindlich für alle Zeiten, aber ich kann die Öffnungszeiten natürlich auch nicht hüh-hott-hüh wochenweise wechseln. Sollten die Auswirkungen zu gravierend sein, werde ich wieder eingreifen.

Andererseits denke ich, dass ein Großteil der nicht nokturnen Kundschaft den Unterschied gar nicht bemerken wird. Die meisten glauben nämlich nach wie vor, wir haben "bis 24 Uhr" auf und nicht 24 Stunden.

Der Hauptgrund für die Änderung ist übrigens recht profan: Keine wirtschaftlichen oder rechtlichen Gründe. Nein, ich möchte nur einfach nicht mehr von Personal abhängig sein. So kann ich im schlimmsten Fall den Laden abends abschließen und nach einer kurzen (aber doch ausreichend erholsamen) Nacht am nächsten Morgen wieder aufschließen.

Ich gebe zu: Die Aussage "Wir sind DER 24-Stunden-Supermarkt im Großraum Bremen!" ist verdammt gut für's eigene Ego und darum fiel mir der Schritt sehr schwer. Aber wollen wir das doch ab Montag mal probieren. Dann ist der Laden hier erstmal täglich von 6 bis 24 Uhr geöffnet.

Reichlich Flaschen

Wenn heute noch ein Kunde eine große, aus mehreren Säcken oder meinetwegen auch LKW-Ladungen bestehende Menge Leergut hier abgeben würde – ich vermute, dass mir das Ereignis nichtmal mehr einen Blogeintrag wert wäre.

Normalerweise gibt es "kurz vor Monatsende" besonders viel Leergut. Den Leuten geht das Geld aus, sie kratzen alle Flaschen und Kisten zusammen, die sie finden können.

Aber heute..? Trotz des Monatsletzten und potentieller Kauflust aufgrund des Feiertages haben wir hier heute ein Leergutaufkommen, wie schon lange nicht mehr. :-O

Wie Björn zu seinem SPAR-Markt kam – Die Antworten 11-15 zu den Fragen

Wie ist die Organisation bei dir? Cheffe > Schichtleiter > Angestellter > Minijob?
Cheffe > Meine Vertretungen > Der Rest.

Ich stehe hier natürlich ganz oben in der Hierarchie. Dann folgen die Mitarbeiter, denen ich meinen Laden bei meiner Abwesenheit anvertraue. Das sind derzeit vier Personen. Unter denen sind prinzipiell erstmal alle gleichberechtigt. Längjährige Vollzeitkräfte werden natürlich nicht plötzlich einer neuen Aushilfe gegenüber stehen und Anweisungen entgegen nehmen müssen. Die Reihenfolge ergibt sich aber aus Aufgaben und Zugehörigkeit meistens von alleine.
Wieviele Lebensmittel sind im Lauf der Jahre im Müll gelandet? Wie wird sowas einkalkuliert?
Einkalkuliert ist sowas natürlich schon, wenngleich ich die Menge jetzt weder als Zahl noch als Prozentsatz angeben kann.
Wieviel insgesamt im Müll gelandet ist, kann ich genausowenig sagen. Darüber möchte ich auch besser nicht nachdenken, denn auf zehn Jahre hochgerechnet ist es einiges. (Wobei man bedenken muss, dass hier eben auch tatsächlich vor allem verdorbene Waren im Müll laden, der "Frevel" hält sich somit eigentlich in Grenzen.)
Mich interessiert ja die Eröffnungsanzeige mit den Angeboten und Preisen.
Nein, tut sie nicht. Wirklich.

Aus heutiger wie damliger Sicht grottig. Die Zeit hat nicht mehr hergegeben und so nahm ich eben das, was die Werbeabteilung der SPAR präsentierte.
Was mich wirklich interessieren würde: Wie finanziert man so einen Laden eingentlich? Mit einem Bankkredit?
Bankkredit, Ware und Einrichtung als Sicherheit.
Der Haken ist, dass man nicht so einfach an das Geld kommt. Dafür waren schon einige konkrete Gespräche bei der Bank inklusive ausführlichen Rentabilitätsberechnungen notwendig.
Mich würde mal interessieren wieviel Cent von jeden eingenommenen Euro an Personal, Miete usw. abgehen.
Etwa 80 Cent. Der Rest muss noch versteuert werden und was dann überbleibt, ist das Gehalt des Firmeninhabers.

Temporäre Mobilkälte

Mit aller Regelmäßigkeit bekomme ich Werbung von einer Firma, die "Mietkälte", also "temporäre Kälte- und Klimalösungen" anbietet.

Brauche ich nicht, selbst wenn hier mal eine Kühltruhe ausfällt, kann ich mir mit den verbleibenen Reserven selber helfen. Ich frage mich sowieso, wie ich in deren Verteiler hereingerutscht sein könnte. Supermärkte dürften doch eher weniger zu deren Kunden gehören.

Der 450-Euro-Mann

Ein Mann erklärte uns, dass er, als er gerade seinen Einkauf bezahlen wollte, bemerkt hat, dass ihm sein Geld abhanden gekommen sei.
Es soll sich dabei angeblich um 450 Euro gehandelt haben, die er erst ein paar Minuten zuvor bei der Sparkasse aus dem Geldautomaten gezogen und sich anschließend lose in die Jackentasche gesteckt hat. Die Option, das Geld auf dem Weg hierher verloren zu haben, schloss er definitiv aus: "Ich hatte das noch, als ich hier reingekommen bin."

Ich sah mir die Videoaufzeichnung an. Der Mann hatte den Laden betreten, hatte kurz mit dem Handy telefoniert und ist dann direkt nach hinten gegangen, wo er schließlich meinen Mitarbeiter ansprach. Einkauf? Als ich ihn darauf ansprach, wann er denn nun genau eingekauft hätte, antwortete er, dass das vor etwa gut einer Stunde gewesen sein soll. (Wie sich später auf der Videoaufzeichnung herausstellen sollte, war er in dem Zeitraum, plus/minus eine halbe Stunde, definitiv nicht hier im Laden.)

Schulterzuckend erklärte ich ihm, dass wir ihm hier leider nicht weiterhelfen können und auch sehr realistisch wie ernüchternd, dass er, so er das Geld denn tatsächlich hier im Laden verloren haben sollte, wohl keine große Chance hat, die Kohle wiederzubekommen. Bockig wie ein kleines Kind verließ er den Laden.

Und wir rätseln nun schon die ganze Zeit, was der Typ wohl wirklich wollte. Ob der gehofft hatte, dass wir ihm einfach so das Geld "erstatten"?