Skip to content

"Auch wir kämpfen mit der Hitzewelle"

Mehdi hat mir geschrieben:
Moin Björn,

ich war am Samstag bei 40 °C in Würzburg und ging mit einem Freund in einen Kupsch-Markt in der City. Wir wollten uns was zu essen holen, als uns dann die Kühlregale auffielen, die zu waren.
Es war schon kühl in den Regalen. Die Mitarbeiter und Kunden kramten dann die Sachen, die benötigt wurden, einzeln raus. Eine ziemliche Frickelarbeit.
Nun meine Frage: Wieso werden diese Vorhänge runtergemacht? Die Theken sind ja noch an und funktionieren ja...Ich kann mir das wirklich nicht erklären :-O

Hoffentlich kannst Du mir die Frage beantworten! :-)
Kurz: Es ist zu warm.

Die Kühlregale in Supermärkten sind fast immer offen und nicht mit Schwenk- oder Schiebetüren versehen. Mit solchen Türen entsteht die Problematik mit den Temperaturen nicht, aber auch ich sehe sie mit einer gewissen Skepsis, da die Türen Kunden vom Spontankauf abhalten können. Meine neuen Kühlanlagen werden vermutlich keine Türen bekommen, was aber auch mit dem Platzproblem bei uns zu tun hat.

Durch die Konstruktion der Kühlregale strömt die kalte Luft von oben vor der Ware entlang nach unten. Das funktioniert normalerweise ganz gut, auch bei hohen Temperaturen. Es gibt viele mögliche Ursachen, warum es hier zu Problemen kommen kann. Es könnten zum Beispiel die Wärmetauscher (Verflüssiger) draußen am Markt schlicht und einfach zu klein dimensioniert oder verschmutzt sein oder in der prallen Hitze stehen. Oder die Kühlregale selber sind verschmutzt (passiert zwangsläufig immer irgendwann und ist mit mittelmäßigem Aufwand zu reinigen) oder die Luftwege aus anderen Gründen zugesetzt, so dass die Luft nicht wie gewünscht strömen kann. Dazu kommt noch, dass der Luftschleier durch die in die Regale fassenden Kunden immer wieder unterbrochen wird. Dadurch wird die Kühlleistung natürlich auch erheblich herabgesetzt. Bedenkt immer, dass solche Anlagen lediglich dafür gebaut sind, eine bestimmte Ist-Temperatur zu halten und nicht dafür gedacht sind, immer wieder die Masse herunterzukühlen.

Nun haben aber fast alle Kühlregale Vorhänge, die aus Energiespargründen geschlossen werden können. Kann man auch tagsüber nutzen. Das ist natürlich umständlich für alle Beteiligten, sichert aber auf jeden Fall die dahinter versteckte Ware:


Trockenbauer sind da

Die Trockenbauer sind nun auch da und kümmern sich darum, dass das Loch für den neuen Leergutautomaten geschaffen wird. Foto gibt's später, die beiden Handwerker sind gerade intensiv da zugange und da möchte ich nicht mit meiner Kamera nerven.

Abbau Unicycle - 9

Verdammte Axt, sie klauen wirklich alles!!! :-O :-)

Okay, nein, war nur Spaß. In Wirklichkeit haben wir den Automaten nur kurz zur Reparatur eingeschickt. So sieht's jetzt erstmal aus. Morgen früh kommen die Trockenbauer und bauen die Wand so um, dass sich der neue Automat am Mittwoch im Idealfall einfach in die neue Öffnung schieben lässt. Hoffen wir mal, dass das alles so funktionieren wird…


Abbau Unicycle - 8

Unter dem Cruncher hat sich im Laufe der vergangenen Jahre ein vier Zentimeter tiefes Loch in den Estrich gefressen. Natürlich vor allem wohl in Kombination mit der mechanischen Beanspruchung durch die Rollen des Containers, den wir mehrmals pro Tag rein und raus geschoben haben – aber dennoch ein eindrucksvoller Beweis für die Wirkung von Säuren. (Mir fallen da spontan mindestens diverse Fruchtsäuren und Phosphorsäure aus den Cola-Resten ein.)


Abbau Unicycle - 7

Hier noch ein paar gemischte Bilder, die Ingo heute Mittag geschossen hat, während wir anderen die teilweise extrem schweren und unhandlichen Komponenten des alten Rücknahmeautomaten durch den Laden in Richtung Straße gebuckelt haben:






Abbau Unicycle - 6

Schlachtfeld…

Die Kollegen dürfen jetzt um die Wette schrubben. :-)

Aber sowas ist natürlich zu erwarten gewesen. Da tropft jahrelang die klebrige und aggressive Grütze auf den Fußboden – aber sauberhalten kann man die Stellen unter und hinter dem Automaten nunmal auch nicht.




Neuer Netzwerkanschluss

In diesem Moment ist der Elektriker hier und installiert eine neue Netzwerkdose für den neuen Automaten. Bei den für das neue Gerät notwendigen Datenmengen soll die reine Anbindung über den ISDN-Anschluss wohl nicht mehr ganz so prickelnd sein.

Ist mir fast egall. Einen brauchbaren DSL-Anschluss haben wir hier und ob der Automat jetzt noch zusätzlich an meiner Fritzbox dranhängt oder nicht, spielt keine Rolle.

Abbau Unicycle - 6

Letzter Akt: Das Hauptgerät mit den Erkennungseinheiten für Kisten und Einzelgebinde hat wie zuvor schon der Cruncher den Weg über die Straße zu uns auf den Hof gefunden:




Abbau Unicycle - 5

Fast zehn Minuten hat der alte Automat gebraucht, um die Mengen zu ermitteln und diesen mehr als 12 Meter (!) langen Bon auszudrucken:



Dort sind alle angenommenen Gebinde einzeln aufgeführt. Vieles lässt sich nicht genau nachvollziehen. Es gibt etliche Positionen, die einfach nur "Mineralwasser" oder "Apfelschorle" heißen und hinter denen sich alle möglichen Marken verbergen könnten. Die läppern sich zu sechsstelligen Summen zusammen. Die große Masse verteilt sich sowieso auf unzählige "Kleinstmengen" (im Bereich bis 5000 angenommene Flaschen) – aber ein paar herausragende Angaben möchte ich euch nicht vorenthalten:
Carlsberg Elephant Bier 0,5l Dose – 21687
Coca-Cola 0,33l Dose – 28190
Coca-Cola 2l PET-Flasche – 14043
"Mineralwasser" (ohne Markenangabe) – 181004
Apfelschorle (Penny) – 14151
Schwarze Dose 28 – 2038
Pepsi 1,5l (PET) – 6599
Hemelinger Spezial (Mehrweg) 0,33l – 21141
Club-Mate (Mehrweg) 0,5l – 24179
Pinkus Bio-Bier 0,5l MW – 3149
5.0 Bier Dosen – 23063
Jever Pils 0,5l MW – 5337
Krombacher 0,5l Dose – 4601
Mio Mate MW – 2706
Red Bull 0,25l DS – 40186
Beck's Pils 0,5l MW – 58642
Vio Wasser – 11135
Beck's Pils 0,5l Dose – 35529
Holsten Pilsener Dose – 11793

Abbau Unicycle - 4

Der alte Flaschentisch unseres Rücknahmeautomaten ist auf diesem Bild kurz vor der Kapitulation. Er liegt schon fast am Boden:



Die Teile werden bis Mittwoch oder spätestens Donnerstag hier noch gelagert und dann werden sie nach der Anlieferung des neuen b500 abgeholt. Hier lehnt unser alter Flaschentisch bereits auf dem Hof an zwei der Pflanzbehälter:


Abbau Unicycle - 3

Der Cruncher steht schon demontiert hier auf dem Hof. Da wir die extrem schwere Einheit nicht einfach hinten die Rampe herunterlassen konnten, haben wir das Teil auf einem Hubwagen auf der Straße um den Häuserblock gezogen:



Fast acht Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. In den unerreichbaren Hohlräumen hat sich so einiges angesammelt, was im normalen Alltag kaum auffiel. Es haben sich in den acht Jahren übrigens noch andere Spuren gebildet, dazu aber später mehr, wenn wir alles gereinigt haben:


Abbau Unicycle - 2

Hier noch zwei Informationsbildschirme aus dem Gerät.

Die Tagesumsätze wurden zwischendurch mal gelöscht, einzig der Wert 5.564.424 angenonmmene Einzelgebinde ist absolut korrekt. Fast fünfkommasechs Millionen Dosen und Flaschen. Damit schafft es der Automat zwar nicht ins Guinness Buch der Rekorde, aber es ist und bleibt eine ganz beachtliche Zahl für so eine Maschine.



1248 Einschaltvorgänge und 66950 Betriebsstunden sind zwei sehr interessante Zahlen. Die vielen Einschaltvorgänge hat der Automat irgendeinem Problem in der Hard- oder auch Software zu verdanken. Manchmal war aus unerklärlichen Gründen die Mehrwegerkennung nicht mehr möglich und nach einem Neustart hat sich das Gerät wieder komplett neu kalibriert.

66950 Betriebsstunden passen. Ist etwas weniger, aber für Wartung und natürlich auch bei den oben beschriebenen Neustarts war er immer eine Weile aus. Im Schnitt lief er pro Tag etwa zehn Minuten nicht.


Abbau Unicycle - 1

Jetzt wird's also ernst! Der Automat ist offiziell schon außer Betrieb und während vorne die Kunden noch witzeln, ob das Gerät mal wieder kaputt sei, wirkt hinten schon das Lösemittel an den gammeligen Schrauben.

Die letzten Statistiken habe ich natürlich gerettet. :-)