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Reduzieren für die Nachtschwärmer

Eine Kundin hat sich darüber beschwert, dass in unserer "Restekiste" (in der wir Artikel aus dem Kühlregal, die sich am Rande des MHD befinden, zum Sonderpreis anbieten) in letzter Zeit für sie kaum noch etwas dabei wäre. Sie lieferte auch gleich ihre eigene Begründung dafür ab: "Sie reduzieren ja nur noch in den Abendstunden für die Nachtschwärmer. Damit die zu Ihnen kommen."

Es gibt wirklich Kunden, die glauben, dass sie ein Anrecht darauf hätten, immer eine gut gefüllte Restekiste vorzufinden. Vorzugsweise in der persönlich bevorzugten Sortierung... :-|

Gammelfleisch

Folgende E-Mail bekam ich heute Morgen:
Moin Björn!

Ich bin gerade dabei zu kochen und ein wenig sauer: ich habe am Samstag bei dir drei Hähnchenbrustfilets (für 4,35 €) gekauft, die bis zum 10.10. haltbar sind (noch ist die Packung samt Inhalt hier). Die zwei Minuten Fußweg bis zu mir dürften sie gut überstanden haben und waren seitdem nur im Kühlschrank. Am Wochenende hab ichs zwar nicht geschafft, sie zu kochen, aber das wollte ich jetzt machen - und sie sind schon recht gelb und riechen ziemlich übel.

Mir ist schon klar, dass du da auch nichts für kannst, aber ich hatte mich sehr auf ein leckeres Essen gefreut und jetzt werd ich halt improvisieren müssen :-(

Gruß
Den Ärger kann ich verstehen. Ich habe dem Kunden auch zurückgeschrieben, dass ich ihm das Geld für das Fleisch auch erstatten kann, wenn er möchte. (Wenn er hier liest, wird er das bestätigen können)

Dennoch hier meine Vermutung:

Das Fleisch ist am Freitag bei mir angeliefert worden. Von Freitag auf Samstag lag das Fleisch in meiner Kühltruhe, von Samstag bis Montag im Kühlschrank des Kunden. Dank immer wieder publizierter Energiespartipps sind sehr viele Kühlschränke so eingestellt, dass sie zwar "kühl", aber nicht wirklich kalt sind. Ohne meinem Kunden nun Böses oder Absicht unterstellen zu wollen nehme ich ganz stark an, dass dies auch in diesem Fall so war.

Eintrag ins Branchenverzeichnis

Heute Nacht kam ein Webefax ohne Absender: "Kostenloser - Eintrag ins Branchenverzeichnis nur für Firmen keine Privatkunden"

Auch an anderer Stelle steht auf dem Zettel fett "Eintragung ins Branchenverzeichnis"

Im Kleingedruckten steht folgendes: "Die einmalige Aufnahme ihrer Firmendatzen ins Online-B.v. beträgt dreihundert Euro, ist aber bis zum u.a. Datum [11.10.2007, Anm.d.Red.] kostenlos. Der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren. Die damit verbundene Laufzeitgebühr beträgt jährlich siebenhundert Euro zzgl. MwSt. Die Laufzeitgebühr ist für ein Jahr im Voraus nach Rechnungsstellung zur Bezahlung fällig."

Die übliche Abzocke also. Interessanterweise ist diesmal gar kein Absender angegeben und auch nicht, wo man die Daten hinterher überhaupt wieder abfragen kann...

--> Abtl. Altpapier. :-)

Nachtrag: Der Versuch, mein Standardantwortfax gegen Faxwerbung an die angegebene Nummer zu senden, scheiterte übrigens. Die aufgedruckte Faxnummer ist nicht gültig.

Automat arbeitet...

Blogleser Alexander hat mir einen Kaffeebecher mit einem sehr speziellen Aufdruck geschickt:
Kaffeepause!
Automat arbeitet....
Der Becher ist so genial, wir haben heute Mittag Tränen gelacht, nachdem wir das Päckchen ausgepackt hatten.

Damit wird die Wartezeit bis der Automat endlich installiert ist bestimmt sehr viel angehmer. :-)


Grillrost

Aus einem kaputten unvollständigen Rundgrill, den ein Kunde reklamiert hat und der letztendlich nur noch ein Fall für den Müllcontainer war, hat ein Kollege den Grillrost gerettet und mit einem Schild versehen auf unseren Sonderpostentisch gelegt.

Ich bin mir irgendwie nicht sicher, ob das nun eine gute oder nur alberne Idee war... :-)


Unerwartet

Zwei junge muslimische Frauen waren eben hier im Laden. Vielleicht Anfang zwanzig und von Kopf bis Fuß verhüllt. Ihre Gesichter waren zwar zu sehen, aber ansonsten bedeckten ihre Umhänge bis auf die Hände jeden Zentimeter Haut

Eine Kollegin stand zufällig neben ihnen. Plötzlich ein Gesprächfetzen: "Boah, das ist ja total krass hier um diese Zeit."

Irgendwie wollte dieser Satz so ganz und gar nicht zur Erscheinung der beiden passen... :-)

Kontakt zum VDP

Immer wieder kommt es vor, dass unseriöse Unternehmen unter dem Deckmantel der Polizei "gutgemeinte" Objekte herausbringen, sehr beliebt in diesem Zusammenhang sind z.B. Malbücher für Kinder.

Der echte "Verlag Deutsche Polizeiliteratur" möchte natürlich dagegen vorgehen. Nun hat mich vor ein paar Tagen ein Herr Krüger angerufen und um Informationen gebeten, da er im Web auf die beiden verlinkten Einträge von mir gestolpert ist. Leider konnte ich ihm nicht weiterhelfen. Aber wann immer irgendwo mal wieder derartige halbseidenen Unternehmen auftreten, möchte er bitte informiert werden. Falls jemand helfen möchte, hier seine Kontaktdaten:
Verlag Deutsche Polizeiliteratur GmbH
Herr Krüger
Tel. 02306 - 781004
Fax 02306 - 757195
Vielleicht hilft's ja. Auf jeden Fall habe ich jetzt einen Notizzettel weniger auf meinem Schreibtisch liegen. :-)

Scheißspiel

Von einer Sonderzahlung in Höhe von 125,16€ brutto an einen Mitarbeiter blieben unterm Strich gerade mal 42,95€ für ihn übrig. Sein reguläres Gehält reduziert sich natürlich in gleichem Maßstab.

Das Schicksal der Arbeitnehmer mit Steuerklasse 5.

V PAY

V PAY ist eine neue - von Visa Europe entwickelte - europäische Chip- und PIN-basierte Debitlösung.

Der Einsatz neuester EMV-Chiptechnologie ermöglicht eine kostengünstige Implementierung für Banken, eine effiziente Akzeptanz für Händler sowie einen sicheren Einsatz für Karteninhaber.

Kreditinstitute in ganz Europa werden in Kürze mit der Ausgabe von V PAY Karten beginnen und ihre nationalen Debitprogramme mit dem V PAY Logo ergänzen. Dadurch leisten sie einen Beitrag zu einem offeneren und einheitlicheren europäischen Debitmarkt.

Im Laufe der kommenden Jahre wird das V PAY Logo auf Millionen nationaler Debitkarten zu finden sein, die bei einer zunehmenden Zahl europäischer Akzeptanzstellen eingesetzt werden können.
Das sind die Informationen auf der V PAY-Website. Mehr weiß ich auch noch nicht. Naja, außer, dass man bei mir bereits damit auch schon zahlen kann... :-)

Getrennt abgerechnet

Eine Kundin legte drei kleine Häufchen auf das Förderband der Kasse. Alle drei brav und deutlich erkennbar mit einem Warentrenner voneinander abgegrenzt. "Das soll getrennt abgerechnet werden", erklärte sie.

Wenn sie jeden der drei Einkäufe z.B. mit einer größeren Banknote bezahlt hätte um so jeweils passendes Wechselgeld zu bekommen. Hat sie aber nicht.

Wenn sie nun wenigstens einen der drei produzierten Kassenbons mitgenommen hätte, oder im Idealfall sogar alle drei. Hat sie aber nicht.

Ein großes Fragezeichen über dem Kopf meines Kassierers hinterlassen. Das hat sie.

Kleidersack

Nach vorhergender Frage eines Kunden, ob wir Kleidersäcke hätten oder zumindest wüssten, wo er eben solche bekommen könnte, unterhielten wir uns im Hintergrund über Kleidersäcke und wofür man diese überhaupt braucht:

Die gibt's beim Roten Kreuz zum an die Straße stellen. :-)

Nein, da kann man Anzüge und Kleider drin aufbewahren, damit sie nicht verstauben, während sie lange Zeit ungenutzt im Schrank hängen.

Ja, schon klar. Diese in sich geschlossenen Biotope für Motten

Bingo!

Ich wusste es. :-)

Nationalgetränk

Zwei nette Kundinnen haben mich eben nach Martini gefragt. Mit der einen ging ich vor und zeigte ihr die Auwahl. Sie freute sich und um den Moment mit der freundlichen Dame zu verlängern schwärmte ich ihr vor, wie schön man den doch wunderbar pur mit viel Eis und einem guten Buch in der Hand gemütlich im Sessel sitzend genießen kann.

Da kam ihre Freundin dazu, die ihrerseits ins Schwärmen geriet: "Ihr habt ja Sternmarke hier."

"Ja", sagte ich mit einem Grinsen "Billiger Fusel."

Sie verteidigte sich: "Neeee, das ist das Nationalgetränk auf Föhr [Anm.d.Red: Stimmt sogar.] und wir kommen auch aus Föhr."

Oops, Fettnäpfchen. Aber sie nahmens mit Humor und wollten ja sowieso den Martini haben und nicht den billigen Fusel die Spirituosen-Spezialität.

(Falls ihr beiden das hier zufällig irgendwann mal zu lesen bekommt: Schönen Gruß vom Shopblogger aus Bremen. :-) )

Interessante Technik

Ein reichlich kaputter Typ gab zwei Gebinde Leergut ab, in dem sich einst Inhalt aus dem untersten Preissegment befand.

Danach schlich er noch recht "verdächtig" durch den Laden. Ich sollte irgendwann mal versuchen, dieses Gefühl irgendwie in Worte zu fassen und hier niederzuschreiben. Wenn man jahrelang mit Menschen zu tun und im Laufe der Zeit schon viele Dutzend Ladendiebe der unterschiedlichsten Kategorien (Von der armen Oma bis zum professionellen Drogenbeschaffer) beobachtet und erwischt hat, entwickelt man irgendwie ein Gefühl dafür, wer "klauverdächtig" ist und wer nicht. Dieser Mann war es definitiv.

Auf Irrwegen schaffe er es schließlich zum Spirituosenregal. Dort schaute er sich recht umständlich die einzelnen Sorten an und befummelte schließlich an einer Flasche Wodka das Sicherungsetikett. Drehte es und zog daran, vermochte es allerdings nicht abzureißen.

Danach stellte er sich an der Kasse an, denn schließlich hatte er noch seinen Leergutbon einzulösen.
Ohne ihm erkennbar zu unterstellen, dass er etwas klauen wollte, beschloss ich dennoch, ihm zu zeigen, dass er hier nicht "anonym" ist. "Die gehen ganz schön schwer ab", sprach ich ihn an der Kasse an, ohne eine bestimmte Reaktion zu erwarten.

"Ich finde das eine ganz interessante Technik. Die sehen ja aus wie die Plomben beim Zoll. Sollen wohl verhindern, dass geklaut wird."

Ach, was.

Biometrische Zugangskontrolle

Bis eben war ein Mitarbeiter der Firma Easydentic hier bei mir im Laden. In der Vergangenheit hatte schon öfter jemand von dem Unternehmen bei mir angerufen und versucht, mir die Produkte zu verkaufen. Bislang habe ich immer erfolgreich abgelehnt. Diesmal wollte ich den Aufwand für Easydentic erhöhen und habe den Vertreter kommen lassen - und wer weiß, vielleicht wäre ja sogar das eine oder andere für mich interessante Angebot dabei gewesen.

Rund zweieinhalb Stunden haben wir eben geredet. Darüber, wie und wer hier Zugang hat und welche Türen warum abgeschlossen und durch wen zu öffnen sind. Vor allem war in dem Zusammenhang natürlich unser neu geschaffener Lagerraum interessant, den wir bislang sehr erfolgreich mit einem Zahlenschloss gesichert haben.
Nun musste ich dem Herren in einem Punkt zustimmen: Eine Zahlenkombination ist tatsächlich nicht 100% sicher. Es können einem Neugierige über die Schulter schauen, abgenutzte Tasten verraten den Nutzungsgrad, uneherliche Mitarbeiter könnten den Code weitergeben, und ehemalige Mitarbeiter könnten die Zugangsmöglichkeit sogar selber missbrauchen.

Nachdem wir uns darauf geeinigt hatten, dass eine biometrische Zugangskontrolle durch einen mit dem Türöffner kombinierten Fingerabdruckscanner in diesem Fall ganz deutlich Abhilfe schaffen würde.
Zuerst zeigte er mir das "reguläre" Angebot:
"Easytouch" Fingerabdruckleser: 4900,-€

Installation: 1500,-€

Monatliche Wartung: 260,-€
Ich lachte und freute mich über das derzeit vorhandene Codeschloss. Für das kleine Vermögen kann man sich ja wer weiß wie viele Stangen Zigaretten klauen lassen.

Aber er fuhr fort: Ich soll das System ja auch gar nicht kaufen, sondern es wäre für eine kleine Anzahl Unternehmen jeweils ein Kontingent von 15.000 Euro festgesetzt worden. Für diese Summe würde Technik installiert werden können. Ich sei auch ausgewählt worden, an diesem Programm teilzunehmen. Als Gegenleistung müsste ich mich für die Referenzliste von Easydentic zur Verfügung stellen, dazu auf meinem eigenen Briefpapier ein Empfehlungsschreiben verfassen und ein paar weitere Firmen für eine Easydentic-Anlage zu empfehlen. "Klar", dachte ich mir, "kein Problem."

Einzig die Installationkosten könnten nur zu einem Teil übernommen werden. 900,-€ würden für mich bleiben. Aber in dieser Summe wären immerhin alle Technikerstunden, Montagematerialien, Einrichtung und Einweisung inbegriffen. Ich empfand selbst das als relativ viel Geld, zumindest in Relation zu den Verhältnissen hier und dem zu sichernden Raum. Auf Flughäfen oder in Banken zum Beispiel wäre das natürlich nur eine sehr geringe Anschaffung im Verhältnis zu den zu schützenden Objekten.

Nach zähen Verhandlungen kam mir der Marketingmensch so weit entgegen, dass der monatliche Wartungsvertrag ("Rundum Sorglos Paket") mich nur 130,-€ kosten würde.
Ich überlegte: Ein paar Empfehlungen, einmalig 900,-€ und monatlich 130,-€, mindestens vier Jahre lang. Das sind ziemlich genau 8500,-€ brutto. Für das Geld könnte ich mir alle zwei Monate ein neues Codeschloss (z.B. so etwas) kaufen. Aber das sagte ich ihm nicht.

Nachdem alles aufgeführt und besprochen war, folgte das obligatorische rhetorische und nie ehrlich mit "nein" zu beantwortende "Das klingt doch gut, oder?". Natürlich klang es gut und die Sicherheit wäre ganz bestimmt 100%ig gewesen und ich bejahte diese Frage. "Dann sind wir Partner?", fragte mich der Mann, während er mir die Hand zum besiegelnden Handschlag hinhielt.

"Moooooment", sagte ich. "Ich brauche etwas Bedenkzeit dafür."

"Kein Problem. Ich gehe so lange eine Zigarette rauchen."

"Nein, nein. Ich meinte, ich muss da mal eben ein oder zwei Tage drüber nachdenken. Mal eine Nacht drüber schlafen."

Er erklärte mir, dass diese Zeit nicht da wäre und dann die 15000,-€ wieder "freigegeben" werden müssten: "Zu Beginn unseres Gespräches hatte ich gesagt, dass wir hier nur mit einer Entscheidung rausgehen. Entweder wir machen das oder nicht."

"Sie meinen, ich muss mich jetzt entscheiden. Ja oder nein? Hundert Prozent oder null Prozent?"

"Genau."

"Nein!"

Er tätigte einen Anruf in dem er jemandem mitteilte, dass das "für mich" reservierte Geld wieder freigegeben werden könne. Während des Gesprächs wiederholte er mehrfach, dass ich ein ganz interessanter und toller Referenzkunde gewesen wäre.

Bestimmt. Aber wenn ich in der Vergangenheit alle Entscheidungen in dieser Größenordnung quasi an der Haustür getroffen hätte, wäre diese Firma sicherlich kein "interessanter und toller Referenzkunde" sondern ein Pleiteunternehmen.

Kein Falschgeld

Diese Münze bekamen wir von einer Kundin als "2-Euro"-Münze. Echt ist sie bestimmt und dürfte aus Russland kommen. "Falschgeld" trifft es folglich nicht ganz. Man muss nur eben aufpassen, dass einem nicht versehentlich so ein Geldstück untergejubelt wird.

Nachtrag: Wieso ich ausgerechnet auf Russich kam: Wir haben hier eine Münze, deren Beschriftung sehr nach Kyrillisch aussieht. Die etwas größeren Zeichen sind auf beiden Münzen identisch und nachdem mir zwei Kolleginnen eingeredet haben, dass das eine russiche Münze ist, habe ich's dann hier hingeschrieben. (Ich lass' das jetzt mal so stehen und verweise auf den Dateinamen des Bildes. :-) )