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Vergessenes Bio-Fleisch

Als ich am Morgen zur Firma kam, stand eine Kiste mit mehreren Paketen Bio-Fleisch vor meiner Bürotür. Ungekühlt zu meinem spontanen Ärger, aber das war vermutlich auch vollkommen egal.

Der Kollege hatte einen Zettel draufgelegt mit der Info für mich, dass er diese eine Kiste vergessen in einem Kühlbehälter am Montagabend entdeckt hatte. Die Ware stand also seit Freitag Morgen darin und war quasi vier Tage ohne Kühlung. Die letzten paar Stunden hier im Gang vor meiner Tür machten dann wohl auch keinen größeren Schaden mehr. Da sie nun wirklich niemand mehr essen wollte, selbst wir sind da privat meistens eigentlich recht schmerzfrei, landete Fleisch für über 20 Euro im Müll. Was mich dabei eigentlich besonders ärgert ist, dass da Tiere für den Abfall getötet wurden, das ist so doppelt schändlich.

Wer dafür verantwortlich war ließ sich natürlich nicht mehr ermitteln …


Kartenzahlung per Gesetz

"Wir nehmen nur Bargeld": Bald nicht mehr erlaubt – In Restaurants oder Geschäften sollen Kunden im kommenden Jahr immer die Möglichkeit haben, digital zu bezahlen. So die Pläne des Bundesfinanzministeriums.

Also mal eben pauschal vorab: Ich will Kartenzahlungen nicht verteufeln. Haben wir hier schon sehr früh angeboten, ich weiß jedoch nicht mehr, seit wann genau und würde ich natürlich auch nie wieder abschaffen wollen. An manchen Tagen machen wir 80% (!) unseres Umsatzes bargeldlos. Aber da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Bargeld ist Freiheit und Unabhängigkeit, die auch bei einem Stromausfall noch funktioniert. Bargeld ist auch Aufwand und ein Sicherheitsrisiko, sei es durch Falschgeld oder Überfälle. Bei uns geht es gar nicht ohne die bargeldlose Alternative, aber wenn es so wäre, müsste es einzig und allein die Entscheidung des Unternehmers sein, darüber zu urteilen.

Wenn es nach dem Bundesfinanzministerium geht, sollen Geschäfte künftig jedoch neben Bargeld auch eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten müssen. Ich halte das für einen ziemlich heftigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit.

Denn damit wird nicht einfach ein weitere Taste an der Kasse freigeschaltet oder man stellt sich ein weiteres kleines Gerät auf den Kassentisch. Ich muss einen Zahlungsdienstleister beauftragen, dessen Gebühren bezahlen und die nötige Technik samt Verbindung bereithalten. Auch dann, wenn ich für meinen Betrieb entschieden habe, ausschließlich Bargeld anzunehmen.

Natürlich ist Kartenzahlung für viele Kunden bequem. Aber seit wann folgt aus einem Kundenwunsch automatisch eine Pflicht für den Unternehmer? Wer vor dem Einkauf weiß, dass ein Laden nur Bargeld nimmt, kann Bargeld mitbringen oder woanders einkaufen. Diese Entscheidung dürfen beide Seiten treffen.

Als Begründung wird (wie so oft) auch der Kampf gegen Steuerhinterziehung genannt. Das finde ich besonders schräg: Eine Barzahlung ist doch nicht deshalb automatisch verdächtig, weil sie bar erfolgt. (Okay, für unsere Regierung schon, aber das ist eine andere Sache …) Dafür haben wir schon per Gesetz Kassensysteme mit digitaler Aufzeichnung und TSE, bei der Kassenbons mit einem eindeutigen, kryptografischen Signaturwert versehen werden. Ist das nicht schon der Kampf gegen Steuerhinterziehung? Was soll eine zwangsweise angebotene digitale Bezahlmöglichkeit da ändern? Kann ich euch sagen: Nichts!

Außerdem ist ja nur eine Pflicht geplant, digitale Zahlung anzubieten, keine Pflicht für Kunden, sie zu nutzen. Wer einen Umsatz bar an der Kasse vorbeischleusen wollte, könnte weiterhin Bargeld annehmen. Der zusätzliche Nutzen gegen Steuerhinterziehung wäre also allenfalls indirekt und hängt davon ab, wie oft Kunden die digitale Option tatsächlich wählen. Das ist galoppierender Dummfug, genau wie die einmal täglichen Preiserhöhungen an Tankstellen um 12 Uhr Mittags.

Ja, wer nur Bargeld akzeptiert, verliert womöglich Kunden. Das ist aber dann mein unternehmerisches Risiko – und sollte nicht per Gesetz verboten werden.

88 und das Gedächtnis

Ich war im Laden unterwegs und lief von Regal zu Regal, da ich dabei war, Etiketten zu stecken. Eine offensichtlich ältere Kundin mit Rollator sprach mich an und wollte von mir wissen, wo wir die Streichhölzer liegen haben. Ob sie die Hölzchen nur nicht finden konnte, weil sie in ein neues Regal umgezogen sind oder ob sie generell keine Ahnung hatte, hinterfragte ich nicht. Ich führte sie ganz souverän zum neuen Standort, nahm eine Packung mit mehreren kleinen Schachteln aus dem Regal und nachdem sie diese für gut befunden hat, legte ich ihr die Ware in den kleinen Korb ihres Rollators.

Mit einem Lächeln sagte ich: "Wenn Sie noch etwas suchen, fragen Sie einfach mich oder einen der anderen Kollegen hier. Wir sind gerade mit sechs Leuten hier im Laden, irgendjemanden werden Sie schon finden." Die Frau bedankte sich und setzte ihren Einkauf fort, während ich mich wieder meinen zu steckenden Etiketten widmete.

Nach etwa zwei Minuten steuerte sie auf mich zu und rief aus ein paar Metern Entfernung schon: "Junger Maaahann, können Sie mir wohl helfen?"

"Natürlich", antwortete ich ihr freundlich, "was suchen Sie noch?"

"Wo haben Sie wohl die Streichhölzer? Ich habe hier schon alles abgesucht, aber ich kann die nicht finden. Die müssten doch hier irgendwo sein?"

"Brauchen Sie denn noch mehr?"

"Ich brauche Streichhölzer. Haben Sie denn welche?"

[?!?]

"Die habe ich Ihnen doch schon vor zwei Minuten gegeben", sagte ich, griff in die Ablage ihres Rollators und zeigte ihr die Packung.

"Ach", sie lachte, "wissen Sie, wie alt ich bin? Achtundachtzig. Da darf man auch ab und zu mal eine Kleinigkeit vergessen."

"Das stimmt wohl", sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen und muss leider zugeben, dass ich die Situation überhaupt nicht lustig, sondern sehr, sehr nachdenklich machend fand.

CS' Werbung für Bewertungslöschungen

Christian Solmecke von der Kanzlei WBS.LEGAL dürfte vielen Menschen bekannt sein, die bei YouTube gelegentlich nach Antworten auf rechtliche Fragen suchen. Er erklärt mit über 1 Million Abonnenten komplizierte Themen verständlich, wirkt sympathisch und hat auch bei mir über die Jahre durchaus einen gewissen Sympathie- und Vertrauensbonus angesammelt.

Umso irritierter war ich, als ich neuerdings Werbevideos von/mit ihm sah, in denen er Werbung für einen Dienstleister machte, der Unternehmen dabei hilft, negative Google-Bewertungen löschen zu lassen. Nicht erschlossen hat sich für mich, ob er in dem Fall nur als Testimonial dient oder ob er in die Firma involviert ist – immerhin wirbt er mit der Aussage: "Meine Experten prüfen deinen Fall kostenlos und sagen dir konkret, wie viele Sterne wir realistisch für dich zurückholen können."

Natürlich gibt es erfundene Bewertungen, Beleidigungen und nachweislich falsche Behauptungen. Dagegen müssen Unternehmen sich wehren können. Auch ich haben schon bekanntlich einige Rezensionen bekommen, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob der Verfasser überhaupt jemals meinen Laden betreten hat.

Aber "rechtswidrige Bewertungen entfernen" klingt eben deutlich weniger verkaufsfördernd als "negative Bewertungen löschen" – und genau dort beginnt mein Unbehagen. Eine schlechte Bewertung ist nicht automatisch falsch oder rechtswidrig. Manchmal ist ein Kunde ungerecht, manchmal hat er etwas missverstanden – und manchmal war die Leistung des bewerteten Unternehmens eben wirklich nicht besonders gut.

Bewertungsportale haben aber auch nur dann einen Sinn, wenn dort eben ausdrücklich nicht ausschließlich das stehenbleibt, was dem bewerteten Unternehmen gefällt.

Ich weiß nicht, wie der beworbene Anbieter im Einzelfall arbeitet, und ich unterstelle ihm auch nicht, berechtigte Kritik gezielt verschwinden zu lassen. Dennoch bleibt bei solchen Geschäftsmodellen ein unangenehmer Beigeschmack: Statt die Ursache schlechter Bewertungen zu beseitigen, beschäftigt man sich professionell mit deren Entfernung. Das kenne ich nun aus eigener Erfahrung als Rezensent. Und oft ist es ja so, dass normale Verbraucher ihre Rechte nicht kennen oder keine Lust auf juristischen Schriftverkehr haben und dann lieber einknicken und die Bewertung einfach der Löschung preisgeben. Das war bei mir nicht anders.

Dass ausgerechnet Christian Solmecke dafür seinen Namen und seinen Vertrauensbonus hergibt, finde ich enttäuschend. Rechtlich wird das vermutlich alles sauber sein, aber gerade er könnte uns sicher ausführlich erklären, dass "rechtlich zulässig" und "macht einen sympathischen Eindruck" zwei vollkommen unterschiedliche "Tatbestände" sind.

Kefir und Pfand in die Tonne

Als ich kurz draußen zum Frischluft tanken auf der Rampe zum Hof stand, fiel mein Blick wie üblich auch in den großen, schwarzen Müllbehälter.

Darin lag eine Flache Müller Kefir, die aus unterschiedlichen Gründen meine Aufmerksamkeit erregte: Zum Einen war die Flasche augenscheinlich ungeöffnet. Warum liegt die im Müll? Zum Anderen sind diese Flaschen seit über zweieinhalb Jahren bepfandet, so dass ungeachtet des Zustand des Inhalts der Flasche dort zumindest 25 Cent im Müll lagen.

Natürlich angelte ich die Flasche aus dem Container, auch wenn der Inhalt natürlich nicht mehr appetitlich war. Man wirft doch keine 25 Cent in den Abfall.

Nach kurzer Suche fand ich die Kollegin, welche die Flasche entsorgt hatte und mir ganz selbstsicher erklärte, dass sie die warm gewordene Flasche außerhalb des Kühlregals entdeckt und sofort erkannt hatte, dass diese nicht mehr verkaufsfähig ist. Daher flog sie ohne weitere Rückfragen in die Tonne.

Ein kurzes, aufklärendes Gespräch später wusste sie dann auch, dass nur weil ein Produkt nicht mehr verkauft werden darf, seine Verpackung noch lange kein Restmüll sein muss.

Treppenwitz: Es war Müller-Kefir. :-P

Nicht für Nichtraucher

Post von Philip Morris: ein Infoflyer zum Thema Jugendschutz. Darin findet sich unter anderem der Hinweis, dass die eigenen Produkte ausschließlich für erwachsene Konsumenten bestimmt seien, „die bereits rauchen oder andere Tabak- und Nikotinprodukte nutzen“:


Der erste Teil ist klar. Keine Zigaretten an Minderjährige. Dafür gibt es Altersgrenzen, Ausweise und eindeutige gesetzliche Vorgaben.

Aber der zweite Teil ist interessant. Kurz: Nicht für Nichtraucher.

Nun haben wir an der Kasse allerdings gewisse Schwierigkeiten, diese Voraussetzung zu überprüfen. Ein hypothetisches Gespräch an der Kasse stelle ich mir so vor:

"Eine Schachtel Marlboro Gold, bitte."

"Sind Sie Raucher?"

"Nein."

"Dann kann ich Ihnen die leider nicht verkaufen."

"Aber ich wollte doch gerade damit anfangen."

"Genau das scheint nicht vorgesehen zu sein."
Natürlich ist der Satz keine gesetzliche Verkaufsbeschränkung. Philip Morris beschreibt damit vielmehr die Zielgruppe seiner Produkte und möchte ausdrücklich nicht den Eindruck vermitteln, Nichtraucher zum Einstieg in den Nikotinkonsum bewegen zu wollen.

Für mich hier bleibt das trotzdem eine hübsche, theoretische Frage: Das Alter eines Kunden können wir im Zweifel anhand seines Personalausweises überprüfen. Aber wie weist man nach, dass man bereits raucht?

Raucherpass? Nikotinführerschein? Zwei Zeugen und eine angebrochene Schachtel aus der Jackentasche? Urintest im Lager? Wangenabstrich vor dem Leergutautomaten? Mal eben an der Kasse 'ne Locke abzwicken und auswerten? Das hat alles irgendwie nichts und daher beschränken wir uns bis dahin wohl weiterhin auf die klassische Alterskontrolle.

aus Post-Consumer-Abfällen

Auf einer Flasche Orangensaft aus dem Kühlregal unserer Discount-Eigenmarke war mir dieser Text auf dem Rückenetikett aufgefallen:



Ich stutzte über die Formulierung "aus Post-Consumer-Abfällen". Dass der Trend zu immer mehr Flaschen aus Recyclingkunststoff geht, auf vielen Getränkeflaschen wird dies ausdrücklich erwähnt, haben sicherlich schon einige von euch mitbekommen. Aber den Hinweis "aus Post-Consumer-Abfällen" hatte ich bis dato noch nie gehört. Was ist das, was bedeutet das?

Grundsätzlich sagt es der Name ja schon: Nach-Verbraucher-Abfälle. Weil da jetzt vermutlich immer noch einige ein Fragezeichen im Kopf haben dürften, möchte ich es kurz ausführen:

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Abfällen: Die Pre- und die Post-Consumer-Abfälle. Die "Pre-Consumer-Abfälle" entstehen bei der Produktion. Fallen also als überschüssiges Material in Fabriken bei der Produktion an und sind quasi "Neuware", die nur nicht mehr in der Form zu gebrauchen ist. (z.B. Stanzgitter/Stanzabfall, Endstücke etc.)

Die "Post-Consumer-Abfälle" waren schon einmal als fertiges Produkt im Umlauf. Dabei handelt es sich also beispielsweise um das, was wir aus unserem Leergutautomaten mehrmals täglich in den großen Container schütten. Dieses Material hat also seinen eigentlichen Job schon wenigstens einmal erledigt. (Äquivalent zu Altpapier, Altglas, Altmetall …)

Ich weiß nicht, ob der Hinweis vorgeschrieben ist und andere Getränkeproduzenten ihre Produkte in Flaschen aus Pre-Consumer-Abfällen abfüllen, aber ich finde es gut. Es wird noch viel zu wenig recycelt, aber das ist so doch ein guter Weg!