Eine ältere Stammkundin stand hilflos vor dem Leergutautomaten. "Mein Bon kam nicht raus.", jammerte sie.
Wenn man eine Flasche in die Maschine legt und die zweite sofort hinterherstopft, und zwar so weit, dass nichtmal diese Flasche von der Maschine gelesen werden konnte, kann einfach kein Bon rauskommen.
Ich erklärte der alten Dame, dass sie die Flaschen einfach nur vorne auf das Förderband zu legen braucht und dann immer, wenn die grüne Lampe wieder leuchtet, die nächste hinterher. Sie bedankte sich für die Erklärung, lachte und freute sich, dass sie es doch endlich verstanden hätte.
Glaube ich nicht.
Wir haben hier das hier schon so oft gezeigt und erklärt und jedes Mal freute sie sich und gelobte, zukünftig alles richtig zu machen.
Ein südländischer Kunde bezahlte an der Kasse eine Flasche Bier. Meinem Mitarbeiter fiel allerdings auf, dass sich in seiner Jacke eine Flasche durchdrückte und auch ein für Bierflaschen typisches Klappern zu hören war. Also sprach er den Kunden ziemlich direkt auf die Flaschen an.
Die Erklärung, dass er die Flaschen aus seinem eigenen Laden hätte, klang ziemlich dürftig. Ich habe auch einen eigenen Laden, aber ich kaufe mein Bier nicht woanders. Aber es gibt ja die Videoaufzeichnung und darauf war zum Glück zu sehen, dass die beiden Flaschen tatsächlich nicht von uns waren.
Normalerweise entschuldigen wir uns an dieser Stelle und geben dem Kunden den Rat mit auf den Weg, in solchen Situationen beim Betreten des Ladens eben kurz Bescheid zu sagen, dass man irgendwelche Dinge mitbringt. Die übliche Reaktion darauf ist dann, dass die Leute Besserung geloben und sich meistens sogar selber noch entschuldigen.
Normalerweise...
Manche Leute beginnen auch, herumzuschreien, dass man sie vor allen Kunden (war nur kein anderer da...) des Diebstahls bezichtigen würde und lassen sich vor allem deshalb nicht bruhigen, weil sie einem erst gar nicht zuhören. Darüber muss man einfach stehen, denn das hitzige Temperament scheint den Morgenländern angeboren zu sein...
Eine Kundin sprach mich an, weil sie verschiedene Artikel im Laden suchte. Sie hatte eine (offenbar nicht selber geschriebene) Einkaufsliste dabei und konnte eine Zeile nicht identifizieren. Schnell warf ich einen Blick auf den Zettel und konnte die aneinandergereihten Buchstaben eindeutig als eine Backzutat auf Basis blauer, kernloser Tafeltrauben identifizieren. So konnte ich die junge Frau zielstrebig zum richtigen Regal führen und habe hier bei der Gelegenheit alle gewünschten Artikel rausgesucht und in ihr Körbchen gelegt.
Sie freute sich: "Sie sind ja ein richtiger Hausmann"
Jetzt bin ich mir nur noch mehr sicher, ob ich das als Kompliment zu werten habe. Vielleicht lieber doch nicht?
Ein etwa 6jähriger Junge sprach einen meiner Mitarbeiter an. Er hatte sich Brötchen eingepackt und dabei wohl sein Geld verloren. Eine kleine Banknote, die er sich, um die Hände freizubekommen, unter dem Kinn eingeklemmt hatte.
Völlig verzweifelt war er, denn das würde "richtig Ärger" geben und dann würde er von seinem Vater "wieder Prügel" bekommen. Natürlich versuchten wir, ihm irgendwie zu helfen, um ihm die angekündigten körperlichen Qualen zu ersparen.
Während mein Kollege mit dem Kleinen den Laden absucht, versuchte ich mein Glück an der Videoanlage. Leider ist der Teil vom Brotregal, vor dem der Junge stand, auf den Kameras kaum zu erkennen. Knapp zehn Minuten blätterte ich in der Aufzeichnung vor und zurück, versuchte irgendwas auf dem Monitor zu erspähen – aber völlig erfolglos. Zu erkennen war noch, wie der Junge sich das Geld unter dem Kinn einklemmte, dann verschwand er hinter dem Regal und zwei Minuten später lief er suchend hin und her. Ein anderer Kunde kam in der Zwischenzeit nicht bei ihm vorbei und so konnte die Banknote eigentlich gar nicht wirklich weit weg sein.
Das erzählte ich dem Jungen genau so und fragte, ob er den Geldschein nicht vielleicht doch in irgendeine Jacken- oder Hosentasche gestopft hat.
Ich saß mit einem Kollegen an der Kasse, als sich an meiner Seite plötzlich zwei junge Frauen, beide Anfang bis Mitte 20, anstellten.
Eine der beiden trug zwei Pizzakartons vom Lieferservice in der Hand. Die beiden zogen sich Zigaretten aus dem Automaten und legten sie neben dem Scanner auf das Förderband.
"Hey, das ist ja toll, dass ihr uns Pizza mitbringt", sagte ich in belustigtem Tonfall.
Die eine guckte plötzlich ganz entsetzt und begann, hektisch in ihrer Tasche rumzukramen. Dabei sprach sie in einer fremden Sprache mit ihrer Freundin, die daraufhin genauso entsetzt guckte.
Mein Blick wechselt vom fröhlichen Lachen zu völliger Verwirrung. Was hatten die beiden denn nur plötzlich?!? Nach längerem Rumkramen in der Tasche holt die eine schließlich einen Reisepass heraus, und hielt ihn mir vor die Nase, während sie mit dem Zeigefinger der anderen Hand auf ihr Geburtsdatum tippte.
Nach etwa 30sekündigem Lachen war ich dann in der Lage, den beiden auf Englisch zu erklären, was ich eigentlich gemeint hatte und schon lachten sie auch wieder.
Zwei junge Damen fütterten den Leergutautomaten mit ihren mitgebrachten Kisten und Flaschen. Dabei unterhielten sie sich relativ laut und völlig begeistert über die Technik. Ein paar im Vorbeigehen aufgeschnappte Fetzen:
"Ist schon geil, so eine Maschine, dass kein Mensch das macht und dass das alles alleine läuft..."
Ein Kunde löste den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Die Ursache dafür war schnell gefunden: Eine Flasche Wodka lag in seiner Tasche und war mit einem noch aktiven Sicherungsetikett versehen.
Wir unterstellten ihm aber nichts Böses – mal davon abgesehen, dass wir Flaschen sowieso grundsätzlich mit einem anderen Etikettentyp versehen. Hätte er im Laden die angebrochene Flasche auf ihren aktuellen Füllstand gebracht, wäre es wohl nicht mehr möglich gewesen, mit ihm auch nur annähernd flüssig zu kommunizieren.
Ein Stammkunde hatte sich vor längerer Zeit mal 50 Euro von mir geliehen. Als Pfand hinterlegte er freiwillig seinen Personalausweis und nach ein paar Tagen hat er mir die geliehene Summe und noch zusätzlich 5 Euro als Trinkgeld und Dankeschön in die Hand gedrückt.
Daraus ist eine kleine Regelmäßigkeit geworden: Alle 1-2 Monate kommt es mal vor, dass ich ihm helfe und jedes Mal bedankt er sich mit einem großzügigen Trinkgeld.
Werde ich nie verstehen. Wenn er das zusätzlich gezahlte Geld beiseite gelegt hätte, wäre dies mittlerweile schon zur immer wieder regelmäßig benötigten Summe angewachsen...
Eine Kundin hat eben einen Schneebesen aus unserem Haushaltswarenregal umgetauscht. Den hatte sie vor ein paar Wochen hier gekauft und beim Gebrauch hätte sich das Küchengerät plötzlich in seine Einzelteile zerlegt. Sowas wird natürlich anstandslos und komplett diskussionsfrei umgetauscht.
Hinterher konnte sich eine Kollegin einen Kommentar nicht verkneifen: Vielleicht wollte die Kundin ja diese Sahne schlagen. Wer weiß?
Eine junge Dame aus England sprach mich im Laden an, weil sie ein bestimmtes Produkt suchte. "Blehdertieck" sollte es wohl sein, aber was sie damit meinte, wollte sich mir nun ganz und gar nicht erschließen.
Dabei ist die Lösung manchmal so einfach: Blätterteig suchte sie – und hat dieses Wort nunmal so ausgesprochen, wie sie es in ihrer Muttersprache tun würde.
Ein älterer Kunde suchte Schlagsahne. Da er frische Sahne suchte, die gekühlt werden muss, suchte er in der Tiefkühltruhe. Irgendwann sprach er ganz verzweifelt eine Kollegin an, die ihn dann zum richtigen Kühlregal führte.
Tiefgefrorene Schlagsahne. Lässt sich zwar nur mühsam schaumig rühren, macht aber ein lustiges Geräusch im Mixer.
Ein Kunde hat ungefragt und ohne vorhergehendes Gespräch eine Kollegin angesprochen und sie darauf hingewiesen, dass es "laut Datenschutzgesetz" verboten sei, den komplett ausgeschriebenen Namen auf der Arbeitsbekleidung zu tragen. Und, dass ihr Arbeitgeber sie nicht zwingen dürfte, ihren vollen Namen auf diese Weise preiszugeben.
Ihre Erklärungsversuche darüber, dass sie den Namen freiwillig trägt, ignorierte er vollkommen und redete weiter etwas vom Datenschutzgesetz und dass es eine Unverschämtheit wäre, dass hier die Mitarbeiter zu so etwas genötigt werden würden.
Zwei Kunden fragten einen meiner Mitarbeiter nach Reiswaffeln. Er ging mit den beiden zum entsprechenden Regal und erklärte kurz: "Da sind die mit Schokoüberzug und daneben die mit Joghurt." – und ergänzte mit einem Grinsen: "Und da unten sind die einfachen Reiswaffeln, die man alternativ auch als Dämm- oder Baumaterial verwenden könnte..." Die Kunden lachten und erklärten, dass sie die Diät bitter nötig hätten und deswegen auf Reiswaffeln zurückgreifen müssten.
Zwei Minuten später fragten die beiden erneut: "Und wo haben Sie das Ben & Jerry's-Eis?"
Ein etwa sechsjähriger Junge lief durch den Laden, tobte etwas herum und stieß dabei mit dem Kopf gegen die flache Seite eines Pappaufstellers. Das Material ist relativ weich und nachgiebig und abgesehen davon hat der Aufsteller bei dem zusammenprall nicht einmal nennenswert geschwankt.
Trotzdem fing der Kleine an zu plärren wie nichts Gutes. Während der noch folgenden zehn Minuten, in denen seine Mutter den Einkauf fortsetzte, liefen ihm geschätzte zehn Liter Wasser aus den Augen und er probierte sein komplettes Programm an oskarreifen, melodramatischen Darbietungen durch. Seine schauspielerischen Fähigkeiten reichten von einfachem Schluchzen bis zur mitleiderregenden Sterbeszene auf dem Fußboden vor dem Leergutautomaten.
Mir scheint, dem Kind mangelt es an Aufmerksamkeit.