Steht einer vor der Tür der Moschee, drückt sich ein Handy ans Ohr und brüllt so laut in das Ding rein, als würde er versuchen wollen, ohne dieses Telefon mit der Heimat Kontakt aufzunehmen.
Die Stimme war bis zu mir ins Büro gedrungen und ich bin daraufhin eilig zur Lagertür gelaufen, weil ich dachte, da draußen auf dem Hof ist ein ausgewachsener Streit zugange…
Wenn der Leergutautomat in den nächsten vier Wochen mal herumzicken und die Arbeit verweigern sollte, hängen wir einfach ein Schild an das Gerät mit dem Hinweis auf
Ramadan: "
Unser Leergutautomat hält ein kleines Ramadanchen und darf tagsüber nur eingeschränkt Dinge zu sich nehmen!"
Entweder regen sich die Leute dann gar nicht mehr auf oder trauen sich zumindest nicht mehr, dies in der Öffentlichkeit zu tun.
Hier im Büro steht übrigens schon seit Ewigkeiten eine alte 1-Liter-Glasflasche aus dem Hause Coca-Cola. Mit einem Haltbarkeitsdatum "Ende 94" dürfte sie eine der letzten abgefüllten Glasflaschen gewesen sein, bevor die PET-Flaschen (hier der
Beitrag mit der alten PET-Flasche mit MHD 8/95) in ihre Fußstapfen traten.
Die bewahre ich mal auf.
MA: "
Chef, hier möchte ein Kunde eine Orangina-Kiste abgeben. Können wir die annehmen? – Chef: "
Klar, WENN sie vollständig ist! Wenn Flaschen fehlen, dann nicht. Sonst werden wir die nicht wieder los." – "MA:
Alles klar. Die ist nicht komplett. Dann eben nicht."
Kopfschütteln war meine erste Reaktion, als ich diese
unvollständige Orangina-Kiste am Folgetag hier im Lager stehen sah. Es könnte natürlich sein, und das unterstelle ich jetzt einfach mal wohlwollend, dass der Kunde die Kiste dann zur Entsorgung hiergelassen hat und wir dafür gar kein Pfand ausgezahlt haben. Damit steht sie zwar immer noch hier herum, aber dann wäre zumindest der Ärger darüber etwas kleiner…
Ein Mann mittleren Alters hat sich mehrere Schachteln Zigaretten aus dem Ausgabeautomaten an der Kasse gezogen und diese in seiner Jacke versteckt. Einem aufmerksamen Mitarbeiter war das aufgefallen und der Typ hat die Schachteln natürlich nicht bezahlt und so folgte das übliche Programm.
Tonfall und Mimik ließen auf schlimme Beleidigungen schließen, die ich mir die ganze Zeit von dem Typen anhören musste. Verstanden habe ich allerdings nicht viel, da ich der von ihm dafür verwendeten Sprache nicht mächtig war…
Da er keinen Ausweis dabei hatte und auch sonst nicht identifizierbar war, hat die Polizei ihn im Streifenwagen mit zur Wache genommen, was ihm sichtlich unangenehm war. Wenigstens eine kleine Genugtuung für mich.
Muss irgendwas mit den Wellen in den Beinen zu tun haben, die man bekommt, wenn man zu viel von dem Schnäpschen trinkt.
Ein Typ, der mindestens durch Alkohol benebelt war, kam in den Laden und sagte, dass wir "dem blonden Typen mit Ziegenbart" nichts mehr verkaufen sollen. Und wenn doch, dann würde er "den Laden ficken".
Als ich ihn nicht ernst nahm, fing er an, mich persönlich auf's Übelste zu beleidigen und mir sogar körperlich zu drohen. Habe ihn dann stehenlassen und er hat sich getrollt.
Wenn das Fragezeichen überm Kopf immer größer wird…
Oliver hat mir diese Bilder des "Vreugdenhil"-Marktes auf
Curaçao geschickt. Vielen Dank für die Zusendung!
Auf der
Website des Ladens findet ihr übrigens noch
etliche weitere Bilder mit Innen- und Außenansichten des Ladens.
Da ist man kurz nicht im Büro und schon hockt die Miniaturausgabe von einem selber auf dem Stuhl der Geschäftsleitung und guckt sich irgendwelche englischsprachigen Farben-Lern-Filmchen bei YouTube an.
Ein langjähriger Stammkunde ist aufmerksam und hat mich im Laufe der Jahre schon häufiger darauf hingewiesen, wenn mal irgendwo eine Preisdifferenz zwischen Auszeichnung und Kasse vorlag. Meistens fiel ihm sowas dann zu Hause beim Kontrollieren des Kassenbons auf und beim nächsten Einkauf gab es dann die entsprechende Gutschrift.
Nun kam er auf mich zu und sagte, dass er mir noch Geld schulde. Großes Fragezeichen über meinem Kopf… Er erklärte, dass er vor ein paar Tagen zwar acht Flasche Limonade mitgenommen, aber nur eine bezahlt hätte. Hatte meine Mitarbeiterin an der Kasse wohl übersehen und nun würde er gerne seine Schulden, nämlich die sieben restlichen Flaschen, begleichen.
Das ist doch ein feiner Zug. Nicht nur zu fordern, sondern auch ehrlich zu sein, wenn es zu den eigenen Lasten geht. Wenn alle Menschen so wären, könnte dieser Planet noch lebenswerter sein…
Ein jüngeres Pärchen stand vor dem Eierregal und diskutierte über das Angebot und die Preise. Er bezog sich dabei vor allem auf unsere regionalen Bioland-Eier und kommentierte das mit den Worten, dass wir doch irre sein und warf die Frage in den Raum wer denn "fast vier Euro" (3,69€) für zehn Eier bezahlen würde.
Ich habe mich da nicht eingemischt und folglich auch nicht erklärt, dass wir speziell diese Eier mit eigentlich zu wenig Gewinnspanne verkaufen. Woanders würde da nämlich vorne schon die Vier stehen…
Eine Stammkundin wollte von mir wissen, ob sie ihren Leergutbon auch später einlösen dürfe. Ich erklärte ihr: "
Klar, das ist kein Problem. Oder auch einfach bei ihrem nächsten Einkauf. Bei mir verfallen die Bons nicht, wir sind da ganz entspannt."
Sie antwortete, dass wir hier sowieso alle ganz entspannt wären und dass wir hier ein ganz tolles Team wären. So locker und unverkrampft.
So ein Kompliment geht natürlich runter wie Öl.
Und dann denkt man an eine ehemalige Mitarbeiterin, die mir einst geschrieben hatte, dass es hier im Laden "
unglaublich viele Missstände" gäbe und dass sie nachvollziehen könne, "
warum sehr viele Mitarbeiter schnellstens gekündigt haben."
Schnellstens gekündigt… Da muss ich echt wieder lachen. Gerade bei den studentischen Aushilfen haben wir hier aufgrund der Gegebenheiten zwangsläufig eine gewisse Fluktuation und neue Mitarbeiter verlassen einen tatsächlich leicht mal nach 1-2 Monaten, weil sie merken, dass der Job doch nichts für sie ist – aber eigentlich haben wir hier wirklich einen langjährigen und stabilen Kern. Eine Mitarbeiterin ist seit 2000 schon dabei. Dann haben wir 1x2003, 1x2005, 2x2006, 4x2007, 2x2008, 1x2011, 1x2012, die andere Hälfte der Mannschaft ist erst in den letzten vier Jahren dazugestoßen. Ich denke, das ist schon recht beständig.
Eine ältere Kundin suchte Früchte in Konservengläsern.
Meine Mitarbeiterin führte sie zum Regal, zeigte ihr einmal die Auswahl von oben nach unten und fragte die Kundin schließlich, ob ihr damit geholfen wäre.
Die Kundin lächelte.
Die Kundin antworte: "Danke. Jetzt weiß ich, was ich will."
Die Kundin ging weiter, ohne etwas genommen zu haben.
Zurück blieb eine kopfkratzende Kollegin…
Wir schmunzeln gerade über eine Kundin im mittleren Rentenalter, die etwas abgehetzt hier in den Laden kam und nur ein Getränk gekauft hat. Einer Kollegin, die das mitbekommen hatte, berichtete sie, dass sie gleich einen Arzttermin hat, danach zur Wassergymnastik muss und um 16 Uhr schon wieder bei einer Sportveranstaltung ihres ehemaligen Arbeitgebers mitwirken möchte.
Und ich dachte immer, ich hab Stress.