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Kooperation mit einem Lieferservice

Gestern Nachmittag bekam ich einen Anruf von einem Mann, der mir erklärte, dass sie einen bundesweiten Lieferservice anbieten und dafür noch Kooperationspartner suchen würden. Ich bat darum, mir alle Informationen per E-Mail zukommen zu lassen und das tat er dann auch.

Der Lieferservice ist erstmal tatsächlich auf die reine Lieferung der Ware beschränkt. Der Kunde muss also noch selber in den Laden gehen, seine Sachen zusammensuchen und bekommt die Ware dann in einem zweiten Schritt nach Hause gebracht. Das ist zwar auch nicht unüblich, hilft natürlich niemandem weiter, der krankheitsbedingt zum Beispiel gar nicht aus dem Haus gehen kann oder darf. Aber gut, es wäre ein Anfang. Die vom Kunden zusammengestellten Waren werden dann vom Laden für die Abholung durch den Lieferdienst ordentlich bereitgestellt.

Auf die Kunden kämen folgende Kosten zu: Im Umkreis von 5 km pauschal 5 Euro, bis 10 km 7,50 €. In dem Preis sind drei Getränkekisten enthalten, jede weitere Kiste kostet 1,50 € zusätzlich und jeder weitere Kilometer 2,00 €. Das ist absolut okay, denke ich. Mehrwegleergut wird mitgenommen, dafür werden pro Kiste 50 Cent berechnet.

Nun stand in der E-Mail noch ein Hinweis:

Wir berechnen den Kunden die Liefergebühren wie auf der Werbung beschrieben (siehe Anhänge zu dieser Mail). Diese Liefergebühren verbleiben, als sogenannte Mischkalkulation, in unserem Unternehmen.
Ihrem Markt berechnen wir eine monatliche Pauschalvergütung in Höhe von 650,00 € zzgl. MwSt.
Die "wie auf der Werbung beschriebenen" Liefergebühren habe ich im letzten Absatz aufgelistet. Ich stutzte etwas: Ich soll jeden Monat 650 Euro netto BEZAHLEN für … ja, wofür denn eigentlich?

Ich rief den Mann an und fragte, was es mit dieser Pauschalvergütung auf sich haben soll. Er widerholte eigentlich nur, was auch schon der Mail stand: In dieser Vergütung enthalten sind drei Auslieferungstage und die für die Lieferungen notwendigen Betriebskosten, Personal, Fahrzeug, Versicherung, Werbung. Okay, der Händler bekommt ein paar tausend Flyer zur Verfügung gestellt, deren Druckkosten in einer durchschnittlichen Onlinedruckerei unter hundert Euro betragen, aber ansonsten? Wofür wird denn dann bitte die Liefergebühr erhoben, die ja ebenfalls der Lieferdienst und nicht der Händler bekommen soll?

"Müsste ich nicht das Geld bekommen, immerhin haben wir ja auch Arbeit damit?" Natürlich nicht, denn wir verdienen ja schon an der Ware und haben sonst keine Arbeit. Und dann folgte natürlich das Totschlagargument bei solchen Angeboten: Dass man mit so einem Lieferdienst die Attraktivität des Geschäfts erhöhen würde und mehr Kunden bekommt, durch die man ja wiederum mehr Geld verdient. Klar haben wir mit dem Verkauf der Ware schon etwas verdient. Aber die Arbeit und die Kosten haben wir bereits vor dem Verkauf und nicht erst durch den Verkauf. Der Lieferdienst erleichtert uns nichts, im Gegenteil sogar. Wir müssen ja sogar, wie bereits oben gesagt, alle eingekauften Waren zur Abholung bereitstellen (natürlich vereinbarungsgemäß in ordentlichen Kisten) und teilweise sogar im Kühlhaus lagern. Das macht also noch zusätzliche Arbeit. So viel mehr Kunden, dass wir damit 650 Euro mehr GEWINN im Monat erwirtschaften, wird dieser Lieferdienst uns sicherlich nicht bringen. Ganz sicher nicht. Sechshundertfünfzig Euro. Ich schüttle immer noch den Kopf.

Jeden Tag steht ein Dummer auf und es gibt genug Leute, die nach ihm suchen.

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Comments

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Frimiax on :

Ich hatte mich schon über die geringen Lieferpreise gewundert. Stattdessen soll hier der Lebensmitteleinzelhandel über den Tisch gezogen werden.
Das Problem bei den Verbrauchern ist, dass ihnen über Jahre die Mär vom kostenlosen Versand erzählt wird. Wenn ich mit gebrauchten Klamotten und Schuhen aus dem Altkleidercontainer fußläufig in meiner Freizeit Sachen ausliefere, fallen keine Kosten an. Das ist aber auch falsch, denn Opportunitätsksten fallen immer an.

Nicht der Andere on :

Würde man einen solchen Unternehmer für schlau/gerissen/hinterfotzig halten, könnte man ja annehmen, daß es ihm summa summarum ausschließlich um das unauffällige Einsacken jener 650€ von möglichst vielen Händlern über einen möglichst langen Zeitraum ginge.

Du sollst also'n Zweidritteltausi pro Monat zahlen, wenn in deinen Laden kommende Kunden (ob Stamm- oder Neukunde) und sich den Einkauf dann entgeltich nach Hause bringen lassen? Check ich nicht. Die wollen von dir ähnlich viel, wie dich ein eigener Minijobbler kosten würde? Den aber nicht sie für dich brauchen, sondern du für sie? Ich check's echt nicht.

Eine Provision wäre ja durchaus denkbar oder ein niedriger Nominalbetrag, aber mit ihrem 650€-Ansinnen werden sie wohl von vornherein scheitern.

Nach einem Satz, daß die Konsumentengebühren "als sogenannte Mischkalkulation" im Unternehmen verblieben ist eigentlich kein Erfolg zu erwarten.

Dieter Schmeer on :

Also man muss selbst in den Laden gehen, den Kram zusammensuchen, und dann darum bitten, dass alles eingelagert wird, bis es einer vom Lieferdienst abholt und einem bringt? An 3 von 7 Wochentagen? "Heute ist zu spät, wird dann übermorgen geliefert"? Im Laden wird dann alles wieder auseinandergeklaubt (TK, Kühlkost, normal) und eingelagert? Und bis übermorgen sind die Beeren verschimmelt und das Brot hart?

Irgendwie sehe ich da einen Nutzwert nur für extreme Sonderfälle.

Wuffduff on :

Ohne mitarbeitenden Supermarkt kann der LIeferdienst sein Geschäftsmodell vergessen, und Du sollst jetzt auch noch dafür bezahlen, dass der Lieferdienst überhaupt Geld verdienen kann? Die haben den Schuss ja wirklich nicht gehört.

Und auch aus Kundensicht finde ich das Preismodell absolut utopisch, bei Deiner "bösen Konkurenz", genannt REWE, kann ich online bestellen, bekomme ich meine Ware für maximal 2,90 geliefert und kann bequem auf der Couch sitzen bleiben.

Warum sollte ich 5 Euro mehr bezahlen für einen deutlich schlechteren Service?

Ulf on :

Ich erinnere mich dunkel, daß Björn mal einen eigenen Lieferservice hatte mit einem zuverlässigen Frührentner. Und keinen Ersatz fand, siehe Mitarbeiter für Lieferdienst gesucht/

In Berlin arbeiteten einige Edeka-Nah-und-gut-Märkte mit dem Lieferdienst Volt zusammen, die Konditionen sind mir natürlich nicht bekannt. Da gab es einigen Knatsch mit der Regionalgesellschaft Minden-Hannover, siehe Supermarktblog: Volt-Lieferdienst für Edeka Nah und Gut

Silvan Theiss on :

Zumal mit PicNic ein weiterer Lieferdienst der in Deutschland auch noch zur Edeka gehört vor dem Sprung nach Norddeutschland zunächst wohl Hamburg und Bremen steht.

TheK on :

Naja, hier wäre es schon ein Fortschritt, wenn dieser Service nicht nur auf dem Papier existieren würde… Hier bietet Rewe dreimal die Woche jeweils FÜNF Liefertermine (für 80.000 Einwohner!), die natürlich längst für die nächsten zwei Wochen (so lange im Voraus könnte man das buchen) belegt sind. Dazu kommt ein horrender Mindestbestellwert.

Klingt alles in allem eher, als ob man so tun will, als ob man das bietet, es aber nicht wirklich bieten will…

TOMRA on :

Was ist denn mit ehemals Kaisers Bringmeister?
Wird das den Edeka Kaufleuten nicht intern angeboten oder läuft das über eigene Lager oder nur paar große Filialen und nicht beliebige Händler?

xyz on :

Bei den Gebühren kann ich mir genauso gut ein Taxi zum Supermarkt bestellen und mich samt Einkauf nach Hause fahren lassen.

Jan on :

Vielleicht als Studenten Job?

Dorian Gray on :

Björn kennste das hier: shop.edeka ?
Da zahlen die Märkte 4000€ Pauschal an die EDEKA Zentrale pro Monat..

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