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M.C.Nervensäge

Vor ein paar Jahren hatte ich einen Mitarbeiter als Vollzeitkraft bei mir. Er galt offiziell als Schwerbehinderter und erledigte die ihm übertragenen Aufgaben meistens ganz brauchbar.

Bis ich irgendwann mal ein Schreiben von ihm bekommen habe, in dem er mir mitteilte, dass er aufgrund persönlicher Gründe generell keine Spätschichten und auf Grund seiner Behinderung keine, resp. nur noch sehr eingeschränkte Kassentätigkeit mehr durchführen möchte. Uff…

Das mag für Außenstehende erstmal harmlos klingen. "Planst ihn eben früh ein und es gibt ja auch noch andere Dinge außer Kasse in einem Supermarkt", denkt vielleicht der eine oder andere jetzt. Aber so einfach ist es nicht. Die Vormittagsschicht ist hier fest besetzt gewesen und um an den Packtagen etwas Ware zu verräumen und ansonsten im Rest der Woche 20-25 Stunden nur im Laden herumzutüdeln, brauchte ich keine Vollzeitkraft. Gut, dachte ich mir, dann soll die Geschichte nun ein Ende finden.

Ich erklärte dem Integrationsamt, die in solchen Fällen zwingend ihren Segen dazugeben müssen, den Sachverhalt und bekam von denen auch grünes Licht, da eine weitere Beschäftigung unter den genannten Umständen für mich unzumutbar war. Sodann verfasste ich eine fristgerechte Kündigung – die auch fast erwartungsgemäß prompt mit einem Schreiben vom Arbeitsgericht quittiert wurde. Ein Verhandlungstermin wurde angesetzt, ich war dennoch hoffnungsfroh.

Es endete so wie immer: Dem Arbeitnehmer wurden drei Monatsgehälter als Abfindung zugesprochen und letztendlich durfte er auch noch ein "wohlwollendes Zeugnis" mit nach Hause nehmen. Bezüglich Arbeitsleistung war das dann irgendwie auch in Ordnung, aber das Querulantentum am Ende hätte ich am liebsten detailliert aufgelistet. Einziger Trost für mich: Von der hohen Zahlung blieb ihm nach Abzug der Steuern nicht mehr viel. :-)

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Nicht der Andere on :

Vom durch die Abfindung verdrei- oder vierfachten Monatsgehalt blieb natürlich in dem einen Monat relativ wenig. Andererseits aber wird für's Gesamtjahr die Einbuße entweder gering gewesen sein. Oder, falls es nicht gerade am Jahresende war und er erstmal keinen neue Stelle hatte, ist es vielleicht trotz der Abfindung zu einer ganzjährig geringeren Steuerquote gekommen.

Felix on :

Querulatentum? Aus Deiner Sicht vielleicht.
Aus Sicht des AN war das wirtschaftlich gesehen doch absolut richtig, was er gemacht hat.

too on :

Du widersprichst dem Supermarkt-Professor ... Querulant!

TooMuchInformation on :

Aber üblich ist das nicht, dass du erst ein Schreiben bekommst, oder? Ich stelle mir eher vor, dass die Mitarbeiter erstmal mit dir sprechen?

Wumpitz on :

Mal ehrlich, Arbeitszeugnisse sind doch das Papier nicht mehr wert, auf dem sie stehen.

hans12 on :

Ich hatte letztes Jahr einige Zeit lang Gelegenheit, den Wert meiner Arbeitszeugnisse bei Bewerbungsgesprächen zu testen.
Einhellige Meinung aller potentiellen Arbeitgeber: "Zeugnisse lesen wir kaum noch. Wir erwarten einen detaillierten Lebenslauf, in dem tabellarisch auch die ausgeübte Tätigkeit und Befähigungen aufgeführt sind."
Der ganze Rest mit "war stehts bemüht, etc." ist doch soweit gebügelt und im Zweifelsfall durch Vergleiche entstellt, dass sie nichts mehr aussagen.

Björn Harste on :

Was ich immer sage und wie es auch schon oben steht: "Arbeitszeugnisse sind doch das Papier nicht mehr wert, auf dem sie stehen."

Ich überfliege sie, allerdings meistens aus Interesse, WIE sie formuliert wurden und nicht wegen der Bewertung des Bewerbers.

hans12 on :

und tatsächlich: nachdem ich meinen Lebenslauf entsprechend auf mehr sachliche, tabellarisch kurz aufgelistete Information über meine Tätigkeiten umgestellt hatte, habe ich keine Zeugnisse mehr verschickt.
Der Lebenslauf kam sehr gut in den Gesprächen an.

Und einen guten neuen Job habe ich damit auch bekommen. 8-)

Ranz on :

Ist der Gütetermin gescheitert oder warum ist dem Arbeitnehmer etwas zugesprochen worden?

Ulf on :

Da hätte man doch lieber den Mitarbeiter Trautwein rauswerfen sollen und dafür M.C. Nervensäge einsetzen sollen. Der Trautwein ist sowie unsozial. Ist nicht in der Gewerkschaft, arbeitet zu den Öffnungszeiten ohne Pausen durch, will nicht mehr Gehalt und redet nicht mit den Kunden, sondern kommuniziert mit ihnen nur schriftlich :-P

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