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88 und das Gedächtnis

Ich war im Laden unterwegs und lief von Regal zu Regal, da ich dabei war, Etiketten zu stecken. Eine offensichtlich ältere Kundin mit Rollator sprach mich an und wollte von mir wissen, wo wir die Streichhölzer liegen haben. Ob sie die Hölzchen nur nicht finden konnte, weil sie in ein neues Regal umgezogen sind oder ob sie generell keine Ahnung hatte, hinterfragte ich nicht. Ich führte sie ganz souverän zum neuen Standort, nahm eine Packung mit mehreren kleinen Schachteln aus dem Regal und nachdem sie diese für gut befunden hat, legte ich ihr die Ware in den kleinen Korb ihres Rollators.

Mit einem Lächeln sagte ich: "Wenn Sie noch etwas suchen, fragen Sie einfach mich oder einen der anderen Kollegen hier. Wir sind gerade mit sechs Leuten hier im Laden, irgendjemanden werden Sie schon finden." Die Frau bedankte sich und setzte ihren Einkauf fort, während ich mich wieder meinen zu steckenden Etiketten widmete.

Nach etwa zwei Minuten steuerte sie auf mich zu und rief aus ein paar Metern Entfernung schon: "Junger Maaahann, können Sie mir wohl helfen?"

"Natürlich", antwortete ich ihr freundlich, "was suchen Sie noch?"

"Wo haben Sie wohl die Streichhölzer? Ich habe hier schon alles abgesucht, aber ich kann die nicht finden. Die müssten doch hier irgendwo sein?"

"Brauchen Sie denn noch mehr?"

"Ich brauche Streichhölzer. Haben Sie denn welche?"

[?!?]

"Die habe ich Ihnen doch schon vor zwei Minuten gegeben", sagte ich, griff in die Ablage ihres Rollators und zeigte ihr die Packung.

"Ach", sie lachte, "wissen Sie, wie alt ich bin? Achtundachtzig. Da darf man auch ab und zu mal eine Kleinigkeit vergessen."

"Das stimmt wohl", sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen und muss leider zugeben, dass ich die Situation überhaupt nicht lustig, sondern sehr, sehr nachdenklich machend fand.

30 negative Bewertungen bei EDEKA-Markt Björn Harste

E-Mail von einer Firma, die Google-Bewertungen löschen möchte:

Schöne Grüße nach Bremen,

die 30 negativen Google-Bewertungen bei EDEKA-Markt Björn Harste sind weiterhin online. Diese zum Beispiel:

„Sucht euch lieber einen guten Edeka."

Solange sie dort steht, liest sie jeder Interessent mit.

Ohne Erfolg entstehen Ihnen keine Kosten. Bleibt die Bewertung stehen, zahlen Sie nichts.

In 2 Minuten sehen Sie kostenlos, was sich löschen lässt: [… URL gelöscht]

Beste Grüße
[…]
Ihr Online-Ruf – Wir schützen Ihren Ruf
Guten Tag Herr […],

vielen Dank für Ihr Angebot. Ich lasse die Bewertungen lieber stehen. Manche sind erkennbar im Ärger geschrieben, und auf Kritik kann ich öffentlich antworten. Die Leser können sich dann selbst ein Bild machen.

Ein Hinweis im Google-Profil, dass Bewertungen gelöscht wurden, würde auf mich deutlich unseriöser wirken als ein paar schlechte Bewertungen.

Ein makelloser Sterne-Durchschnitt um den Preis eines sichtbaren Löschhinweises wäre also ein eher kurioser Beitrag zu meinem "Online-Ruf".

Ich habe daher kein Interesse an Ihrem Angebot und bitte Sie, von weiteren Anfragen dazu abzusehen.

Lüfterreinigung im MoPro-Kühlraum

Ich denke mir oft genug, wenn ich durch meinen eigenen Laden gehe, dass es sauberer sein könnte. Im Vergleich mit anderen Supermärkten bekomme ich zwar nie Selbstzweifel über den Zustand hier bei uns, aber die noch vorhandene Selbstreflexion beim Thema mögliche Betriebsblindheit sollte sich nicht durch einen Haufen Whataboutismus neutralisieren lassen. In anderen Supermärkten, auch großen, inhabergeführten, die nach außen oft sehr edel wirken, habe ich schon häufiger diesen "Außen hui, innen pfui"-Gedanken gehabt. Daher bin ich hier immer bemüht, dass immer alles systematisch gereinigt wird und wir haben seit einer Weile sogar einen Schüler im Team, der ausschließlich zum Putzen der Regale von mir eingestellt wurde. Aber man kommt kaum dagegen an. Der Dreck, der hier tagtäglich eingebracht wird, ist kaum zu fassen und so ist es der berühmte Kampf gegen Windmühlen*, hier alles sauber zu halten.

Nichtsdestotrotz sind diverse Prüfer (interne wie externe), die den Zustand von Hygiene und Sauberkeit hier checken, immer wieder überrascht, wie sauber es hier ist. Irgendwas finden "müssen" sie einfach, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Das gebietet wohl Berufsehre. Beim letzten Routinebesuch der Lebensmittelüberwachung war der obligatorische Kontrollbericht erstaunlich übersichtlich. Ein paar Staubansammlungen in zwei Regalen und im Lager hinter etlichen Leergutkisten, der dort schon eine ganze Weile stehen. Nichts Dramatisches und auf gar keinen Fall die Qualität von Lebensmitteln beeinträchtigend oder gar eine Gesundheitsgefahr. Passiert eben.

Was auch ich tatsächlich nur so halb auf dem Schirm hatte (und was jetzt neu in meiner jährlichen To-Do-Liste ist): Das Kühlaggregat hier im Kühlhaus (Nicht Tiefkühl) hat unbemerkt und kaum von außen zu erkennen auf den Propellern einige Verschmutzungen angesetzt. Äußerlich war alles toll, selbst die durch die Schutzgitter sichtbaren Vorderseiten der Propeller glänzten schön schwarz – aber als der Kontrolleur mit der Taschenlampe so leicht schräg in das Gehäuse schielte, offenbarten sich festgesetzte Staubansammlungen auf den Rückseiten der Propeller, die in so einer Umgebung natürlich auch schnell zum Nährboden für Schimmel werden können.

Aber gut, für sowas gibt es diese Kontrollen und solange die Prüfer genau solche Merkwürdigkeiten entdecken und nicht offensichtliche Selbstverständlichkeiten monieren müssen, sind sie auch meistens sehr umgänglich. (Interessante Lektüre dazu: Das Gruselkabinett in Form der veröffentlichten Kontrollberichte des Veterinäramts Bremen.)

Nachdem ich mich getraute hatte, das Aggregat einfach aufzuschrauben, ließ sich das ganze Teil prima und unkompliziert von innen reinigen. Unten seht ihr das Vorher- und das Nachher-Bild. An sowas denkt man hier im Alltag nun wirklich nicht …

*) Wusstet ihr eigentlich, dass ausgerechnet Don Quijotes berühmtestes Abenteuer, der Kampf gegen die Windmühlen, im gesamten Roman nach wenigen Absätzen schon wieder vorbei ist? Auf diese winzige Szene wird die Figur seit über 400 Jahren reduziert – und dabei macht sie nur etwa 0,2 % vom gesamten Werk aus!




SPAR-Markt in La Ciotat / Südfrankreich

An der Adresse 87 Av. du Président J F Kennedy findet man in der südfranzösischen Stadt La Ciotat diesen SPAR-Markt, den Christian während seines Urlaubs entdeckt hat.

Vielen Dank für die Zusendung. :-)

(Auch diesen Markt gibt es bei Google Street View zu sehen – wenn auch offenbar gerade in geschlossenem Zustand …)

Für die große Ansicht auf das Bild klicken!

KI-Spaß mit Gregor und Björn (60)

Gregor wollte eine Stubenfliege auf einem kleinen Häufchen Zucker rendern lassen. Ich weiß nicht, ob ChatGPT das inzwischen hinbekommt, aber damals zumindest tat sich die KI schwer damit, der Fliege die namensgebenden Flügel zu verpassen. Wir versuchten und versuchten – keine Flügel:



Rein aus Spaß gab ich den Auftrag, einen Elefanten in Fliegengröße auf den Zucker zu setzen. Einfach nur so und ohne jeden Sinn und Verstand (wie alle KI-Bilder). Das klappte und sah auch ganz niedlich aus:



Als ich dann die Fliege zum Elefanten hinzufügte, waren die Flügel erstaunlicherweise wieder dran. Man muss KIs nicht verstehen. Solange sie irgendwo zwischen Spielzeug und Werkzeug mitlaufen, finde ich diese Systeme zugegebenermaßen auch noch ganz putzig. Nur können und dürfen sie immer mehr und ich befürchte, dass Skynet aus dem Terminator-Universum nicht mehr so ganz abwegig ist …


Bunt statt gruselig!

In ein paar Wochen ist ja auch schon wieder Halloween. Im Handel heißt das, wir können entsprechend dekorierte Produkte, vor allem Süßwaren und Schokolade bestellen. Aber seit einer Weile ist es nicht nur Halloween – der mexikanische "Día de los Muertos" wird auch bei uns immer sichtbarer. Bunte Totenköpfe, Blumen, Skelette und reichlich Dekoration stehen inzwischen ganz selbstverständlich neben Kürbissen, Spinnweben und Plastikfledermäusen. Manche finden das vielleicht einfach nur "süß", so wie vor einigen Jahren die Subkultur der Emos auch mit "verniedlichten" Symbolen (Totenköpfe mit Schleifchen, pinkfarbene Totenköpfe etc.) aufgetreten ist.

Aber dabei ist der Tag der Toten eigentlich keine Art "mexikanisches Halloween". Während wir (inzwischen, das war vor einigen Jahren ja auch noch weniger) am 31. Oktober mit Gummispinnen und schlecht sitzenden Vampirzähnen das Gruseln üben, erinnern Familien in Mexiko am 1. und 2. November liebevoll an ihre Verstorbenen. Mit geschmückten Altären, Essen, Musik und der Vorstellung, dass die Toten für kurze Zeit zu Besuch kommen.

Dabei ist das sogar eine ausgesprochen sympathische Art des Gedenkens: Farbenfroh, lebensbejahend und ohne die bei uns übliche Verpflichtung, dabei möglichst betroffen auf einen moosüberwucherten Grabstein zu schauen. Natürlich ist jeder Verlust hart, aber man kann ihn auch nicht wieder umkehren – warum nicht also das Beste daraus machen? Man muss ja nicht, man kann, dazu soll deswegen ja niemand weniger trauern oder seine Trauer verbergen. Es muss ja bei den Feierlichkeiten nicht gleich wie das Ma'Nene-Fest der Toraja enden.

Natürlich haben "wir" ("wir" Nicht-Mexikaner) daraus inzwischen vor allem Dekoware gemacht. Andere Kulturen feiern ihre Ahnen und wir kaufen hier Totenköpfe mit Glitzer um so zu tun, als würden wir unsere Ahnen feiern. Aufgrund der Nähe zu Halloween gibt es natürlich die passenden Grusel-Süßwaren und genau die (in Halloween und auch Dia-de-los-Muertos-Optik) habe ich nun einfach selber mal aufstellerweise bestellt.

Bin gespannt, ob es funktioniert – in ein paar Wochen wissen wir mehr.

Ist Ihre Webseite rechtssicher?

Eine Firma, die sich wohl auf das Thema "Rechtsdokumente für die Unternehmensgründung in Deutschland" spezialisiert hat, hat mich per Briefpost angeschrieben. Betreff: "Ist Ihre Webseite rechtssicher?"

Im Schreiben steht dann:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Auf der Website von Edeka Björn Harste konnten wir weder einen Impressums-Link noch eine Datenschutzerklärung finden. Auf […].de stehen ein kostenloser Generator und hilfreiche Infos bereit.
Keine Ahnung, auf wessen Internetauftritt die nachgesehen oder wie gründlich sie nach dem Auffinden gesucht haben – bei mir ist jedenfalls beides vorhanden.

Epoxidharzboden für den Leergutraum?

Oha, es ist sogar schon fast drei Jahre her, dass wir den Raum vom dem Leergutautomaten mit der sündhaften teuren 2-Komponenten-Farbe von Brillux gestrichen haben.

Trotz der theoretisch guten Farbe sah der Boden schon nach wenigen Wochen sehr schäbig aus, das Klebeband von den Malern, das rund um den Neuanstrich der Ladendecke dort eine Weile klebte, hatte der Farbe endgültig den Rest gegeben. Auf dem Foto ist der aktuelle Zustand zu sehen – richtig übel ist es inzwischen geworden.

Jetzt reicht's. Ich habe keine Lust mehr, da mit Farbe herumzufummeln. Eine Fachfirma soll auf der Fläche einen Epoxidharzboden aufbringen. Mit sauberem Anschluss zum Rest des Lagers und der Ladenfläche, möglicherweise mit einer eingefrästen Abschlussnut oder was für Techniken es da noch gibt. Dann sollte hier für die nächsten Jahre auf jeden Fall Ruhe sein. Mit Glück ist die Lebensdauer der Fläche in Jahren sogar schon zweistellig, das wäre fein.

Das ist natürlich jetzt keine tausende Quadratmeter große Industriehalle, aber doch auf für Kleinkram sollte sich (hoffentlich) eine Firma finden lassen, die das machen möchte. Ich habe auf jeden Fall mal hier in Bremen herumgefragt und bin auf die Antworten gespannt.


Lustige Strichcodes – 832

Fundstück von Monika auf den Instantnudel-Bechern "Asia Green Garden" von Aldi: Ein Strichcode mit asiatisch anmutendem Rand.

Vielen Dank für die Zusendung. :-)


Eddieday (37)

September 2019, sieben Jahre ist es her, dass "Eddl" sich auf unserer Fensterbank von der Spätsommersonne hat bescheinen lassen …


Keine Ahnung

Eine ältere Frau war mit einem kleinen Mädchen im Grundschulalter, mutmaßlich ihre Enkeltochter, bei uns einkaufen. Ich stand gerade vor dem Brotregal und erledigte die große Ladenbestellung. Die Frau suchte etwas und noch bevor sie mich ansprechen konnte, teilte sie ihrer Enkelin mit: "Wir fragen den Mann da mal, ob der uns weiterhelfen kann."

Reflexartig und weil die meisten Kunden einen kennen und darüber lachen können, drehte ich mich zu ihr um, schüttelte demonstrativ den Kopf und grinste: "Ich habe überhaupt keine Ahnung hier."

"Schade", sagte die Frau, ließ im Gehen von mir ab und drehte sich in eine andere Richtung, um selber weitersuchen zu können.

Mit ein paar aufklärenden Worten konnte ich ihr dann begreiflich machen, dass das ein Scherz war und dass ich ihr hier arbeite und ihr natürlich helfen kann. Den gesuchten Artikel aus dem H-Milch-Regal hat sie dann auch mit meiner Hilfe gefunden, aber ich glaube, Zweifel hatte sie bis zum Schluss.

Meistens klappt unsere flapsige Art mit den Kunden ganz gut und lockert die Stimmung rund um den Supermarktbetrieb hier im Allgemeinen auf – da muss es wohl auch mal passieren, dass man dabei tief bis zum Ellenbogen ins Klo greift. :-P

DHL Germany hat Sie leider nicht angetroffen

Anzutreffen wäre hier auf jeden Fall jemand mitten am Tag gewesen, also kann der Fahrer den in der Lieferadresse angegebenen Laden einfach nur nicht gefunden haben.

So einen EDEKA-Markt zu identifizieren ist aber ja auch immer wieder eine neue Herausforderung für die Paketfahrer …


Der älteste Fahrer

Anruf eines kleineren Lieferanten. Sie haben erheblichen Personalmangel und haben einen älteren Herren aktiviert, der eigentlich schon in Rente ist.

"Das ist unser ältester Fahrer, aber der kann körperlich nicht mehr so. Vielleicht können Sie ihm dann beim Abladen der Kisten helfen, das wäre nett."

Kriegen wir wohl hin. :-)

Bestenehrung

Lustiges Kuriosum aus der Edeka: Für die erfolgreich durchgebrachten Azubis aus den Märkten gibt es eine zentralseitige Veranstaltung in der die besten des Jahrgangs geehrt werden. Eine Ehrung für die Besten. Eine Bestenehrung eben.

Als Ines und ich die Überschrift in unserem internen Informationssystem entdeckt hatten, ging uns lustigerweise gleichzeitig ein Gedanke durch den Kopf: "Wie haben die denn 'Ernährung' geschrieben?!" Das "Best" war in dem Moment im Geiste abgetrennt gewesen und unsere Gehirne versuchten irgendwie die Buchstabenfolge "enehrung" zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzusetzen.

Die Erkenntnis kam dann zum Glück sehr schnell, aber es ist schon immer wieder interessant zu sehen, wie unser Gehirn alles immer automatisch in Schubladen und bekannte Muster einzusortieren versucht. :-D