Missglückter Triumph
Bei einem meiner Einzelhändler-Kollegen wurde ein junger Mann nach Ablauf seines befristeten Vertrages nicht übernommen. Die Arbeitsleistung war wohl gut, wenn sie denn geleistet wurde. Insgesamt aber ließ die Motivation wohl sehr zu wünschen übrig. Frühschichten waren ihm zu früh, Spätschichten zu spät. Außerdem hatte er ständig irgendwelche sonderbaren Ausreden, wenn er zu spät oder gar nicht zur Arbeit erschien.
Nun hatte er sich bei mir beworben. Es ist ja nun nicht so, dass ich bei potentiellen neuen Mitarbeitern grundsätzlich seine ehemaligen Arbeitgeber anrufe und mich über die Leistungen informiere. Da wir beiden Einzelhändler aber nun einen sehr guten Draht haben, warnte er mich vor und mit relativ sanften Argumenten ("immer Frühschicht ab 6 Uhr") konnte ich den Bewerber davon überzeugen, dass der Job hier nichts für ihn ist.
Ein paar Tage später bekam ich einen reichlich empörten Anruf: "Warum fragst du mich eigentlich überhaupt nach meiner Meinung? Ich sag' noch, was der für eine Arbeitsmoral hat und dass du den höchstens als Springer für Notfälle einstellen könntest - und dann nimmst du den gleich in Festeinstellung auf Vollzeit zu dir?! Da bin ich jetzt echt irgendwie beleidigt."
Was? Wie? Vollzeit? Ich weiß von nichts. Hä?! Wir redeten noch eine Weile und kamen schließlich zu folgendem Schluss: Der wollte doch wirklich bei seinem Ex-Chef ein bisschen angeben und hat fröhlich herumerzählt, dass ich hier sein Talent erkannt hätte und zu welchen wunderbaren Konditionen ich ihn geradezu mit Kusshand eingestellt hätte…
Nun hatte er sich bei mir beworben. Es ist ja nun nicht so, dass ich bei potentiellen neuen Mitarbeitern grundsätzlich seine ehemaligen Arbeitgeber anrufe und mich über die Leistungen informiere. Da wir beiden Einzelhändler aber nun einen sehr guten Draht haben, warnte er mich vor und mit relativ sanften Argumenten ("immer Frühschicht ab 6 Uhr") konnte ich den Bewerber davon überzeugen, dass der Job hier nichts für ihn ist.
Ein paar Tage später bekam ich einen reichlich empörten Anruf: "Warum fragst du mich eigentlich überhaupt nach meiner Meinung? Ich sag' noch, was der für eine Arbeitsmoral hat und dass du den höchstens als Springer für Notfälle einstellen könntest - und dann nimmst du den gleich in Festeinstellung auf Vollzeit zu dir?! Da bin ich jetzt echt irgendwie beleidigt."
Was? Wie? Vollzeit? Ich weiß von nichts. Hä?! Wir redeten noch eine Weile und kamen schließlich zu folgendem Schluss: Der wollte doch wirklich bei seinem Ex-Chef ein bisschen angeben und hat fröhlich herumerzählt, dass ich hier sein Talent erkannt hätte und zu welchen wunderbaren Konditionen ich ihn geradezu mit Kusshand eingestellt hätte…
Trackbacks
Only registered users may post comments here. Get your own account here and then log into this blog. Your browser must support cookies.
The author does not allow comments to this entry
Comments
Display comments as Linear | Threaded
FlyingT on :
Klauskinski on :
DJ Teac on :
tyler on :
Der Kerl hat seine Show abgezogen und sich gross gefühlt, Björns Kollege wird reichlich dumm aus der Wäsche gekuckt haben. Ist doch geglückt!
ronaldo on :
Oskar on :
Lisa on :
Grundsätzlich finde ich allerdings dass jeder sich sein eigenes Bild von Bewerbern machen sollte, in Form eines Probetages oder wie auch immer.
Der andere Einzelhändler hat seine Geschichte mit dem Mitarbeiter, was dich aber auch nicht daran hindern sollte, selber deine Erfahrung mit ihm zu machen. Ich bin bei solchen Aussagen sehr vorsichtig weil es mir mal ähnlich ging. Ich war damals sehr froh dass mein jetziger Chef sich nicht irritieren ließ von meinem alten Chef, was ihm viel Kraft gekostet hat. Nun ein halbes Jahr später, trat nichts von dem ein, was damals behauptet wurde und Chef ist zudem auch noch sehr zufrieden
Klabund on :
Durch solche Infos geht man bewusst oder unbewusst sogleich mit selbsterfüllenden Prophezeihungen an die Sache ran.
Kenne ich von internen Kundenvermerken: Wenn da steht "dummer Kunde, aggressiv" o.ä. gehe ich mit einem Mulmigen Gefühl auf ihn zu. Oftmals sind solche Kunden dann aber die nettesten von allen, weil die froh sind, mit jemand kompetenten zu reden, der sie ernst nimmt - und see waren einfach nur mit dem vorherigen Mitarbeiter unzufrieden.
The other one on :
Klabund on :
The other one on :
Möglicherweise ist mein Unsinn sehr wohl fundiert.
Zutreffenden Unsinn kann nur verbreiten wer sich mit der Materie beschäftigt hat.
The other one on :