Ein kaputter Typ hat eben im Laden ein Brötchen aus meinem Sortiment gegessen und auch an der Kasse keine Anstalten gemacht, dieses zu bezahlen. Als ich ihn darauf ansprach, schwieg er. Ich tat so, als wenn ich dachte, dass er mich nicht verstanden hätte und wiederholte die Frage noch einmal etwas lauter und tippte den Preis für die Schrippe einfach mit in die Kasse ein.
Plötzlich fing er an, mich als "Arschloch", "Wichser" und "Penner" zu titulieren und freute sich noch beim Herausgehen lautstark darüber, dass er den Laden hier "abfackeln" wird.
Tzja – und wieder einer, der in meine Kategorie "Deutscher, männlich, kaputt, bis 45 Jahre" passt.
Sehr auffällig ist übrigens auch noch, dass wir in 2008 mit Abstand die meisten (angezeigten) Ladendiebstähle hatten.
Sind die Ladendiebe unvorsichtiger geworden? Passen wir hier im Laden immer besser auf? Oder sind es tatsächlich schlicht und einfach mehr Diebstähle geworden? Das werde ich leider nicht erfahren.
Beim Durchsehen der hier vorliegenden Kopien der Anzeigen, die ich inzwischen für fast 150 Ladendiebe geschrieben habe, sind mir eben zwei Dinge aufgefallen:
1.: Auch, wenn in Ballungszentren ein Großteil der Straftaten durch Ausländer begangen wird, so scheint zumindest Ladendiebstahl bei einer anderen Bevölkerungsgruppe gängiger zu sein: Die Mehrheit "meiner" Ladendiebe sind Deutsche, männlich und etwa 25-45 Jahre alt. Geschätzt sind davon mindestens zwei Drittel drogenabhängig.
2.: Wir haben hier in Bremen ein bestimmtes , von der Diakonie genutztes Gebäude (Jakobushaus / "Papageienhaus"), das als zentraler Wohn- und Zufluchtsort für Obdachlose dient und diesen Menschen dadurch zu einem Dach über dem Kopf und einem festen Wohnsitz verhilft. Keiner der Ladendiebe hier aus meinem Geschäft war bei der dortigen Anschrift gemeldet.
3. Im Laufe der Jahre hat sich offenbar das "Klauverhalten" hier im Laden geändert. Sicherlich auch durch die von mir installierten Gegenmaßnahmen. Früher waren Tabak und Spirituosen die "gängisten" Artikel. Tabakpäckchen gab es bei mir schon sehr früh nur noch auf Anfrage und als ich hier vor einigen Jahren die Warensicherungsanlage mit den hochempfindlichen und im Grunde nicht entfernbaren Flachenetiketten installierte, wurden auch Alkoholika nicht mehr gestohlen. Dafür verschwand hier mehr Kaffee. Seit wir die Vitrine im Einsatz haben, erwische ich immer häufiger Leute, die Fischspezialitäten (Kaviar, Garnelen, Meeresfrüchte) klauen wollen.