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Selbstgeschriebenes Arbeitszeugnis

Wer diesen Kommentar liest, könnte irritiert sein: Wie? Was? Ein selbstgeschriebenes Arbeitszeugnis?

Dabei ist das gar nicht so abwegig. Wieviele Streitereien mit (ehemaligen) Arbeitgebern landeten vor dem Arbeitsgericht, weil man sich über den Zeugnistext nicht einigen konnte? Dabei sind Arbeitszeugnisse sowas von wertlos. Seit ich mal vom Arbeitsgericht dazu verdonnert wurde, einer unehrlichen Mitarbeiterin ein "wohlwollendes Zeugnis" auszustellen, ist mir alles egal.
Bei Bewerbern lese ich sie mir durch, aber sie sind bei mir nicht entscheidend darüber, ob ich einen Bewerber einlade oder nicht. Ein symphatisches Foto, ein ansprechendes Anschreiben – das zählt.

Meinen eigenen Mitarbeitern lasse ich seit besagtem Fall vor dem Arbeitsgericht immer die Option, den Text selber zu formulieren. Wenn's nicht komplett daneben ist oder versehentlich und unwissend irgendwelche "bösen" Floskeln ("bemühte sich, die ihm aufgetragenen Aufgaben durchzuführen") verwendet wurden, unterschreibe ich die so wie sie sind.

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Kommentare

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Funkynstein am :

Den Bewerbungen Fotos beizulegen ist ein deutsches Unding. In den USA zum Beispiel wird dieses Verhalten scharf verurteilt. Ob das heißt, dass es in den USA oder in Deutschland häufiger notgeile oder rassistische Chefs gibt, muss jeder für sich selbst entscheiden. :-P

plumtree am :

Mit der Forderung die amerikanische Regelung zu übernehmen würdest Du uns geradewegs in die Pleite treiben :-O

Einen großen Teil unseres Passbildgeschäftes (und das ist im Fotohandel inzwischen fast das einzige echte Geschäft) generieren wir durch unsere exzellenten Bewerbungsfotos - sowas spricht sich rum.
Aber grundsätzlich gebe ich Dir Recht, auch wenn mein Herz blutet...

@Björn: Vielen Dank für die freundliche Erwähnung. Tatsächlich hat unser Chef solche selbst geschriebenen Zeugnisse recht oft auf'm Tisch. Als Inhaber einer Teilprokura darf ich sie manchmal lesen (wenn's meinen Bereich betrifft) und wir sind immer überrascht, was die Leute da zusammenfaseln und was Personalabteilungen so abnicken.

The other one am :

Ja, das ist in Deutschland ein bisschen blöd.

In den USA ist ja alles viel besser als hier. 8-)

MiniMoppel am :

Auch die Kommentatoren. :-)

The other one am :

Du hast dich schon den Kommentaren in den USA gestellt?

Respekt!

der Dirk am :

Ich habe bei meinen Bewerbungen seit meiner damaligen Berufsausbildungsbewerbung kein Zeugnis mehr beigelegt. Und soweit ich das beurteilen kann, war die Quote an Absagen und Einladungen identisch.

der Dirk am :

ARG … Zeugnis … So ein Käse. Ich meine natürlich „… kein Bild mehr beigelegt“.

Apropos Bild: Falls doch mal eines Benötigt werden sollte, versende ich auf Anfrage natürlich eines per e-Mail. Dann allerdings kein „Passbild“, sondern ein vernünftiges Portraitfoto.

Toastbrot am :

Ich habe auch schon oft gehört, dass Arbeitszeugnisse vom Arbeitnehmer geschrieben werden. Ist mittlerweile üblich.

Und die Sache mit dem Foto...spätestens beim Vorstellungsgespräch ist es doch eh aus, wenn dem Chef das Gesicht/Haare/Gewicht/watweißich nicht passt. Von daher verstehe ich den ganzen Radau um dieses Thema nicht...

Gloria am :

Schwierig: Ich finde, dass Menschen, die auf einem Foto schlecht rüber kommen, eine Chance verdient haben. Ich stelle zwar niemanden ein, habe aber auch mit Einschätzungen von Menschen zu tun. Ganz oft staune ich, wie sehr ein auf den ersten Blick skeptisch stimmendes Äußeres (Tätowierungen, Glatze, Piercings, Kleidung, aber auch etwa hohes Alter etc.) innerhalb weniger Minuten völlig in den Hintergrund treten kann, wenn sich das Gegenüber als angenehme, fitte und kompetente Persönlichkeit entpuppt.

The other one am :

@ Gloria

Wenn die Deutschen weiter ihren us-amerikanischen Vorbildern folgen und immer weiter verfetten gibt es in Deutschland dann bestimmt eine spezielle Bewerbungssoftware.

Bild einscannen, auswählen "Wohlwollendes Bewerbungsfoto" und die Software macht dann *zzzzzzt* und 90 Kilo sind weg. 8-)

Gloria am :

Hätte dann Sinn, wenn die Bewerber wissen (s. o.) , dass sie viel mehr zu bieten haben, als ihr Foto vermuten lässt.

The other one am :

@ Gloria

Ich finde, man sollte das konsequent durchziehen.

Wenn schon ein wohlwollendes Arbeitszeugnis gesetzlich vorgeschrieben ist, dann sollte der Bewerber auch ganz generell zu wohlwollenden Angaben berechtigt sein.

Schulzeugnisse, Berufsabschlüsse, Geburtsdatum, etc, das kann man ja dann optimal auf den zukünftigen Arbeitgeber abstimmen. 8-)

buntklicker.de am :

Ist in der Tat üblich; ich habe alle meine Arbeitszeugnisse nach dem allerersten selbst geschrieben. Allerdings lasse ich die möglichst von Leuten, die sich auskennen, querlesen, damit ich mich nicht selbst in den Fuß schieße ...

Für den Job, den ich jetzt im Moment (und sehr gerne) mache, habe ich übrigens weder eine Bewerbung geschrieben noch ein einziges Zeugnis eingereicht; wer das Glück hat, von einem Headhunter anhand eines Online-Jobbörsen-Profils für einen geeigneten Job empfohlen zu werden, kommt gelegentlich ohne sowas aus.

The other one am :

Dann gehöre ich zu einer bald aussterbenden alten Garde.

Ich habe nicht ein einziges meiner Arbeitszeugnisse selbst geschrieben.

Allerdings war ich auch nie in kleineren oder mittleren Betrieben tätig.

Und ich habe immer aus freien Stücken nach neuen Betätigungsfeldern gesucht, ich wurde nie gekündigt. Und meine Chefs haben meine Kündigungen immer sehr ungern akzeptiert. Ich musste mich über meine Arbeitszeugnisse nie beschweren. :-D

Gloria am :

@ Ich war auch nie in kleineren oder mittleren Betrieben tätig".
Das ist gut. Glückwunsch!

Frischkäse am :

Zum Thema "Wohlwollend":

Die Kunst besteht ja darin, Sachen in einem Zeugnis wegzulassen, die man eigentlich in dem betreffenden Berufsfeld auf jeden Fall erwähnen würde. Bei einer Kassierin z. B. wäre das eine Aussage zur Ehrlichkeit bzw. Zuverlässigkeit. Wenn da was fehlt, sind Rückfragen vom neuen Arbeitgeber vorprogrammiert.

Klar, dass man auch dann nichts sagen darf, aber genau diese Aussage ("Darf ich nix zu sagen" oder "Nein, das ist kein Versehen. Möchte mich dazu nicht äußern.") wird dann jedem halbwegs erfahrenen Personaler die Augen öffnen.

skund am :

In Deutschland darf man keine Fotos mehr bei der Bewerbung verlangen, hat was man Diskriminierungschutz zu tun.
Hält trotzdem niemanden davon ab eins mit zuschicken (was ich auch für Vernünftig halte)

nibblersdad am :

Ich mache es wie Björn, ich lese Arbeitszeugnisse nur sporadisch. Liegen mehrere Arbeitszeugnisse vor, lese ich höchstens einmal nach, welcher Trennungsgrund jeweils angegeben ist. Hatte der Bewerber mehrere Jobwechsel kurz aufeinander, und heißt es immer "im gegenseitigen Einvernehmen", dann werde ich stutzig. Der Rest, um die vermeintlichen "Klausulierungen" im Zeugnis interessiert mich null.

Zum einen habe ich die Erfahrung gemacht dass 9 von 10 Firmen dieser angeblichen Kunst eh nicht mächtig sind. Auf der anderen Seite lasse auch ich gerne mal ein zu gutes Zeugnis schreiben, um einen Problemfall los zu werden. Ich streite mich mit ehemaligen Mitarbeitern doch nicht um ein Zeugnis. Tatsächlich ist dieser Punkt bei Vertragsbeendigungen immer am schnellsten erledigt. ;-)

Mich interessiert der Lebenslauf (beständig? nachvollziehbar? strukturiert?), die Qualifikation (in unserer Sparte das größte Problem, Thema Fachkräftemangel) und die Symphatie. Ich bin eigentlich ein Zahlen-Daten-Fakten - Typ. Aber beim Personal achte ich doch auch sehr stark auf mein Bauchgefühl. Aber selbst das schützt nicht vor Fehlbesetzungen. :-)

Robin am :

Ich erinnere mich an ein Zeugnis mit dem sich ein Bewerber bei uns als Betriebsleiter (Gastronomie) bewarb. Zuvor hatte er eine ähnliche Beschäftigung in einem vergleichbaren Betrieb.

Zitat: "In den ersten Monaten seiner Beschäftigung war er auch für die Personaldisposition verantwortlich."

Entweder konnte der frühere AG Zeugnissprache, oder er hat dem AN ein ziemliches Ei gelegt...

Ich lese da: Wir haben es probiert, aber dann doch lieber sein gelassen. Eine Erklärung wie z.B. "bis zur Rückkehr der zuständigen Mitarbeiterin aus der Elternzeit." hätte hier sicherlich geholfen.

So ist er bei uns direkt raus gewesen.

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