Sinnkrise
Manchmal fühlt man sich, als würde man in ein tiefes Loch fallen. Einen Kanal, der weit in die Erde herabführt. Ende ungewiß. Es gibt Griffe an den Wänden, aber die sind so klein, daß man nur schmerzende Hände bekommt, wenn man versucht, den freien Fall mit einem beherzten Zugreifen zu stoppen. Ich habe nicht den geringsten Appetit und möchte mir am liebsten eine Decke über den Kopf ziehen. Solche Momente gibt es in meinem Leben verflucht selten, aber scheinbar muß auch das einmal sein. Vielleicht brauche ich auch nur einfach mal Urlaub, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich hier wegmöchte, flüchten, einfach mal niemanden und nichts mehr sehen, oder ob ich mich noch intensiver in die Arbeit stürzen sollte, um meinen Kopf wieder frei zu bekommen. Ich kann hier stundenlang sitzen und völlig gelähmt gegen die Wand gucken und wünsche mir, daß Dinge, so wie sie sind, einfach mal enden. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, ein neues Leben zu beginnen, dann dürfte er gekommen sein oder zumindest wie ein kleiner heller Fleck am Horizont auftauchen. Ich kann da noch nichts erkennen, das Bild ist zu klein und unscharf, aber irgendetwas bahnt sich an, fürchte ich. Unter all dieser Unschlüssigkeit weiß ich, daß mir meine Firma, die ich mit aller meiner Kraft aufgebaut habe, und die mir alles bedeutet, auf gar keinen Fall auf's Spiel setzen möchte. Ich kann und werde mich nicht einfach in ein Flugzeug setzen und "weg" sein. Zumindest nicht nach dem jetztigen Stand der Dinge. Vielleicht kommen Veränderungen, die mich dazu bringen, sogar darüber anders zu denken. Momentan möchte ich mich in ein klitzekleines Mauseloch verkriechen.
In diesem Sinne: Gute Nacht.
In diesem Sinne: Gute Nacht.
