Eine ältere Kundin wunderte sich:
Ich weiß auch nicht, was hier los ist. Immer, wenn ich abends komme, sind hier ganz andere Leute als morgens.
Welch Überraschung. Bei einer täglichen Ladenöffnungszeit von immerhin 18 Stunden geht es nunmal nur mit 2-3 Schichten, die sich gegenseitig ablösen.
Ein Kunde suchte Rinderhack. Er stand vor der Fleischtruhe, wühlte sich durch die unterschiedlichsten Packungen und wirkte etwas verzeifelt, als er mir schließlich sein Problem schilderte. Ohne zu zögern griff ich in die Truhe und drückte ihm eine Packung "
Hackfleisch vom Jungbullen" in die Hand. Das wollte er aber nicht.
"Das ist aber reines Rinderhack", erklärte ich.
"Nee, das will ich nicht."
"Häh? Wieso das jetzt?"
"Jungbulle… Was soll das sein?"
"Eine männliche Kuh, nicht sehr alt."
"Nee, das nehme ich nicht."
"Aber D-A-S ist normales Rindfleisch. Sehr gutes dazu."
"Nee, das ist mir zu intensiv."
Dann eben nicht.
Eine ältere Frau kam an die Lagertür und wollte unbedingt "mit dem Chef" sprechen.
Sie erklärte mir, dass sie ja eine "treue und langjährige Stammkundin" wäre und momentan gerade "etwas knapp bei Kasse" sei und ob sie deshalb ihren Einkauf für ca. 2 Wochen hier anschreiben lassen könnte. Ich lehnte ab. Vor allem deshalb, weil ich sie noch
nie hier gesehen hatte und damit der Punkt "treu und langjährig" auf jeden Fall wegfiel. Sie bedankte sich für's Zuhören und ging.
In dem Moment kam gerade eine Kollegin ins Lager. Die alte Frau hielt sie an und erkundigte sich: "
Oh, könnten Sie mir wohl sagen, wo es hier zur Kasse geht?"
So viel zum Thema "langjährige Stammkundin"…
Rasierklingen sind bei uns ein eher schwergängiger Artikel. Da sie vor allem nicht im Laden stehen, sondern wir die Klingen nur auf Anfrage aus dem Lager herausgeben, verkaufen wir nur alle Jubeljahre mal ein Päckchen.
…und dann gibt es Tage wie heute: Gerade eben hat nämlich sogar schon der zweite Kunde dieses Morgens Klingen haben wollen. War am Wochenende irgendeine besonders bartwuchsfördernde Mondphase oder sowas?