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Der Azubi-Tag im Heidepark

Es ist schon eine Weile her, aber an ein Gespräch mit einem ehemaligen Auszubildenden muss ich bis heute immer mal wieder denken.

Ich hatte ihn natürlich wie immer für das komplette Paket an Seminaren (Warenkunde und andere Fachthemen) angemeldet, die von der Edeka angeboten werden. Zum Start gab es einen Tagesausflug in den Heidepark Soltau, die Anreise erfolgte gemeinsam mit dem Bus. Dort gab es zwar eine kurze Einführung, der eigentliche Inhalt des Tages bestand aber tatsächlich darin, gemeinsam den Park zu erkunden, Achterbahn zu fahren, Attraktionen auszuprobieren und als Gruppe Zeit miteinander zu verbringen. Klassisches Teambuilding also. Weil es unabhängig vom Freizeitpark ein offizieller Arbeitstag war, trug ich entsprechend die Stunden manuell in die Zeiterfassungssoftware ein.

Einige Zeit später kam der Azubi zu mir und erklärte, dass ihm für diesen Tag Arbeitsstunden fehlen würde, da ich mich bei der Berechnung der Freistellungstage vertan hätte.

Ich schaute nach. Er hatte Recht, so ein Fehler kann ja mal passieren, und so korrigierte ich die Stunden. Ich kommentierte das etwas leichtfertig damit, dass ich es überhaupt schon bemerkenswert finde, dass so ein Tag komplett als Arbeitszeit zählt.

Die Reaktion kam ohne jede Verzögerung in einem Tonfall, als hätte ich gerade vorgeschlagen, Heiligabend auf den 29. Februar zu verlegen: "Meinst du das gerade ernst?!"

Und ja – tatsächlich. Etwas zumindest.

Nicht, weil ich jemandem ein paar Arbeitsstunden nicht gönnen würde. Ganz im Gegenteil, ich muss mir als Arbeitgeber bestimmt nicht vorwerfen lassen, irgendjemanden um geleistete Arbeitsstunden zu bringen. Ich runde sogar konsequent auf, wenn es um die Berechnung der Stunden geht. Ich fand halt nur den Gedanken interessant, dass ein Tag im Freizeitpark mit Busfahrt, Achterbahn und Scream-Pizza ganz selbstverständlich als bezahlte Arbeitszeit angesehen wurde – und die Diskussion sich ausschließlich darum drehte, ob es vielleicht noch eine oder zwei Stunden mehr hätten sein müssen.

Vermutlich ist das einfach eine Frage der Perspektive. Aus Sicht des Unternehmens bezahlt man seine Mitarbeiter dafür, einen Tag im Freizeitpark zu verbringen. Aus Sicht des Mitarbeiters ist es dagegen eine dienstliche Veranstaltung – und damit selbstverständlich Arbeitszeit.

Beides lässt sich nachvollziehen, denke ich. Ich musste trotzdem schmunzeln. Denn mein erster Gedanke wäre vermutlich gewesen: "Cool, einen ganzen Tag Freizeitpark und dafür bekomme ich sogar mein Gehalt."

Ich wäre NIEMALS (!), auch als Azubi, der ich selber einst war, auf die Idee gekommen, da auch nur annähernd eine Forderung zu stellen.

So unterschiedlich können Blickwinkel sein …

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Kommentare

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Ich schon wieder am :

Ich kanns nur als nicht Nichtmehrganzazubi in deinem Alter und als Angestellter einer Firma beurteilen, die Betriebsausflüge macht.
Vielleicht arbeitet nicht jeder so gerne da, aber man muss, weil das Geld ja irgendwo herkommen muss und man gibt sein Bestes.
Vielleicht hat man gar keinen Bock auf das ganze Setting, aber es ist Arbeitszeit und wenn man stattdessen den Tag in der Firma abhockt, fällt man unangenehm auf.
Also macht man gute Miene zum bösen Spiel. Das Program gefällt einem vielleicht sogar, man hätte aber auf das Socializing 12 Stunden lang getrost verzichten können.
Es ist also mitnichten für alle nur positiv, sondern kann immer auch ein zweischneidiges Schwert sein.

Mitleser am :

Also Betriebsausflüge sind bei uns auch "Arbeitszeit", aber halt nur die 8 Stunden, egal, wie lange der geht.

Normalerweise würde ich jetzt schreiben: "Auf Arbeitszeit in den Heide-Park, es gibt sicher schlimmeres", aber bei dem Zustand im Heide-Park... gibt es da eher besseres.

Nobody am :

Freizeit ist wenn ich bestimmen kann was ich wo mache… wenn mein Arbeitgeber über meine Zeit verfügt, dann ist es Arbeitszeit…
ganz einfach.

Wenn man auch hätte daheim bleiben können, Firma spart Geld und ich mir meine Zeit, wär das was anderes, freiwillige Veranstaltung halt, aber umgekehrt wäre ein Fernbleiben als unentschuldigte Fehlstunden gewertet worden… wer a sagt muss auch b sagen… wasch mich, aber mach mich nicht nass funktioniert halt nicht.

nicht der andere am :

Daß etwas den meisten Leuten oder mir oder dir Spaß macht, ist ja keine Spaßgewähr für jeden. Anders herum bereitet der Job ja sowohl dir, wie auch vielen anderen Vergnügen statt Unbehagen. Gleichwohl wird man dafür auch noch bezahlt, und auch keineswegs abzüglich Spaßzulage. Schreibst ja auch selbst, daß der Parkbesuch keinesweg eigeninitiativ und individualistisch war, sondern Gemeinschaftsaktion und Teambuilding. Ist ja auch längst nicht jeder freizeitparkorientiert und wenn die stattdessen zum Beispiel einen richtigen Berg begangen hätten, dann hätte es mutmaßlich keinen solchen Kommentar ihm gegenüber gegeben.

Verwitzeln des Angestellten vom Chef sollte höchstens auf stabiler, erwiesener Grundlage stattfinden. Ansonsten lieber nicht.

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