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Tagesbeginn

Die ersten Inventurhelfer sind da. Trotz meiner Vorab-Einweisung bei der Bewerbung kommen natürlich -wie jedes Jahr- viele Fragen auf. Das Gewusel hier erinnert stark an den sprichwörtlichen Sack Flöhe.

Zu allem Überfluss: Ich hatte mich sehr daran gewöhnt, nicht mehr in Tüten mit vergorenen, säuerlich riechenden Bierresten fassen zu müssen. Die Abhärtung hat durch den Leergutautomaten wieder nachgelassen. Es scheint mir ekeliger als zuvor zu sein.

Zeugnis

Vor einiger Zeit habe ich eine Bewerbung bekommen, der dieses Zeugnis einer deutschlandweit bekannten Einzelhandelskette beilag.
Frau Meiermüllerschulz - geboren am 29.02.71 - war vom 1.5.94 bis zum 31.7.94 in unserem Unternehmen als Kassiererin beschäftigt.

Wir haben Frau Meiermüllerschulz als eine ehrliche Mitarbeiterin kennengelernt.

Für die Zukunft wünschen wir Frau Meiermüllerschulz alles Gute.


Unterschrift
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Ausdrücke und Floskeln in Arbeitszeugnissen Mitte der Neunziger so viel anders als heute waren. Vom Gefühl her ist dieses Arbeitszeugnis jedenfalls kein sehr gutes.

Das Ziel

Aus einer Bewerbung:
Für mich ist die Zufriedenheit des Kunden durch die erworbene Ware mein Ziel.
Woher nehmen die Leute solche Satzkonstruktionen?!?

Verfloskelt

Bewerbung um eine Aushilfsstelle als Kassiererin
Na, ahnt ihr schon, was kommt? Richtig... :-)
Mit der Post kam hier eben eine Initiativbewerbung einer Studentin rein, die einen (Neben-)Job als Kassiererin sucht. Mal gucken, was sie so schreibt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
auf der Suche nach einer herausfordernden Nebentätigkeit in der Verkaufsbranche, bin ich bei www.meinestadt.de (Direktlink zu "meinem" Eintrag, B.H.) auf Ihre Adresse gestoßen. Dort wurde ich auf die Vielfalt der Einstiegsmöglichkeiten in Ihrem Unternehmen aufmerksam. Daraufhin begann ich mich näher mit Ihrem Unternehmen zu befassen und stellte fest, dass ich sehr gerne noch viel mehr erfahren möchte.
Der geneigte Blogleser mag dem angegeben Link folgen und nach der angepriesenen "Vielfalt der Einstiegsmöglichkeiten" suchen. Ich habe außer meinem Namen (den sie auch in der Anrede hätte verwenden können), der Adresse, der Telefonnummer und der Branchenangabe keine weiteren Informationen gefunden.
Was versteht sie denn unter "mit Ihrem Unternehmen zu befassen"? War sie hier einkaufen? Oder hat sie den Shopblogger gefunden (Wetten, nicht?!?) und traute sich nicht, das Blog zu erwähnen?
Es folgt der nächste Absatz:
Hiermit bewerbe ich mich um eine Aushilfsstelle als Kassiererin. Ich war sehr beeindruckt, in welcher einzigartigen Form Ihre Firma sich im Laufe der Jahre etabliert hat. Diese positive Entwicklung zeigt die starke Einsatzbereitschaft und das große Engagement Ihres Unternehmens, welches absolut meinen Charakter widerspiegelt.
Dazu fällt mir gar nichts mehr ein. Wer denkt sich solche Formulierungen aus? Das ist doch vollkommen sinnfreies Geschwafel. Kann man damit wirklich den durchschnittlichen Personalverantworlichen beeindrucken oder glaubt die Bundesagentur für Arbeit dies nur?

Ich find's mehr als grausam. 8-)

Mit der Tür ins Haus

"Können Sie mir hier eben einen Stempel draufmachen?", erkundigte sich der Mittdreißiger, während er einen A4-Zettel aus einer Klarsichtfolie zog.

Nein, konnte ich nicht.

Keine vorhergehende Bewerbung, nicht einmal die Frage ob ich eventuell möglicherweise nicht vielleicht doch jemanden einstellen möchte. Gar nichts. Er kam zu mir und stellte gleich seine Frage.

Schwampf!

Mit der Post habe ich eine Bewerbung von einer Frau bekommen, die sich in den vergangenen sieben Jahren um ihre Familie gekümmert hat und nun offenbar wieder ins Arbeitsleben einsteigen möchte. Bevor jetzt wieder die üblichen Kommentare wie "Lade sie wenigstens zum Vorstellungsgespräch ein!" oder "Gib ihr eine Chance!" kommen: Ich brauche momentan keine neuen Mitarbeiter!

Dass ich diesen Standard-Arbeitsagentur-Bewerbungsfloskeln ausgesprochen skeptisch gegenüber stehe, erwähnte ich hier ja nun schon mehrfach. Der Anfang dieser Bewerbung, die hier gerade vor mir auf dem Schreibtisch liegt, ist allerdings der Hit:
Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Ihrer Filiale in der Neustadt decken Sie den gesamten Haushaltsbedarf ab. Für die Kasse sind engagierte und verkaufserfahrene Kräfte unverzichtbar.
Ja. Und?

682km

Gerade eben habe ich eine Bewerbung von einer jungen Frau bekommen, die ihre Prüfung relativ gut bestanden hat und nun einen Arbeitsplatz als Kauffrau sucht.

Ich staune nur über die Entfernung: Sie wohnt fast 700km entfernt von hier. Es könnte natürlich sein, dass sie für eine Stelle umziehen möchte, aber meiner Meinung nach ist Verkäuferin nicht gerade ein Job, für den man so etwas auf sich nimmt. Möglich wäre es natürlich auch, dass sie so oder so nach Bremen oder zumindest hier in die Nähe ziehen möchte. Das hätte sie in dem Anschreiben aber ruhig näher erläutern können.

Irgendwie bin ich aber neugierig geworden. Ich glaube, ich werde sie mal anschreiben... :-)

Als Teilzeitkraft

Eine Frau , gut drei Jahre älter als ich, hat mir eine Initiativbewerbung geschickt:
Bewerbung als Teilzeitkraft

Sehr geehrter Herr Harste,

mit großem Interesse bewerbe ich mich bei Ihnen um eine Stelle in Ihrem Spar-Markt in Teilzeit.

Bisher habe ich in der Altenpflege gearbeitet. Da dies zur Zeit wegen der kleinen Kinder nicht möglich ist, möchte ich bei Ihnen im Spar-Markt als Teilzeitkraft arbeiten. Meine Fähigkeiten bestehen darin, dass ich lernfähig, teamfähig, ehrgeizig, verantwortungsvoll, leistungsstark und flexibel bin. [...]
Die Frau ist staatlich geprüfte Altenpflegerin und hat in der Vergangenheit mehrere Jahre bei zwei Verschiedenen Unternehmen gearbeitet.

Im Anschreiben findet sich kein Anzeichen darauf, warum sie sich ausgerechnet in einem Supermarkt bewirbt. Ist ja nun nicht gerade ein verwandter Berufszweig...

Nachtrag: Bevor die Berufsbetroffenen mir wieder unterstellen, dass ich Vorurteile hätte und ungerecht wäre, wenn ich diese Frau nicht einstelle oder wenigstens zu einem Vorstellungsgespräch einlade: Unabhängig von den Qualifikationen der Bewerberin: Ich brauche momentan einfach niemanden!

Das Chat-Transskript

Wer gestern am Live-Chat teilnehmen konnte, hat jetzt die Möglichkeit, nochmal alles in Ruhe nachzulesen. Mir hat die Stunde viel Spaß gemacht und ich gebe zu, dass die Zeit viel zu schnell herum war.

Ich habe jetzt nicht die Zeit, alles schön zu formatieren. Daher bitte nicht über die teilweise seltsam gesetzen Absätze wundern:

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Der Shopblogger Björn Harste war direkt aus seinem Supermarkt zu Gast in der Blogsprechstunde. Im Chat beantwortete er Fragen zu seiner Arbeit, seinen Kunden, seinen Fans und natürlich seinem Blog. Das nutzt er übrigens zur Entspannung, „während die Mitarbeiter in ihrer Pause essen und rauchen.“

Moderator: Hallo und herzlich
willkommen zur Blogsprechstunde von politik-digital.de in Kooperation
mit den Blogpiloten. Der Shopblogger
Björn Harste chattet von 16.00 bis 17.00 Uhr mit uns. Sie können
schon gerne jetzt Ihre Fragen stellen. Nichts geht verloren. "Das Chat-Transskript" vollständig lesen

Spar Markt GmbH

Eine Bewerbung wurde hier persönlich abgegeben. Im Anschreiben ist diese Adresse eingetragen. Okay, die falsche Postleitzahl kann man entschuldigen, wenngleich der Brief möglicherweise auf dem Postweg gar nicht oder erst später eingetroffen wäre.

Aber wieso steht da "Spar Markt GmbH"? Wie kommen die Leute nur immer auf solche Dinge?


Nicht wollen oder nicht können

Eine Mitarbeiterin kam ins Büro: Kannst Du mal eben mit dem Stempel nach draußen kommen? Da braucht ein Kunde ein Autogramm fürs Arbeitsamt.
Ich sah mich im Geiste schon vor der Frage: Stempel ich oder stempel ich nicht?
Aber diesmal ging es im Laufe des Kurzbewerbungsgespräches nicht nur um eine Gefälligkeitsunterschrift für einen Stammkunden als Nachweis fürs Arbeitsamt, so daß ich guten Gewissens das mangelnde Interesse an Bewerbern dokumentieren konnte.
Dieser Kunde wollte sich um einen Job bewerben, konnte es auch, aber da mein Personalbudget schon aus allen Nähten kracht, konnte ich ihm finanziell bedingt keine Perspektive bieten.
Oft genug aber sind angebliche Interessenten in derartigen Initiativbewerbungen nicht ernsthaft interessiert. Sie sagen das auch ganz deutlich, wenn ich um Einreichung von Bewerbungsunterlagen bitte. Wobei mir das Ausfüllen eines Personalbogens meistens ausreicht, Hochglanzbewerbungen erwarte ich nicht, nicht einmal Fotos. Aber es gibt Leute, die nicht einmal Lust und Zeit haben, sich wenigstens den Anschein einer echten Bewerbung geben zu wollen.
Es gibt neben echten Bewerbungen und Pseudobewerbern auch andere Initiativbewerber, sie wollen sich bewerben, können es aber nicht. Weil es ihnen niemand beigebracht hat. Erst kürzlich stand solch ein bedauernswerter Kerl an der Lagertür und fragte nach einem Job.
Er hatte keine Ausbildung und keinen Schulabschluß. Er hätte mal eine berufsschulgestützte Maßnahme vom Arbeitsamt mitgemacht, die hätten ihn aber als lernunfähig abgestempelt und jetzt bekäme er vom Arbeitsamt auch keine Ausbildungsangebote mehr. Wie traurig ist das denn? Mir kam sofort die Galle hoch und ich war schon drauf und dran, beim Arbeitsamt anzurufen und denen meine Meinung zu geigen. Da ich aber wegen eines dringenden Anrufes etwas in Zeitdruck war, gab ich den Bewerber an eine qualifizierte Mitarbeiterin weiter. Den weiteren Verlauf des Gespräches also nun vom Hörensagen.
Wir haben dem jungen Mann nach einem langen Gespräch ein Praktikum angeboten. Er wäre nicht der erste, den wir mit viel Geduld unter unsere Fittiche nehmen, wir haben uns auch schon um Injobber mit Sprachproblemen und Praktikanten mit Lernschwierigkeiten gekümmert. Die Sonderschülerin im Praktikum hat sich hier jedenfalls sehr wohl gefühlt und auch viel gelernt.
Mal gucken, wie es mit diesem potentiellen Sorgenkind weitergeht, er wollte seine Unterlagen zusammensuchen und wiederkommen. Wenn er kommt, werden wir versuchen, ihn hochzupäppeln. Lernresistent? Das wollen wir doch mal sehen! :-)

Traurig, aber wahr.

Diese, ich mag den Begriff kaum verwenden, Bewerbung, wurde vor ein paar Tagen meiner Marktleitung in Findorff in die Hand gedrückt.

Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, mag könnte sich am letzten Satz und anderen Kuriositäten in diesem Schreiben ergötzen hier eine leichte Belustigung empfinden. Man kann sicherlich darüber schmunzeln, aber eigentlich ist es nur sehr, sehr traurig. Ich kann jedenfalls immer wieder nur den Kopf schütteln, wenn vom Arbeitsamt von der Agentur für Arbeit immer mehr Bewerbungstrainings gekürzt und gestrichen werden.

Jemand, der vielleicht weniger intelligent ist als der Durchschnitt der Bevölkerung, kann durchaus mit offenen Augen durchs Leben gehen und seinen Job 100% richtig machen. Aber wie soll man, wenn man als Personaler einen derartigen Murks auf den Schreibtisch bekommt, sich überhaupt dazu durchringen, die Zeit für ein Bewerbungsgespräch zu investieren?
Leider kenne ich auch niemanden, der einen Job für diesen jungen Mann hätte. :-(

Nachtrag a: Wer einen Job für den jungen Mann hat, möge sich melden! Und das meine ich durchaus ernst.



Nachtrag b: Der linierte Zettel (und sonst nichts!) wurde von dem jungen Mann persönlich in der Filiale Findorff abgegeben. Die dortige Filialleiterin hat ein kurzes Gespräch geführt und mir den jungen Mann beschrieben. Den persönlichen Eindruck, den dieser Bewerber gemacht hat, hatte ich bewußt nicht geschildert, denn es ging nicht um seine Person, sondern um seine Bewerbung, die stellvertretend für viele steht, die hier in den letzten Jahren abgegeben wurden.
Ich hatte mich entschlossen, diese Bewerbung zu veröffentlichen, weil ich mich darüber aufgeregt habe, daß Menschen mit deutlich geringerer Bildung derart allein gelassen werden. Da aus den Daten kein Rückschluß auf die Person möglich ist, sah ich ursprünglich auch keine datenschutzrechtlichen Probleme. Den Scan der handschriftlichen Bewerbung habe ich nun durch eine andere Version ersetzt, die einen groben Eindruck der abgegebenen Bewerbung vermittelt.
Dass so eine Bewerbung kaum eine Chance hat und dass die Agentur für Arbeit bessere Arbeit leisten sollte, ist tatsächlich die einzige Intention dieses Blogeintrages gewesen. Hier sollte niemand an den Pranger gestellt werden.
Da mich offenbar einige Mitmenschen mißverstanden haben, war dieser Beitrag heute Nacht offline. Löschen werde ich ihn nicht, denn dann gibt es für die Leser nicht die Möglichkeit, die nachfolgenden Diskussionen auch in anderen Blogs zu verstehen. Wenn man nämlich Teilsätze aus dem Zusammenhang reißt, kann ein sehr böses Bild entstehen und das finde ich unfair.
Die Formulierungen, die offenbar für Menschen, die mich nicht kennen, mißverständlich waren, habe ich durchgestrichen und dort neue Formulierungen eingesetzt. Teilsätze, die in den Kritiken völlig unter den Tisch gefallen sind, habe ich fett dargestellt.
Mit ein wenig Humor lassen sich übrigens gewisse Ungerechtigkeiten des Lebens besser verdauen und nicht jedes Lächeln ist mit Herablassung und Zynismus verbunden. ;-)

Brief

Mit der Post kam ein handschriftlich adressierter Brief in einem C5-Umschlag. Ein ungewöhnliches Format für Bewerbungen, aber doch sagt mir mein Gefühl, dass sich genau eine solche in dem Kuvert befindet.

Ich öffne den Brief...


[knibbel]


[ritsch]


Volltreffer! :-)
Bewerbung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Da ich in dem Beruf der Verkäuferin 3 Jahre tätig war, konnte ich mich etwas eingehender über die Inhalte und Tätigkeitsbereiche dieses Berufsbildes informieren und habe festgestellt, dass diese genau meinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechen.
[sic]
Ochnöö, bitte nicht schon wieder dieses Floskelzeugs. So schreibt doch kein normal denkender Mensch eine frei formulierte Bewerbung. :-(

Computerkenntnisse

Im Lebenslauf eines Bewerbers findet sich folgende Zeile:
Kenntnisse: Computer (Grundkenntnisse)
Was soll mir das sagen? Was darf ich mir denn bitte unter "Computer-Grundkenntnissen" vorstellen? Er weiß, welche Hardwarekomponenten es gibt und wie sie angeschlossen werden? Er kennt die Grundfunktionen einer Textverarbeitungssoftware? Spiele laden klappt und DVDs brennen auch? Oder hat er selber ein Linux-System installiert und eingerichtet?

Ich weiß jetzt schon, wie die Hälfte der Kommentare ausfallen wird. Aber so eine Aussage in einer Bewerbung ist doch nun wirklich völlig sinnfrei.