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Gedächtnis vs. Beine

Ein älterer Stammkunde war etwas aufgelöst: Er hatte irgendwo hier bei uns im Laden seinen Stock stehen lassen und findet ihn nun nicht mehr wieder, aber ohne kann er kaum laufen. Große Panik. Wir suchten mit mehreren Kollegen und fanden nichts. Aber schließlich klärte sich die Sache auf:

Er hatte ihn zu Hause vergessen und war ohne besagte Gehhilfe zu uns gekommen.

Die Suche nach der Frau

Ein etwas älterer Mann wirkte so, als wenn er etwas suchen würde. Er ging durch mehrere Gänge und blickte dabei immer in die Fachböden der Regale. Da ich gerade in der Nähe stand, erkundigte ich mich, ob ich ihm helfen könne.

Er winkte ab, bedankte sich und sprach: "Danke, nein, ich such' nur meine Frau."

Ich hinterfrag's einfach nicht.

Betreutes Einkaufen

Eine ältere Stammkundin stand vor einem Regal und fragte mich nach einem Produkt, das nur eine Armlänge von ihr entfernt stand. "Steht genau vor Ihnen, im zweiten Fachboden von unten", antwortete ich.

Sie klatschte sich mit der Hand vor die Stirn und lachte: "Betreutes Einkaufen."

Hihi. :-)

Das gestikulierte Kann-ich-Ihnen-helfen-Riff

Beim kurzen, eher zufälligen Blick auf den Bildschirm der Videoanlage sah ich, wie in genau dem Moment ein Mann seinen schnellen Gang stoppte und zwischen zwei Regalen stehenblieb. Dann hob er langsam seine beiden Arme, die seitlich am Körper herunter hingen, ein Stück in die Höhe, hielt sie dort eine Sekunde und ließ sie schwer wieder nach unten fallen.

Das war für mich ein eindeutiges Zeichen: Der Mann suchte etwas und konnte sich nicht vorstellen, dass wir es nicht haben. Nur wo? In seiner Geste spiegelte sich zweifelsfrei sein Erstaunen darüber wieder.

Umso erfreuter war er dann, als ich als Mitarbeiter des Ladens erkennbar zu ihm kam und ihn fragte, ob ich ihm bei seiner Suche helfen könne. :-)

(Wer ob des Titels auf dem Schlauch steht, klicke hier.)

Angeditschtes Ei

Ein Kollege hielt mir eine Packung Eier vor die Nase: "Hier soll eines mit einem Knick in der Schale drin sein, meinte eine Kundin zumindest eben an der Kasse."

Er öffnete die Packung, auf den ersten Blick sahen die Eier alle gut aus. Daraufhin begann er, jedes Ei einzeln zu untersuchen und dabei vorsichtig ein Stück aus der Pappe zu heben.

Nach dem er die halbe Packung durch hatte, gab es ein hässliches Geräusch und Eiermatsch verteilte sich über den in dem Eierkarton verbliebenen Eiern, auf dem Fußboden darunter, auf den Fingern und auch auf der Arbeitskleidung meines Mitarbeiters.

Ich glaube, er hat das mit dem Knick gefunden. :-P

Wo ist denn jetzt das Öl?

Eine Kundin sprach mich an und wollte wissen, wo denn jetzt die Marmelade stehen würde. Wir hätten hier ja alles umgebaut und sie findet deswegen kaum noch was wieder.

"Das ist inzwischen aber nicht mehr ganz neu", entgegnete ich, während ich sie wie üblich zum Regal mit der gewünschten Ware führte.

Ich staune ja selber immer wieder, wie schnell die Zeit vergeht. Das wird bei anderen Leuten und ihrer subjektiven Wahrnehmung darüber vermutlich nicht wesentlich anders sein. Bestes Beispiel war nun diese ältere Kundin, die Marmelade suchte und mir nun antwortete: "Ich war auch schon ein paar Wochen nicht mehr hier."

Kammbeh!

Eine Frau sprach mich mitten im Laden an, was häufiger vorkommt, und fragte nach "Kammbeh!". Bitte was sucht die? Ich überlegte schnell und das einzige Produkt, das mir dazu in den Sinn kam, war "Camembert", was sich, je nach Frankophonität, sehr unterschiedlich aussprechen lässt und bei dem einen oder anderen bestimmt auch zu "Kammbeh" wird.

"Sie meinen den Käse, oder?"

Ich hatte auf eine Zustimmung gehofft, aber sie antwortete: "Nein, kein Käse!"

Uff …

"Was genau suchen Sie denn nun?"

"Kammbeh, dabei malte sie mit den Fingern ein Rechteck in die Luft. Ich hatte keine Idee und rief eine Kollegin zu dem Gespräch dazu, die gerade in der Nähe stand.

"Kammbeh!", wiederholte die Frau lauter, und meine Mitarbeiterin rief erfreut darüber, dass sie das Wort richtig gedeutet hatte, aus: "Camembert. Sie meinen den Käse, oder?".

"Kammbeh, kein Käse.". Ein Rechteck malend wiederholte sie: "Kammbeh!"

Inzwischen war Ines dazugestoßen, die ebenfalls ihr Glück versuchte, den Begriff und die Geste zu deuten: "Den runden Käse Camembert meinen Sie nicht?"

"Nein, kein Käse."

"Oder Backcamembert vielleicht? Der ist in eckigen Schachteln verpackt."

Die Frau verneinte wiederum. Da Ines aber auch keine weiteren Ideen hatte, lief sie mit der Frau zur entsprechenden Tiefkühltruhe und zeigte ihr den gefrorenen Backcamembert.

"Oh, ja, genau den habe ich gesucht."

"Das ist aber auch Käse", erklärte Ines.

"Das weiß ich, der ist für meinen Bruder", nahm erfreut zwei Packungen und machte sich auf den Weg zur Kasse.

"Nicht aufregen, kleiner Hamster", sagte sie noch im Vorbeigehen zu mir, meine nach oben verdrehten Augen haben wohl Bände gesprochen. :-)

Liegt in der Kühlung!

Ein junger Mann in den Zwanzigern ging eine Weile durch den ganzen Laden. Offenbar suchte er etwas, denn er schritt fast jeden Gang ab. Durch die Konserven, am Kaffee vorbei, Drogerie, Getränke, zurück zu den Fertiggerichten – aber das Gewünschte schien sich hartnäckig vor ihm zu verstecken.
Meine erste Anfrage hatte er ignoriert oder nicht richtig mitbekommen, also versuchte ich es noch einmal mit der Frage, ob er etwas bestimmtes suchen würde und ob ich ihm helfen könne.

Butter. Er suchte Butter.

Hinterfragt habe ich es nicht, aber interessieren würde es mich eigentlich schon: Wer kauft Butter ohne zu wissen, dass die gekühlt werden muss? Natürlich ist das nicht zwingend eine Grundkenntnis für's Überleben – aber erstaunt hat es mich schon.

Wo ist die Tochter?

Gregor fiel eine Frau auf, die offenbar suchend durch den Laden irrte.

"Suchen Sie was? Ich kenne mich hier ein wenig aus."

"Hmm … Ja, nee … Ich suche meine Tochter."

"Die steht beim Frischkäse."
[Er hatte die beiden vorher schon zusammen reinkommen sehen.]

"Donnerwetter! Sie kennen sich ja wirklich aus!"

Kekse?!

Ein Kundenpärchen irrte suchend durch den Laden. Als ich das bemerkte, stellte ich die übliche Frage: "Kann ich euch helfen? Sucht ihr etwas Bestimmtes?"

"Oh, ja, Kekse", antwortete er.

Das ließ sich unkompliziert aufklären.

Mich irritierte nur, dass sie das Regal überhaupt suchen mussten. Sie hatte bei der Inventur mitgeholfen und ausgerechnet das Keksregal nehme ich schon seit etlichen Jahren, um zu zeigen, wie die Inventur hier bei uns abläuft – und so lange ist das ja nun auch noch nicht her.

Die versteckten Müllbeutel

Ein älterer Mann ging direkt auf Ines zu und sprach sie in relativ gereizt klingendem Tonfall an: "Die blauen Müllbeutel finde ich jetzt wo?

Müllbeutel. Einer der wenigen Artikel, die während des gesamten Umbauprojekts mit all seinen Umstellungen, Neuplatzierungen und Provisorien ihren angestammten Platz noch nie verlassen haben.

Wichtig ist vor allem, sich erst mal wegen des Umbaus zu echauffieren …

Suchen? Nicht suchen? Egal!

Eine Kundin suchte ganz offensichtlich etwas. Sie ging durch verschiedene Gänge und zu verschiedenen Regalen, blickte jeweils immer einmal von oben nach unten durch die Fächer und ging weiter in einen anderen Gang. Wir sind hier ja stets aufmerksam und zuvorkommend und so fragte ich sie, ob sie etwas Spezielles suchen würde.

Sie guckte mich an als hätte sie noch nie einen Mann mit Brille und roter Weste gesehen und schüttelte den Kopf, während sie sich wieder umdrehte und weitersuchte.

Dann eben nicht… :-)

Haben die nicht!

Drei Jugendliche waren hier im Laden und suchten offenbar was. Einer der Jungs rief einem anderen zu: "Haben die hier nicht!"

Eine Kollegin war gerade in Zivilbekleidung im Laden und fragte ihn einfach mal: "Was sucht ihr denn?"

Der junge Mann war erwartungsgemäß irritiert, murmelte was von "Gibt's hier nicht."

Meine Mitarbeiterin gab sich als solche zu erkennen und frage noch einmal, was sie denn suchen würden.

Entgegnete der Jugendliche: "Ist egal, das haben die hier nicht."

Ohne weitere Verzögerung verschwanden sie. Was sie gesucht haben? Keine Ahnung. Entweder etwas "peinliches" (Kondome, z.B.) oder sie waren einfach viel zu cool, um jemanden anders nach einem Rat zu fragen. Ein Mann würde ja bekanntlich lieber verhungern, als nach dem Weg zu etwas Essbarem zu fragen… :-D