Skip to content

Pfandkistenfrage von Karsten

Blogleser Karsten hat mir vor einer Weile geschrieben:

Hallo Björn,

auf der Suche nach Infos zu meinem Problem bin ich auf Deinen Blog gestoßen: Du hast ein paar Beiträge zur Pfandproblematik geschrieben. Als Betreiber eines Lebensmittelmarktes habe ich die Hoffnung, dass Du den rechtlichen Hintergrund zum Thema kennst.

Ich kaufe regelmäßig Wein, 6x1l, in der goldenen Pfandkiste. Der Automat nimmt´s zurück, alles prima.
Manchmal kaufe ich aber nur einzelne Flaschen, manchmal gebe ich eine Kiste mit nur 5 Flaschen zurück: Es entsteht also gelegentlich der Bedarf an einer weiteren, aber leeren Pfandkiste: ordentliche Lagerung des Leergutes, sicherer Rück-Transport und keine unnötige Abgabe-Dauer wie bei Einzelflaschen (sorgt gern für unnötige Schlangen am Automaten).
Wohl gemerkt: alle paar Wochen entsteht der Bedarf, und zwar an einer (1) Kiste.

Die wurde bisher nur sehr widerwillig abgegeben (Argumentation ist mir bekannt und verständlich), inzwischen wird sie verweigert. Es ist regional der einzige Markt, der noch ein Pfandsystem mit Kisten für Wein anbietet, andere verkaufen einzeln oder im 6er Karton, keine Flaschenrückgabe. Das lässt er sich aber auch fürstlich bezahlen (Flaschenpreis ca. 135% gegenüber den Mitbewerbern).

Darf sich ein Markt erlauben, die Zufriedenheit seiner Kunden zu verdusseln, weil es lästig ist, seinen Zulieferer ausreichend zu motivieren, die erforderliche Menge an Leergebinden bereitzustellen?

Wenn er schon ein Pfandsystem anbietet (wofür ich gern soviel bezahle; sollte aus heute üblicher Öko-Sicht doch jeder so machen!), muss er mir dann nicht auch ein Leergebinde zur Verfügung stellen (natürlich nur gg. Pfandgebühr und in "haushaltsüblichen Mengen")?

Ich bin sicher nicht der Einzige mit diesem Problem.
Und sicherlich möchtest Du hier keine verbindliche Rechtsauskunft geben (wo gibt´s die denn?)
Aber wie händelst Du das in Deinem Markt?
Würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass die Anfrage bereits von Ende 2020 ist. Hier ist während der Corona-Zeit so unglaublich viel liegengeblieben, es ist kaum zu fassen. Ich versuche zumindest, einen Teil davon abzuarbeiten und/oder auch noch hier ins Blog zu bringen.

Karstens Frage ist nur vage und voller subjektiver Eindrücke zu beantworten.

Erstmal die Fakten zum Thema Rechtsauskunft: Es gibt keine Verpflichtung, einem Kunden einfach nur so ein Leergebinde zu verkaufen. Wenn der Markt keine oder seiner Meinung nach nicht genügend leere Rahmen hat, kann er keine rausgeben, bzw. ist die Verweigerung einer Herausgabe durchaus verständlich.

Die Gründe, warum der Markt ihm keine leere Kiste geben kann oder will, sind vielfältig:

1. Den Zulieferer ausreichend zu motivieren, die erforderliche Menge an Leergebinden bereitzustellen ist nicht immer einfach. Wenn nämlich der Lieferant auch keine oder zu geringen Mengen hat, kann er ebenfalls keine leeren Kisten liefern.

2. Der Markt bestellt keine Kisten, weil er die Ansicht vertritt, keine leeren Kisten zu benötigen. Wenn die Menge aus dem Tagesgeschäft gerade so reicht, bestellt man nicht auf gut Glück noch leere Rahmen. Dieser Service wird übrigens teilweise von den Großhändlern noch zusätzlich mit bis zu mehreren zehn Cent pro Kasten berechnet – zuzüglich zum Pfandwert! Wenn man dann nicht zwingend Leerkisten bestellen muss, tut man es auch nicht.

3. Ebenfalls eine mögliche Erklärung: Der oder die Mitarbeiter in dem Markt oder der Abteilung ist/sind neu oder unerfahren und weiß/wissen einfach nicht, dass leere Rahmen zum Pfandwert herausgegeben werden dürfen.

Es gibt sicherlich noch mehr Gründe, warum es so wie von Karsten geschildert passiert (ist).

Ich wüsste da übrigens eine ganz einfache Lösung, die ich sogar meinen Kunden anbieten würde, wenn ich nicht genügend Leerkisten hätte, um eine herausgeben zu können: Nimm eine andere! 6er-Rahmen, in die Weinflaschen passen, gibt es genügend im großen Garten der Getränkeabteilungen: Volvic, Vittel, Gerolsteiner, Coca-Cola, Pepsi, um mal nur ein paar zu nennen. Die ordentliche Lagerung und der umfallsichere Rücktransport sind auch damit gesichert. Und letztendlich: Die Abgabedauer am Leergutautomaten wird durch sechs Flaschen, von mehr reden wir ja nicht, nicht wesentlich in die Länge gezogen. Ich versichere, dass dadurch keine lange Schlange entsteht. ;-)

Unverpackt im E-Harste?

Folke war vor ein paar Wochen über diesen Artikel ("Initiative gegen Verpackungen in Berlin: Unverpackt ist Kaiser") in der taz gestolpert. Dazu sind ihm direkt ein paar Fragen an mich eingefallen: "Was hältst du davon? Hast du das für deinen Laden schon einmal erwogen? Oder gar umgesetzt??? Wenn erwogen und nicht umgesetzt: Warum nicht? Lohnt sich nicht? Oder erwartest du keine Nachfrage bei deiner Zielgruppe?"

Ich nehme mir die Fragen mal der Reihe nach vor.
"Was hältst du davon?"
Prinzipiell ist das ja eine tolle Sache. Einerseits wird vermutlich ein Teil des Verpackungsmaterials eingespart. "Vermutlich" nur deshalb, weil die Großgebinde ja ebenfalls sicher und stabil verpackt werden müssen, was aufgrund der Größe auch entsprechend stabilere Verpackungen voraussetzt. Ich habe dazu keine bestätigten Zahlen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Mehraufwand für Verpackungen bei beispielsweise 10 einzelnen Päckchen Zucker im Vergleich zu einem 10-Kilo-Sack keine sehr große mehr ist. Der große Vorteil ist natürlich, dass man die Menge bekommen kann, die man wirklich braucht. Wer nie Zucker benutzt, um mal bei diesem Produkt zu bleiben, und nur für eine einmalige Verwendung 100 g benötigt, wird bei uns im Laden also wenigstens ein 500-g-Paket bekommen können und hat dann 400 Gramm Zucker zu viel zu Hause liegen. Der Haken ist, dass man als "unverpackte" Ware für die 100 Gramm nicht nennenswert weniger bezahlt als für das fertige Gebinde aus dem Supermarkt.

"Hast du das für deinen Laden schon einmal erwogen?"
Ja, und zwar direkt nach dem Besuch der Euroshop-Messe vor fünf Jahren. Dazu hatte ich vor gut zwei Jahren in diesem Blogeintrag schon einmal etwas geschrieben:

Der Besuch auf der Messe lag ein gutes Stück vor unserem großen Umbau, aber der Ladenplan stand schon grob und so überlegten wir damals tatsächlich auch, ob man nicht mit der Neugestaltung des Ladens ein Kopfregal mit diesen Schütten ausstattet, um ein Zeichen in Richtung unverpackt zu setzen.

Die Idee haben wir aber wieder verworfen. In einem Regal mit nur einem Meter Breite hätte man nicht so sonderlich viele Artikel auf diese Weise unterbringen können, im Vergleich mit einem kompletten "Unverpackt-Laden" wäre das also nicht Fleisch und nicht Fisch gewesen. Dafür den Aufwand, solche Artikel in Großgebinden beschaffen und lagern zu müssen? Dazu muss so ein Regal regelmäßig gepflegt werden. Artikel müssen aufgefüllt und die Systeme saubergehalten werden. So viel Aufwand für einen vermutlich marginalen Umsatz. Dazu kam ein weiteres Problem: In was für Behälter hätten die Kunden ihre unverpackten Produkte füllen sollen? In eigene Behälter? Da wäre das mit dem Abwiegen problematisch geworden. Oder in bereitgestellte Plastikschalen? Klasse Idee, mit welcher das Unverpackt-Konzept direkt zunichte gemacht wird. Eine für Unverpackt-Läden typische Variante sind Einmachgläser mit Klappdeckel, aber lohnt sich so ein System für maximal zwei Dutzend Produkte hier im Laden? Fragen über Fragen …

Wir hatten dann entschieden, den Weg bleiben zu lassen.
Die Situation ist bis heute nicht anders. Wie man auch am Beispiel des Unverpackt-Ladens in Delmenhorst sieht, sind diese Konzepte auch nicht immer von Erfolg gekrönt. Es gibt etablierte, erfolgreiche Unverpacktläden, aber die sind ganz sicher nicht grundsätzlich und schon gar nicht an jedem Standort ein Selbstläufer.

Hinzu kommt noch, dass es bei unverpackt (Eigenständige Läden sowie Abteilungen innerhalb von SB-Märkten) oft an Auswahl innerhalb der einzelnen Warengruppen fehlt, die Sortimentstiefe ist nicht groß. Wer auf Dauer mehr Abwechslung möchte, wird also auch immer mal wieder zu konventionell abgepackter Ware greifen (müssen).

Oder erwartest du keine Nachfrage bei deiner Zielgruppe?
Gerade bei uns (bunter, alternativer Stadtteil) könnte es sogar eine relativ große Nachfrage geben. Aber es gibt wohl auch innerhalb unserer Handelskette einen Trend weg von diesen Systemen. Der große Aufwand steht wohl in keinem Verhältnis zum tatsächlichen (finanziellen) Nutzen.

Die Idee ist definitiv absolut begrüßenswert. Aber es hakelt immer wieder an den unterschiedlichsten Ecken und Kanten. Wenn ich hier richtig Platz im Laden hätte, würde ich es vielleicht mal versuchen – aber nur in kleinem Maßstab, wie ich es 2017 mal angedacht hatte, hat es überhaupt keinen Sinn …

Frage zur Auszahlung von Pfandbons

Blogleser Markus hat mir eine lange Mail zum Thema Auszahlung von alten Pfandbons geschrieben:

Hallo Björn,

vielen Dank für viele lange Jahre Unterhaltung mit Deinem Blog. Ich habe keine Ahnung wie lange ich schon mitlese, 15 Jahre sind es aber sicher schon. Für mich bist Du ein alter Bekannter, auch wenn wir uns noch nie gesehen haben. :-)

Das Thema Pfandbons war ja schon mehrfach Thema im Blog und ich meine mich auch an Texte zur gesetzlichen Verjährungsfrist zu erinnern. Finde aber nichts mehr.
Was mich dabei interessiert: Gibt es seitens der EDEKA (bzw. der Regionalgesellschaften) Vorgaben zum Umgang damit?

Aufgrund eines Umzuges von Hessen nach Sachsen-Anhalt musste ich meinen bevorzugten EDEKA-Dealer wechseln. Und war noch etwas über einem halben Jahr erstaunt, dass meine älteren Pfandbons nicht mehr eingelöst werden. Die Unternehmerin schreibt dazu "da aus Sicherheitsgründen in unserem System eine Sperre zur Einlösung der Pfandbons nach sechs Monaten hinterlegt ist.
Aus abrechnungstechnischen Gründen ist es für jeden Markt immer besser , wenn die Pfandbons am selben Tag oder in der gleichen Woche im Markt ausgezahlt werden.
Natürlich können Sie Ihre Pfandbons bei uns noch einlösen, wir müssen dies jedoch manuell im Kassensystem vollziehen."

Nun habe ich für die wirtschaftliche Situation des Einzelhandels durchaus Verständnis. Allerdings kann ich die "Sicherheitsgründe" nicht nachvollziehen. Eine Prüfung der Auszahlungsgrundlage kann ja nicht stattfinden. Entweder hat jemand einen Bon oder nicht. Erwartungsgemäß wurde ich zwei mal an der Kasse aufgeklärt, mein Pfandbon sei zu alt. Vermutlich werden die meisten Kunden nicht den Weg über die Geschäftsführung gehen wollen.
Persönlich stößt mich dieses Geschäftsgebahren stark ab. Und wäre ich von Dir nicht über die weitgehenden Freiheiten der einzelnen Kaufleute informiert, würde ich alle EDEKA an dieser Stelle vermutlich über einen Kamm scheren.

Nach furchtbar viel Text: Gibt es für den Umgang mit gesetzlichen Anforderungen wie der Rückzahlungspflicht von Pfandbons keine einheitliche Vorgabe der EDEKA zu einer entsprechenden Berücksichtigung im Kassensystem?
So viel Frage und nur so wenige Antworten. Ich kann da aus meiner Sicht nicht viel zu sagen und fasse an dieser Stelle einfach mal ein paar Fakten zusammen:

1. Für Pfandbons gilt die sogenannte allgemeine zivilrechtliche Verjährungsfrist von drei Jahren. Grundlage für diese ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Die Frist beginnt dabei mit dem Ende des laufenden Kalenderjahres. Bekommt ihr heute aus einem Leergutautomaten einen Bon ausgedruckt, ist der also auf jeden Fall bis zum 31.12.2025 gültig.

2. Ob es in (bestimmten) Kassensystemen tatsächlich eine Beschränkung gibt, die anhand des Datums ermittelt wird, kann ich nicht sagen. Dazu müsste entweder direkt auf den Bons aus den Leergutautomaten das Datum ausgewertet werden, bei meinem Sielaff-Gerät wird beispielsweise das Datum gar nicht im Strichcode codiert, oder die Bonnummern müssten von dem Kassensystem mit einer Tabelle abgeglichen werden, in der sie mit Datum hinterlegt sind.

3. Selbst wenn die Bons nach sechs Monaten manuell erfasst werden müssen und nicht mehr über den Strichcode erfasst werden könnten – na, und? Der Arbeitsaufwand dafür beschränkt sich auf das Drücken von ein paar Tasten. Wenn das zu viel Aufwand für einen Kunden ist, dann weiß ich auch nicht weiter … Warum man das den Kunden überhaupt langwierig als mühsam darlegen muss, erschließt sich mir jedenfalls nicht.

4. Es ist doch eigentlich sogar schön, wenn ein Kunde mit einem alten Bon ankommt, den er irgendwo vergessen hat. Ganz ehrlich – den Gegenwert in Form von Leergut haben wir doch längst bekommen und mit dem Geld gearbeitet. Wollen wir jetzt einen Kunden unglücklich machen, der gerade beweist, dass er sogar schon vor Jahren Kunde bei uns war? Ist das Risiko, diesen Kunden zu verlieren und dass dieser wegen einer solchen Lappalie vielleicht sogar schlecht über einen redet, so unbedeutend, dass man ihm nicht einen Betrag auszahlen kann, der ihm eigentlich sowieso zusteht und der selten einen Wert von wenigen Euro übersteigen dürfte? Ich sehe es jedenfalls so und daher lösen wir hier jeden alten Bon ein, sofern dieser natürlich noch lesbar ist.

5. Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, ob es überhaupt eine Empfehlung der EDEKA gibt, wie wir Kaufleute mit alten Bons umgehen sollen. Wir lösen das hier immer maximal kulant und daher ist eine wie auch immer geartete Empfehlung für mich nicht weiter interessant / relevant.

6. Eine Sache, die nicht mit dem Datum zu tun hat, aber hierher gehört: Das mit einer filialübergreifenden Einlösung ist so eine Sache. Ich finde, dass man einen Penny-Bon in jeder Penny-Filiale abgeben können sollte, gleiches gilt natürlich für Lidl, Kaufland, Aldi Süd, Aldi Nord, Netto ohne Hund, Netto mit Hund, Globus und wie sie alle heißen – aber auf jeden Fall für jeden Filialbetrieb. Klar verschiebt sich dann die Inventur der einzelnen Filiale um ein paar Euro (Von was für exorbitanten Summen reden wir hier? Eben …), aber letztendlich ist der Gegenwert ja längst im Gesamtunternehmen gelandet und hat den Weg auf die Konten der Herren Schwarz, Albrecht und ihren Kollegen längst gefunden.
Bei den selbstständigen Unternehmer ist das natürlich eine andere Sache. Auch wenn bei uns überall EDEKA über der Tür steht, sind wir EDEKA-Kaufleute (genau wie die der REWE auch) rechtlich unabhängige Einzelunternehmen. Da gab es keinen Gegenwert, den man schon erhalten hat. Daher nehme ich diese Bons tatsächlich nicht an. Gilt natürlich auch für Gutscheine und alle anderen ähnlichen Belege.

Aber diese Sache mit dem Datum … ganz großes Mimimi.

Wieder einen zweiten Markt?

Vor ein paar Tagen hatten Silvan Theiss in diesem Kommentar gefragt:

Mal eine Frage: Würdest du wieder einen zweiten Markt übernehmen/bauen und wenn ja in welche Richtung würde das gehen (Edeka/Ecenter/anderes Ladenformat) Größe, Sortiment etc.?
Ich hatte daraufhin spontan wie knapp mit "Ganz klar nein" geantwortet.

An der Meinung hat sich in den letzten Tagen auch nichts geändert, aber ich würde das noch gerne etwas weiter ausführen.

Erstens brauche ich keinen weiteren Laden für mein Ego und zweitens brauche ich keinen weiteren Laden (oder weitere Läden) um mir einen Fuhrpark an Supersportwagen und diverse Anwesen rund um den Globus leisten zu können. Das nur mal aus der materiellen Betrachtungsweise. Wir haben unser Einkommen, leben ein gutes aber kein luxuriöses oder gar protziges Leben. Ich fahre ein 18 Jahre altes Auto, aber wenn wir essen gehen möchten, gehen wir essen und wenn ich mir ein neues Fahrrad kaufen möchte, mache ich das einfach. Das reicht mir aber auch an Luxus, irgendwelche Statussymbole lassen mich ziemlich kalt. Ich falle nicht ehrfürchtig auf die Knie, wenn an der Ampel neben mir jemand in seinem 250k€-Auto am Gaspedal spielt. Aber das sollte an dieser Stelle nur Nebensache sein.

Vor allem macht mir nämlich vieles keinen Spaß mehr. Damit meine ich nicht die Arbeit im Laden, die Ware, die Kunden, auch mal Ladendiebe und Idioten. Das ist toll, das ist der Grund, warum ich damals kein Studium sondern eine profane Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel gemacht habe. Okay, die Diebe weniger, aber ich wusste ja, dass auch die dazu gehören. Der Job bei uns im Laden hat mir einfach Spaß gemacht. Ich liebe es, mich mit der Ware zu beschäftigen. Neuplatzierungen eines Sortimentes auf einem leeren Regalplatz gehen mir richtig leicht von der Hand – und eben auch alles, was sonst so "auf der Fläche" anfällt.

Der Spaßfaktor ist an ganz anderer Stelle kaputtgegangen, damit umso gewichtiger. Da könnte ich jetzt einen kleinen Blogeintrag einschieben, den ich schon lange schreiben wollte:

Anfangs fand ich "Corona" noch spannend. Als die Welt einer unbekannten Bedrohung gegenüber stand. Als die Leute zwischen einer lethargischen Mir-doch-egal-Einstellung und panischen Hamsterkäufen schwankten, als die Politik sich besondere Auflagen für uns in den Läden und das sonstige Leben ausdachte, sei es privat oder geschäftlich. "Es ist komisch und befremdlich", sagte ich. "Es ist sehr anstrengend", sagte ich auch. "Aber es ist mal faszinierend und spannend, so eine Situation mitzuerleben", habe ich auch gesagt.

Ernsthaft? Schon lange nervt es nur noch. Es gibt bis heute keine bundeseinheitlichen Regelungen. Jeder kann ständig zusehen, wie er die für sich gerade aktuell geltenden Gängeleien unter dem Damoklesschwert irgendwelcher Strafen gesetzeskonform umsetzt.

Inzwischen fiebere ich nur noch dem Augenblick entgegen, an dem hier wieder Normalität einkehrt.

Das sollte ein eigener Beitrag werden, die Notiz ist damit erledigt.

Und Corona mit all seinen Komplikationen für alle aber vor allem auch mich als Arbeitgeber ist nur ein Aspekt von vielen. Es sind inzwischen so viele Dinge hinzugekommen, um die man sich kümmern muss. Nicht kümmern "sollte", sondern unter Androhung von teilweise abartig hohen Strafen kümmern muss. Corona ist natürlich momentan omnipräsent. Aber es gibt noch die vielen anderen Dinge, bei denen man reinfallen kann: DSGVO, Berufsgenossenschaft, Bio-Zertifizierung, QS, Umweltschutz, Preisauszeichnung, technische Dinge, Lebensmittelüberwachung, Steuern, Personal. Das klingt alles harmlos, aber es reichen oft schon Kleinigkeiten, die einem Ärger bereiten können. In der Summe ist es sehr viel und nicht nur gefühlt hocke ich mehr im Büro als mich mich um meinen eigentlichen Job zu kümmern. Fast täglich taucht irgendetwas am Horizont auf, bei dem ich mich frage, wie ich das schon wieder umsetzen soll.

Ich finde das alles so unglaublich lästig und stimmungsvernebelnd, dass ich inzwischen ohne mit der Wimper zu zucken für immer Feierabend hier machen könnte. Wenn es finanziell geklärt wäre (Die Darlehen laufen noch und die Rentenversicherung möchte auch noch ein paar Jahre Geld von mir sehen) und auch sonst niemand (also vor allem meine Mitarbeiter) davon abhängen würde, könnte ich ohne Tränen in den Augen das Gewerbe hier abmelden. Keine Trauer, keine Familientradition, nichts. Gar nichts. So weit bin ich inzwischen.
Natürlich mache ich hier weiter und es ist ja auch immer noch schön. Aber so geil, dass ich jetzt unbedingt wieder einen zweiten Laden haben müsste, ist es nicht. Da spielen nicht einmal mehr die Dimensionen eine Rolle. Noch einmal so einen kleinen wie in Findorff (350qm) oder ein 4000qm-Center am Stadtrand – nichts davon würde mich locken.

Maskenfrage

Micha hat mir geschrieben:
[…]

Im Prinzip gilt seit letztem Jahr durchweg Maskenpflicht im Einzelhandel, sowohl für Kunden als auch für das Personal.
Leider halten sich an solche Regeln nicht alle und zumindest in meinen Stammläden war von Anfang an eine Art Toleranz gegen Maskenverweigerer da. Maske am Kinn? Egal. Maske nicht auf? Auch nicht schlimm. Selbst Verkäufer tragen sie unter der Nase beim Verräumen oder an der Kasse. Konsequenzen? Nö.

Wir hatten zu Weihnachten harten Lockdown und horrende Zahlen an Infektionen, aber dort wo sich Menschen noch "treffen" konnten, beim Einkaufen, wurde über alle Gruppen hinweg das Maske Tragen locker genommen.

Angst vor Kundenverlust? Angst, sich anzulegen? Oder schlicht "not my f***ing job"?

Vielleicht kannst du das ja mal in einem Blogeintrag schildern, wie du das erlebt, umgesetzt hast.
Vorab noch mal eben zur Situation bei uns:

Wie wir das hier umgesetzt haben, ist ganz einfach: An der Kasse Trennscheiben, hinter denen keine Maskenpflicht besteht. Das ist auch sinnvoll, sonst könnte man irgendwann zu Zeichensprache übergehen, weil man sich nur noch annuschelt. (Aber selbst da tragen viele meiner Mitarbeiter/innen freiwillig eine Maske.)

Im Markt tragen wir alle eine Maske und inzwischen haben auch fast alle Kunden das mit den FFP2/OP-Masken verstanden. Diskussionen haben wir äußerst selten.

Jetzt zur Frage von Micha:

Ich denke es ist vor allem "not my f***ing job!".

Man ist als Mitarbeiter irgendwann müde ob der ständigen Diskussionen mit Kunden. Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr, darauf einzugehen und wenn man dann noch bedenkt, dass viele die Maske ohnehin nur deshalb tragen, weil sie Angst vor einem Bußgeld und nicht vor einem Virus haben, dürfte sich der eher laxe Umgang mit (anderen) Maskenverweigerern erklären.

Frage zu neuen Artikeln

In diesem Kommentar hatte "Mitleser" folgende Frage:

Wie lange dauert es, bis neue Produkte in einem Markt an kommen bzw. oder wie wird entschieden, ob sie überhaupt gelistet werden?

Es geht mir dabei nicht um Eigenmarken oder um regionale Produkte, mir ist schon klar, dass ich Erzeugnisse von Lünebest eher nicht in Bayern finde.

Aber der Hintergrund der Frage ist: ich schaue den YT-Kanal Junkfoodguru, der nicht ganz so gesunde Produkte vorstellt und bei machen Dingen denke ich mir so, die könnte ich ja mal probieren.

Ich gehe in mein Kaufland: nichts, ich gehe ins Rewe: nichts, ich gehe ins Edeka: nichts und meistens kommen die Produkte dann überhaupt nicht bei uns in die Regale.
Das ist ein unglaublich komplexes Thema, bei dem es unter anderem um viel Geld geht. Bei einem solchen Gespräch habe ich noch nie mitgewirkt, aber ich kann mir vorstellen, dass die großen Handelsketten mit den großen Lebensmittel- (und anderen) Konzernen bis aufs Blut verhandeln – sowohl beim Preis für die Produkte als auch bei einmaligen Kosten für die Einlistung.

Andererseits habe ich schon häufiger mitbekommen, dass kleinere Lieferanten ganz stolz berichten, dass sie jetzt irgendwo über Lager (Gemeint sind damit die Großläger der Handelsketten) gelistet sind und wir die Artikel einfach mit unseren gewöhnlichen Trockensortiment-Lieferungen mitbestellen können. Die werden dafür dann sicherlich keine horrenden Summen abgedrückt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Vorgehensweise eher bei EDEKA (oder vielleicht auch REWE) üblich ist, aber eher nicht bei den großen Hardlinern Aldi, Lidl etc.

Um zur eigentlichen Frage zurückzukommen: Was irgendwelche Trendprodukte betrifft habe ich schon alles erlebt. Entweder keine Listung über Lager, da können dann selbstständige Einzelhändler zum Beispiel über irgendwelche Agenturen diese Artikel beziehen. Darüber haben wir schon die verrücktesten Produkte ins Sortiment bekommen. Meistens sind das aber keine langfristigen Geschichten, eine Weile werden die Sachen gekauft und dann ebbt der Hype wieder ab.

Manche Produkte werden einfach in den Großhandlungen eingelistet und dann steht man als Einzelhändler da und staunt, was alles bestellbar ist. Dem geht oft eine einmalige Bestellbarkeit (z.B. mein viel zitierter Aktionsordersatz) voraus, anhand derer Abverkäufe dann entschieden wird, ob eine dauerhafte Einlistung eines Produkts sinnvoll ist oder eben nicht.

Abgesehen von all dem: Es kommen so unglaublich viele Produkte auf den Markt, ich habe das Gefühl, dass gerade auch in den letzten zwei Jahren unzählige kleine Hersteller sich mit irgendwelchen mehr oder weniger spannenden Ideen versucht haben. Ständig bekomme ich Anfragen, aber man kann sie einfach nicht alle ins Sortiment aufnehmen. Das können übrigens auch die großen nicht, denn auch ein gigantisches Großlager mit zehntausenden Palettenplätzen ist irgendwann schlicht und einfach voll.

Vorbestrafte Kassiererin?

Mein Ex-Azubi hat mich vor ein paar Tagen angeschrieben, denn er wollte mal meine Meinung zu folgendem Fall wissen:

Der Marktleiter eines Supermarktes stellt eine Kassiererin ein.
Nach geraumer Zeit erfährt dieser von einem Bekannten, dass die Kassiererin mehrfach wegen Unterschlagung vorbestraft ist.
Obwohl die Kasse immer stimmte und sonst nichts fehlte, will der Marktleiter kein weiteres Risiko eingehen.
Er möchte die Kassiererin schnellstmöglich entlassen und sucht nach einer Möglichkeit.

Wie würdest du die Lage (rechtlich und mit deiner eigenen Meinung) bewerten?
Erstmal: Ich bin kein Anwalt. Ich versuche aber dennoch mal, die Situation zu bewerten und meinen dilettantischen Senf hinzuzugeben:

Eine Kündigung aufgrund der erst nach der Einstellung und sogar "geraumer Zeit" bekanntgewordenen Vorstrafe kommt meiner Meinung nach nicht in Betracht. Wäre die Frage nach einer Vorstrafe beim Einstellungsgespräch gefallen und hätte die Kassiererin die Vorstrafe verschwiegen, wäre es vermutlich zulässig, das Arbeitsverhältnis aufzulösen, anzufechten oder ggf. ordentlich zu kündigen. Ob die Frage überhaupt in diesem Fall zulässig gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen. Aber bei jemanden, der vertrauensvoll mit fremdem Geld umgehen soll, könnte die Frage nach einer Vorstrafe wegen Unterschlagung oder ähnlicher Delikte durchaus relevant und damit zulässig gewesen sein. Es wurde aber, so weit aus der Frage erkenntlich, nicht nach Vorstrafen gefragt, also ist das Thema einer mit der Vorstrafe begründeten Kündigung vom Tisch.

Bleiben noch ein paar andere Möglichkeiten: Ist die Mitarbeiterin noch in der Probezeit? Dann ist sie leicht zu kündigen, außer sie ist schwanger. Hat sie einen befristeten Vertrag bekommen? Dann wird dieser am einfachsten mit Ablauf der vereinbarten Laufzeit automatisch enden. Ist sie in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, könnte man sie kündigen. Vermutlich würde es dann aber vor dem Arbeitsgericht enden und dort ist davon auszugehen, dass sie eine Abfindung bekommt oder sogar weiter in dem Unternehmen beschäftigt muss.

Wenn diese Frau aber seit "geraumer Zeit" ordentliche Arbeit abliefert und sie auch offenbar keine Unehrlichkeiten begeht – warum sollte man sie nicht behalten, wenn es mit der Zusammenarbeit bisher geklappt hat und sie sich über eine sicherlich vereinbarte Probezeit hinaus als brauchbarer Bestandteil des Teams bewiesen hat?

Vielleicht hat der Marktleiter jetzt Bauchschmerzen beim Gedanken, diese potentiell für das Wohl der Firma bedrohliche Person weiterhin an der Kasse sitzen zu lassen. Vielleicht sind auch schon sonderbare Dinge / Ungereimtheiten ohne direkte arbeitsrechtliche Relevanz vorgefallen, die sich mit dem Wissen um die Vorstrafe noch sonderbarer anfühlen. Dann würde ich bestimmt auch versuchen, mich von dieser Person wieder zu trennen.

Aber sowas ist natürlich immer unglaublich schwer zu beurteilen. In den eigenen Kreisen ist das schon schwer, über Dritte natürlich erst recht.

VP-Frage

Ex-Kollege und Noch-Blogleser Stephan hat mir geschrieben:

Hallo Björn,
in Anlehnung an deinen Blogeintrag der "extrem verdächtigen Person", die dann ganz normal bezahlt hat, ist mir eine Geschichte eingefallen, die mir letzten Winter passiert ist.

Ich war in der Hamburger Innenstadt unterwegs und wollte am Samstag kurz vor Ladenschluss noch schnell aus dem Edeka eine Flasche Mineralwasser holen. Im Laden war nicht mehr viel los und der Besitzer / Filialleiter/ Schichtleiter stand bei einer Kollegin an der Kasse.

Es war ziemlich kalt, ich trug Handschuhe und Mütze, dazu war ich vollbepackt: Mit zwei großen Einkaufstüten um jeweils eine Schulter und einem überdimensionierten Rucksack, an dem bereits der Reißverschluss kaputt war. Kurzum scheine ich einen verdächtigen Eindruck gemacht zu haben - denn der besagte Leiter bekam sofort große Augen, stellte das Gespräch mit der Kassiererin ein und starrte mich unumwunden an. Ich ging direkt in die Getränkeabteilung, welche nun mal zwangsläufig in Nähe von "verdächtigen" Produkten wie Bier und Schnaps liegt. Während ich gerade das passende Getränk raussuchte, sah ich bereits im Augenwinkel, wie sich der Mitarbeiter am Kopfende postierte und genau beobachtete, was ich da wohl tat. Er tat nicht mal so, als würde er Ware verräumen oder dergleichen - es war schon sehr eindeutig, dass er mich für den "letzten Ladendieb vorm Wochenende" hielt. Nun wollte ich nichts böses, war durchaus in der Lage und auch willens mein Getränk zu bezahlen und ging wie üblich zur Kasse, grüßte freundlich, bezahlte mit Schein, nahm mein Wechselgeld entgegen und wünschte im Abschluss ein schönes Wochenende.

Ende der Geschichte. Zwar ist überhaupt nichts passiert, doch hat sich dieses Ereignis durchaus bei mir eingebrannt. Ich kaufe dort immer noch regelmäßig ein, jedoch stets mit dem unangenehmen Gefühl, "hier eigentlich nicht willkommen" zu sein. Natürlich verstehe ich den Mitarbeiter, der einen Diebstahl vermeiden will, frage mich jedoch auch: Hätte er es besser machen müssen? Ist es denn mein Problem, dass er mir nicht traut und mich als ehrlichen Kunden verdächtigt? Hätte er sich entschuldigen sollen/können?

Hattest Du schon solche Situationen? Wie hast Du da agiert oder reagiert? Würde mich freuen, mal deine Meinung zu hören - gerne auch via Blog, wenn Du es für berichtenswert hältst :-)
Jeder Ladenbetreiber muss ja selber wissen, wie er mit Kunden und eben auch "verdächtigen Personen" umgeht. Wenn ich weiß (oder für mich entscheide), dass mir eine Person als Kunde ziemlich egal ist, würde ich mich ggf. auch möglichst auffällig unauffällig positionieren. Das passiert ausgesprochen selten, denn prinzipiell geben wir jedem erst mal die Chance, sich als ehrlicher Kunde herauszustellen. Ich bin zugegebenermaßen immer sehr zufrieden, wenn sich eine vermeintlich verdächtige Person dann doch als ehrlicher Kunde herausstellt. Solche Vorkommnisse entkräften einfach immer mehr das Gefühl, hinter Andersartigem etwas Negatives zu vermuten.

Ich würde im Normalfall derartige Beobachtungen immer über die Videoanlage vornehmen, was natürlich nur geht, wenn überhaupt eine solche vorhanden ist, oder zumindest versuchen, tatsächlich irgendwie unauffällig zu tun. Wenn ich aus einem Gespräch heraus hinter einem Kunden herlaufe, um zufällig in irgendeinem Regal in der Nähe dieses Kunden irgendwas aufzuräumen, ist das jedoch alles außer unauffällig.

Es ist schwierig, im Zweifel vielleicht einfach mal direkt den entsprechenden Mitarbeiter ansprechen und fragen, ob derjenige ein Problem mit einem hätte und darauf hinweisen, dass aus dem Besuch im Laden ohne dieses Gefühl, beobachtet zu werden, ein schöneres Einkaufserlebnis geworden wäre.

Was stand denn in den Jahrbüchern?

Nach dem wir unseren Aufenthaltsraum frisch renoviert hatten, berichtete ich von ein paar SPAR-Jahrbüchern, die wir dort neben einigen anderen Werken ins Bücherregal gestellt hatten. In den Kommentaren zum soeben verlinkten Beitrag wurde mehrfach gefragt, was denn da alles an Informationen in so einem Buch zu finden war …



Und was stand da jetzt drin? Im Grunde immer alle Themen quer durch das Jahr und quer durch die gesamte Welt der SPAR, zum Beispiel:

· Werbemaßnahmen, z.B. Warenproben etc.
· Marketing
· Haushaltsjournal, Rezept der Woche
· Unsere Eigenmarke(n)
· Umsatzentwicklungen
· Neueröffnungen
· Besondere Märkte / Experimente
· internationale Absatzgebiete
· Jubiläen
· Vertriebslinien und Firmen der SPAR
· Neue Produkte / Lieferanten
· Schwerpunktthemen Lebensmittel
Auch interessant: Die "Netto"-Märkte (sowohl mit als auch ohne Hund) gehörten einst beide zur SPAR, inzwischen sind sie ja komplett unabhängig voneinander.

Als ich die Bücher dafür noch mal eben schnell durchgeblättert hatte, waren mir ein paar Dinge aus längst vergangenen Tagen aufgefallen. Auf einer Doppelseite wurde auf die große 2001-Werbeaktion "Sommer, Sonne, Samba" hingewiesen, an der wir uns damals auch so gut wir konnten beteiligt hatten. Mit dabei ein Entwurf für den damaligen Handzettel mit Gewinncoupon. In Bremen wurden die, wenn ich mich richtig erinnere, überhaupt nicht verteilt:



Und noch eine Erinnerung an unsere Sparsamen. Ich mochte unsere alte Eigenmarke, besonders cool war eben, dass dort nicht nur "produziert für SPAR" stand, sondern eben auch, von welchem Hersteller sie jeweils stammten.


Frage nach dem LgAtm-Video

In diesem Kommentar zu diesem Blogeintrag hatte Christian vor knapp zwei Jahren mal nach einem Video gefragt, wie der Automat funktioniert.

Ich hatte mir die Frage nicht ganz grundlos zu meinen Notizen gepackt. Aber dann kamen unsere ganzen Umbauvorbereitungen, dann ist ganz viel liegengeblieben und da ich nun gerade dabei bin, die ganzen Altlasten abzuarbeiten, ist nun dieses kleine Projekt in Arbeit.
Dazu habe ich nun erst mal einen ganzen Haufen Videos von allen möglichen Stellen des Automaten produziert, an denen man den Weg der Flaschen sehen kann. Bislang insgesamt knapp 5 Gigabyte Material. Da fehlt jetzt noch der Blick in den Cruncher und auch, wie es unten drunter aussieht (kommt noch), aber das wollte ich nicht mit meiner guten Kamera machen. In den Siff werde ich die Actioncam im wasserdichten Gehäuse stecken.


Leergut-Kostenrechnung

Börnd wollte hier wissen:

Mich würde die grobe Kostenrechnung für den Kreislauf "Leergut" interessieren. Wer bezahlt den Automaten und die Reparatur? Ich nehme an du. Wie rechnet sich das (für dich)?

(Genaue Zahlen sind nicht nötig)
Da ich auch gar nicht mit genauen Zahlen aufwarten kann, hat sich das ohnehin erledigt. Eigentlich kann nicht nicht mal ungenaue oder auch nur grob geschätzte Zahlen liefern, daher hier einfach mal ein paar Gedanken zu dem Thema:

So ein großer Leergutautomat liegt übrigens bei ca. 25.000 Euro, dazu kommen Wartung und Reparaturen, über die Laufzeit vielleicht 2000 Euro pro Jahr. So ganz aus reinem Spaß an der Freude kauf man sich sowas also nicht. Bei mir waren es mehrere Gründe, die dazu geführt haben, dass ich im Oktober 2007 (das ist schon 12 Jahre her!), den ersten Leergutautomaten gekauft habe. Zum einen gab es teilweise erhebliche Differenzen mit den zentral in den Zählzentren erfassten Einweggebinden, zum anderen wurde das Leergutaufkommen, gerade auch während der Jahre mit 24-Stunden-Öffnung, immer mehr. Das hat teilweise zu kompletter Unproduktivität bei mir geführt, da ich zeitweise nur noch zwischen Büro und Leergutannahme gependelt bin. Zu Spitzenzeiten saß ich noch nicht mal wieder am Schreibtisch, als schon die Klingel wieder durch den Laden tönte. Ich hatte das Phänomen hier im Blog mal Leergutklingel-Tinnitus getauft.

Aber nicht nur meine Arbeitszeit, sondern auch die der Mitarbeiter war immer mehr an die Leergutannahme gebunden. Dabei war es nicht die reine Zeit, die Flaschen zu zählen und einen Bon zu drucken, es war das selbe Problem wie im soeben verlinkten Beitrag von 2009: Arbeit unterbrechen (ggf. sogar mehrere Mitarbeiter gleichzeitig), zur Leergutannahme laufen und nach dem Leergut wieder in die Arbeit reinfinden. Und das teilweise für nur eine oder zwei Flaschen.
Dazu kommt noch ein weiterer Faktor, den jeder verstehen kann, der schon einmal mit bloßen Händen in eine Plastiktüte gefasst hat, in der Flaschen in irgendwelchen stinkenden Pfützen aus Bier und anderen Getränkeresten, vielleicht noch mit Dreck, Zigarettenkippen und toten Fliegen durchsetzt, schwimmen. Dieser Ekelfaktor holt uns selbst heute noch immer wieder ein, wenn die Maschine mal aus irgendwelchen Gründen nicht funktioniert.

Das ließe sich bestimmt alles ganz genau in Zahlen und dann auch in Geld darstellen. Habe ich nie getan, aber egal wie die Antwort lautet: Ich würde nicht mehr auf den Automaten verzichten wollen und selbst wenn der B500 irgendwann mal abgängig ist, würde ich (zumindest nach der derzeitigen Leergut-Situation) wieder das Geld investieren und einen neuen Rücknahmeautomaten anschaffen.

Frage zu Selbstscanner-Kassen

Norbert hatte ein paar Fragen zum Thema Selbstscanner-Kassen an mich:

Wie stehst Du als Marktbetreiber zu Selbstscanner-Kassen? Völlig unrealistisch in einem Problemviertel? Eigenartige Auslagerung der Arbeit an den Kunden? Tolle Lösung?
In einem Problemviertel (was wir hier übrigens nicht sind), würde ich vermutlich keine Kassen zum selber Scannen installieren. Das Geld kann man dann wohl direkt aus dem Fenster werfen. Bei uns hier wären solche Kassen wohl tatsächlich eine interessante Alternative, jedoch ist es hier im Markt bekanntlich mit dem Platz etwas beschwerlich, denn ich würde nicht auf die gewohnte Ausstattung an herkömmlichen Kassenplätzen verzichten wollen. Wir haben hier ganz sicherlich viele Kunden, die das Angebot von Selbstbedienungskassen bestimmt gerne nutzen und dabei auch nicht betrügen würden.

Sicherlich wird mit solchen Kassen Arbeit an die Kunden abgeschoben. Aber unter Umständen, und da kann ich gerade nur für mich selber sprechen, ist das dennoch angenehm: Die beiden Geschäfte hier in Bremen, bei denen solche Kassen installiert sind und die ich benutze, sind der Hornbach-Baumarkt (relativ oft) und das nervige schwedische Möbelhaus (versuche ich zu vermeiden). In beiden Märkten hat man meistens nicht sehr viele Artikel und die SB-Kassen sind auch meistens so frei, dass man sofort einen freien Platz findet. Artikel scannen, Karte durchziehen, fertig. Daraus folgt: Während die einen noch überlegen, an welcher Schlange sie sich am besten anstellen sollen, bin ich meistens schon wieder auf dem Weg aus dem Laden.

Bei uns wäre das bestimmt nicht ganz so einfach, denn es gibt unglaublich viel zu beachten. Manche Artikel müssen über Artikelnummern erfasst werden (Backwaren, Gemüse, Kleinsthersteller ohne Strichcodes), wir haben reduzierte Artikel, Pfand und noch viele andere Kleinigkeiten, die bei uns in einem wirklich umfangreichen Kassentraining vermittelt werden. Ich denke, dass wir so oft eingreifen müssten, dass wir auch gleich bei der herkömmlichen Kassenlösung bleiben können.

Kleingeld am Monatsende?

Michael hatte eine Frage:

Ist eigentlich im Supermarkt an den Mengen der rein- und rausgehenden Münzen zu spüren, wie weit der Monat schon vorangeschritten ist?

Sprich, zum Zahltag kommen vermehrt Kunden mit größeren Scheinen an, und drei Wochen danach braucht man bei Euch quasi kaum noch Münzrollen, weil die Leute vermehrt ihr angesammeltes Kleingeld aus Geldbörsen und Jackentaschen zusammenklauben... und das geht so, bis sie wieder frisches Geld auf ihr Bankkonto bekommen haben.

... ist so ein Effekt tatsächlich bei Euch spürbar?
Lange Frage, sehr kurze Antwort: Nein. :-)

Okayokay, um Michael nun nicht nur mit vier Buchstaben abzufertigen, hier eine etwas längere Antwort: Was auffällt ist, dass kurz vor Monatsende aber auch kurz vor der Monatsmitte mehr Leute ihr Kleingeld zusammenzukratzen scheinen. Da werden teilweise alle Taschen der Bekleidung nach irgendwelchen Münzen durchsucht. Es scheint also so, als ob die Gedanken des Fragestellers nicht ganz so abwegig sind.

Dass wir hier zu den genannten Zeiten spürbar mehr Münzgeld-Rollen benötigen, kann ich so jedoch definitiv nicht bestätigen. Das ist dann maximal nur in so geringem Umfang, dass mir das in knapp zwei Jahrzehnten noch nicht mit irgendeiner erkennbaren Regelmäßigkeit aufgefallen ist.

Frage zum Herbstgebäckabsatz

Norbert wollte wissen, wie sich Herbstgebäck / Weihnachtsware in den Monaten von der Lieferung Ende August / Anfang September bis zum Weihnachtsfest verkauft. In welchem Zeitraum werden welche Artikel der gesamten Ware am stärksten verkauft.

Eigentlich kann sich das fast jeder selber beantworten. Wann kauft ihr Lebkuchen? Wann Adventskalender und wann die "richtigen" Weihnachtssachen, also beispielsweise Schokoladenweihnachtsmänner? Die meisten von euch werden da ähnliche Gewohnheiten haben und ich denke, dass das etwa so aussieht:

Spekulatius, Lebkuchen: Fangen relativ stark an und steigern sich bis Anfang Dezember noch leicht.

Dominosteine, Kekse & Kuchen, Stollen: Fangen schwächer an als Spekulatius, haben ihren Höhepunkt aber ebenfalls Anfang Dezember.

Marzipan und Frutgummiartikel haben ebenfalls ihren Höhepunkt Anfang Dezember, setzen aber erst ein paar Wochen nach den bereits genannten Produkten ein. Von dort eine kontinuierliche Steigerung.

Schokolade und Hohlfiguren: Fangen erst Mitte Oktober schwach an und steigen ab der zweiten Novemberhälfte schnell in die Höhe.

Adventskalender haben ihren Höhepunkt natürlich nicht erst Anfang Dezember, sondern Ende November. Von ihnen wird die große Masse auch erst im November verkauft, vorher sind das quasi Ladenhüter.

Frage zu Urlaub

Thorsten hatte folgende Frage:

Wie handhabst du es deinen Mitarbeitern zu "kritischen" Zeiten Urlaub zu gewähren? Ich rede von den typischen Konstellationen: Pfingsten, Weihnachten, Ostern, Silvester, zum Teil auch Sommerferien. Oftmals kommt es dort zu Tagen oder auch Wochen in denen die Urlaubswünsche zu sehr überschneiden und eine ordentliche Besetzung im Markt nicht gegeben ist. Es gibt ja einige Faktoren die Einfluss nehmen, wie z. B. Betriebszugehörigkeit, schulpflichtige Kinder etc …

Wie handhabst du so etwas in deinem Betrieb?
Ganz einfach: Niemand hat hier im Unternehmen irgendeinen Urlaubsanspruch, da wir diesen gleich schon zu Beginn des jeweiligen Beschäftigungsverhältnisses arbeitsvertraglich vollständig ausschließen. Mit dieser zugegebenermaßen recht unkonventionellen Lösung umgeht man kurzerhand sämtliche Diskussionen und mögliche Querelen um die Urlaubszeiten sehr elegant und bekommt als Unternehmer auch noch pro Jahr und Mitarbeiter ein paar Wochen mehr Arbeitsleistung für den gezahlten Lohn. :-)

So. Schnappatmung wieder einstellen. :-)

Es gibt natürlich auch bei uns Zeiten, nämlich die oben erwähnten Feiertage und anderen Termine, an denen am liebsten jeder zu Hause bleiben würde. Aber wir finden dazu eigentlich immer eine Lösung, zumal auch durchaus drei Leute bei uns gleichzeitig Urlaub haben können, wenn deren jeweiligen Aufgabenbereiche nicht miteinander kollidieren.

Ferien: Mitarbeiter/innen mit Kindern haben natürlich ein Vorrecht, in den Ferien ihren Urlaub zu nehmen. Alle anderen müssen ihre Urlaubsplanungen darum herum konstruieren.

Die Arbeitszeiten und Urlaube rund um Feiertage lösen sich eigentlich auch immer ganz entspannt auf. Ostern und Pfingsten sind zumindest bei uns hier die Zeiten, an denen meistens niemand länger zwingend abwesend sein möchte. Weihnachten und Silvester dagegen schon eher. Das lösen wir aber ganz pragmatisch: Es gibt in den beiden Wochen generell keinen Urlaub und wer an Heiligabend arbeitet, kann Silvester frei haben, wer Heiligabend frei haben möchte, muss Silvester ran.