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Anruf aus Berlin

Das Telefon klingelte, auf meinem Mobilteil wurde mir die Telefonnummer mit einer 030-Vorwahl, also Berlin, angezeigt. Ich meldete mich wie gewohnt.

Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und erkundigte sich wie selbstverständlich nach einem bestimmten Produkt hier im Kühlregal. Den Artikel haben wir im Sortiment und es war auch noch ausreichend Ware vorhanden. "Vielen Dank, dann komme ich gleich mal vorbei", flötete sie ins Telefon und verabschiedete sich.

Eigentlich fallen mir dazu nur drei Möglichkeiten ein:

a) Das war ein Scherzanruf. (Allerdings klang es meiner Meinung nach nicht so, zumal die Anfrage auch relativ speziell nach einem nicht gerade massentauglichen Produkt war.)

b) "Gleich" beschreibt in ihrem Universum den Zeitraum, wenn sie die Fahrt aus Berlin hinter sich hat und wieder in Bremen angekommen ist.

c) Aus irgendeinem technisch bedingten Grund wurde diese Vorwahl zwar angezeigt, tatsächlich rief die Frau aber von hier aus der Nähe oder sogar über ein Mobiltelefon, vielleicht über eine Art "Homezone"-Option (Gibt es die überhaupt noch?), bei mir an.

Werde ich vermutlich nie erfahren. :-)

Zucker

Eine ältere Kundin wollte von mir wissen, wo denn jetzt der Zucker wieder hingekommen wäre. Letzte Woche habe er ja noch in einem ganz anderen Gang gestanden.

Ich versicherte ihr, dass seit über drei Monaten der Zucker am selben Platz im selben neuen Regal steht, aber in ihrem Universum haben wir schon wieder alles umgestellt.

Jeder Erklärungsversuch klingt dann nur noch wie eine Ausrede.

Wir verarschen euch wirklich nicht!

Während ich gerade mit zwei Kollegen in der Ecke vor dem Kühlregal stand, kamen zwei junge Frauen in den Laden. Sie trennten sich, eine kam direkt auf uns zu, weil sie eine bestimmte Sorte H-Milch suchte. Während sie sich die Auswahl im Regal anschaute, bog zwei Gänge weiter ihre Begleiterin um die Ecke und rief dabei einen Vornamen.

"Die ist hier", entgegneten wir gemeinschaftlich wie ungefragt. Die Angesprochene guckte irritiert und wollte gerade in die entgegengesetzte Richtung gehen, als wir unsere Aussage etwas energischer wiederholten. Als die beiden Mädels sich gefunden hatten, erklärten wir, dass wir doch keine Kunden verarschen würden. Bei allem Spaß, den wir hier so haben – aber bei unseren Kunden kann man sich ja schließlich nicht auf das Niveau von Grundschulkindern begeben. Man merkte aber wohl schon, dass uns dabei doch irgendwie der Schalk im Nacken saß.

Was dann passierte, spottete eigentlich jeder Beschreibung. Die beiden suchten nämlich noch einen Artikel: Tiefgefrorenen Grünkohl. Ich mochte es kaum sagen, aber es entsprach wirklich, wirklich, wirklich der Wahrheit: "Der steht bei uns momentan zwischen Toilettenpapier und den Putzmitteln.

Die Blicke, unbezahlbar. :-)

Bei SPAR?

Ein älter Stammkunde kam rein, betrachtete die neue Gemüseabteilung und sprach mich an: "Bin ich hier bei SPAR?"

Ich war irritiert. War das scherzhaft gemeint oder tatsächlich ernst? Ich wusste den Tonfall nicht so ganz zuzuordnen. Sollte er so verwirrt sein? Er nahm mir die Qual der Wahl ab, in dem er seine Frage um die Aussage ergänzte, dass sich ja einiges verändert hätte. Positiv, wohlgemerkt. :-)

Sonderbarer gelber Schein

Nach dem Urlaub lagen auf dem Schreibtisch im kleinen Büro auch mehrere Krankmeldungen herum. Drei stammten von Mitarbeiter(inne)n aus der Neustadt, der vierte Name sagte mir gar nichts. Ich muss aber zugeben, dass wir in den letzten Wochen im Markt in der Münchener Straße leider ein immenses Chaos im Personal hatten, da wir mehrere neue Leute brauchten und sich die Bewerber/innen teilweise nach wenigen Wochen schon wieder verabschiedet haben. Eine aufwändige Suche mit vielen Bewerbern. Eigentlich kann ich mir Namen ganz gut merken, aber da hatte ich offenbar in dem ganzen Kuddelmuddel eine Dame nicht mehr auf dem Schirm.

Ein paar später erkundigte ich mich in Findorff bei der Marktleitung, ob während meines Urlaubs alles geklappt hätte, vor allem auch wegen der langen Krankmeldung. Er sah mich mit großen Augen an: "Ich hatte keine Krankmeldung hier in der Zeit."

"Die war von der Frau Getrude Meiermüllerschulz."

"Sagt mir nichts, die haben und hatten wir hier nicht."

Wenig später klärte sich die Sache auf: Eine Kundin hatte den gelben Schein hier im Laden in der Gastfeldstraße an der Kasse liegengelassen und eine meiner Kassiererinnen hat ihn dann pflichtbewusst ins Büro weitergeleitet, wo ihn dann jemand anders zu den vorhandenen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gelegt hat.

Wenn ihr wissen wollt, wie man mich irritieren kann: So. :-)