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Ungewöhnlich zerstörte Flaschensicherung

Ein Kollege hatte im Laden ein offenbar von einer Flasche entferntes Sicherungsetikett entdeckt. Es lag netterweise so, dass man die Fundstelle gut auf der Videoaufzeichnung sehen konnte und so haben wir nun ganz hervorragende Bilder eines Mannes, der sich am Abend eine Flasche unseres Eigenmarken-Champagners in die Hose gesteckt hatte.

Vorher riss er mit bloßen Händen diese Flaschensicherung vom Schampus ab. Nicht mit einer Zange oder irgendeinem anderen Hilfsmittel, sondern mit bloßer Muskelkraft. Entweder hätte er die Kartoffel-Szene von Raimund Harmstorf mit einer echten rohen Kartoffel nachspielen können oder er hatte etwas Glück und das Etikett hatte eine Macke. Auf jeden Fall schaffte er es, die Lasche aus ihrer Befestigung herauszureißen. Ich habe erfolglos probiert, dieses nachzumachen. Ich hatte eher Angst, dass mir die Flasche zerbricht und ich mir an den Scherben die Hand aufschlitze.

Mal gucken, ob das eine einmalige Aktion bleibt …


LD-Serie seit Freitag

Drei erwischte Ladendiebe in drei Tagen. Die Mini-Serie startete am Freitag mit der türkischstämmigen Frau und setzte sich am Samstag kurz vor Feierabend mit einem etwas sonderbaren Kerlchen fort. Der Typ war irgendwie berauscht, mit welchen Mittelchen auch immer, und hatte sich eine Tüte mit mehreren Artikeln aus unserer Aufbackstation in die Hose gestopft. Da er sich dabei wahrscheinlich unfreiwillig ziemlich auffällig benahm, war die Reise für ihn an der Kasse zunächst beendet. Als ihm dann noch klar wurde, dass in Ermangelung eines brauchbaren Ausweisdokuments die Polizei anrücken würde, wurde er noch ziemlich aggressiv, kam jedoch letztendlich in seinem Zustand nicht gegen meine drei Mitarbeiter an. Was er nun genau auf dem Kerbholz hatte, haben wir nicht erfahren, aber die Polizei war wohl nicht unglücklich darüber, dass sich das Kerlchen bei uns hat erwischen lassen. Die Kollegen munkelten etwas von "Haftbefehl", aber das ist ja nicht unser Problem.

Montag Abend rief mich ein Kollege an und berichtete, dass ein Stammkunde sich eine vegane Wurst am Stück, die ihr euch wie eine kleine Salami vorstellen könnt, eingesteckt hatte. Die Wurst war gesichert und löste den Alarm an der Kasse aus und der Mann erzählte dann, dass er sie "versehentlich" eingesteckt hatte. Die Daten vom Ausweis / Aufenthaltstitel hätten sie aufgeschrieben und der Kunde wollte gestern Mittag wiederkommen und mit mir reden.

Unsere erste Amtshandlung am Morgen bestand darin, uns die Videoaufzeichnung von seinem Besuch hier im Markt anzusehen. Außer besagter Wurst am Stück hatte er auch noch zwei Packungen Aufschnitt in Scheiben in die Tasche gesteckt und nachdem Ines und ich uns zusammen mit einer weiteren Kollegin die Aufzeichnung sogar dreimal angesehen hatten, waren wir ziemlich sicher, dass das absolut kein Versehen war von dem Mann war. "Ich schreib da später die Anzeige, eilt ja nicht. Und außerdem kommt der ganz bestimmt nicht wieder."

Doch er kam wieder. Ines und ich redeten mit ihm, resp. ließen ihn zuerst reden. Wir waren schon etwas enttäuscht, denn wir kennen diesen langjährigen Kunden als netten und unserer Meinung nach auch nicht "assigen" Menschen, der oft mit seiner Tochter bei uns im Laden ist.
Er erzählte uns, dass er seine Handschuhe und seinen Schal auf der Suche nach Geld aus den Taschen gepackt hatte und beim Einpacken wohl die Wurst versehentlich mit gegriffen und in seine Jackentasche gesteckt hat. Das klang alles anderes als glaubwürdig, aber mit 27 zugedrückten Hühneraugen hätte man das durchaus noch als "im Zweifel für den Angeklagten" durchgehen lassen können. Dass er die beiden unhandlichen Packungen Aufschnitt aber ganz sicher nicht "versehentlich" eingesteckt hat, musste er dann auch zugeben und dann gestand er alles.

Das tat er jedoch auf eine für unser Empfinden glaubwürdige Art. Ich kann es nicht näher beschreiben, es ist nur ein Gefühl. Er hatte kein Geld mehr und wollte doch für seine Tochter etwas zu Essen haben. Ich kenne seine Situation nicht, aber möglicherweise ist es für ihn ohne die deutsche Staatsbürgerschaft etwas mühsamer, an Geld zu kommen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er uns irgendeine wirre Ausrede erzählt. Das, was er uns schilderte und wie es rüberkam, wirkte auf uns sehr glaubwürdig. Nicht die oscarreife Tränendrüsennummer, wie es die Frau am Freitag versucht hat, sondern irgendwie echt. Wir kamen überein, dass es eine wirklich blöde Idee war, ausgerechnet in seinem Stammladen sowas zu machen, auch wenn ihn augenscheinlich die Not dazu getrieben hat. Ich selber würde auch alles für meine Tochter tun, ist doch klar. Wenn es noch einmal eng wird, soll er doch einfach mit uns reden, auch wenn es unangenehm ist. Vielleicht aber doch weniger peinlich, als eine Anzeige bei der Polizei zu haben. Die habe ich ihm nämlich für den Widerholungsfall angedroht.

Mit Handschlag vereinbarten wir abschließend, dass er den entstandenen Schaden Anfang April bezahlt und dass wir nicht mehr darüber reden werden.

Das Diskussion-Ende-Argument

Vorgestern Nachmittag hörte ich plötzlich hektisches Stimmengewirr aus dem Lager zu mir ins Büro dringen. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch gar nicht mitbekommen, was passiert war. Eine Frau in den Dreißigern hatte zwei Dosen Thunfisch in ihre Tasche gesteckt, diese an der Kasse nicht ausgepackt und in der Folge dann mit den (aus Gründen, wie man sieht …) gesicherten Dosen den Alarm der Warensicherungsanlage ausgelöst.

Nun stand sie greinend und flehend mitsamt zwei meiner Mitarbeiter im Lager. Als ich hinzukam, fragte ich natürlich zuerst, was passiert war. Die Frau erklärte mir auch noch einmal, dass sie doch nur bei uns einkaufen wollte und versehentlich die beiden Dosen an der Kasse zwischen den anderen Sachen, die sie vorher schon bei Lidl gekauft hatte, übersehen hätte. Die anderen Sachen von uns hätte sie ja schließlich auch bezahlt und am Geld würde es sicherlich nicht liegen. Mit diesen Worten zeigte sie ihr geöffnetes Portemonnaie vor und zog einen der darin enthaltenen Fünfziger raus und wedelte damit vor unseren Nasen herum.

Das hätte alles plausibel klingen können, tat es aber nicht. Vor allem störte mich, dass sie ihren kleinen Einkauf komplett in der Hand hielt, die beiden Thunfisch-Dosen, die den Wert der anderen Dinge noch deutlich überschritten, jedoch in der Einkaufstasche verschwinden ließ, in der sich bereits Artikel aus einem anderen Laden befanden. Nein, das war kein Versehen, das war knallharter Diebstahl. Und es bestätigte uns mal wieder darin, dass es richtig ist, die Thunfisch-Dosen von Saupiquet mit Sicherungsetiketten bekleben zu lassen. Das Zeug ist nämlich bei Dieben beliebt.

Während der gesamten folgenden Minuten flehte und bettelte sie immer wieder, dass wir nicht die Polizei einschalten sollen. Wenn ihr Mann erfahren würde, dass sie geklaut hätte, dann würde er sie umbringen, sie totschlagen. Keine Post nach Hause, keine Polizei, bitte, bitte.

Ich ließ mich von den Krokodilstränen nicht beeindrucken, ignorierte das Herumgegreine und fragte die Frau, ob sie einen Ausweis dabei hätte. Sie hielt mir einen türkischen Führerschein (die Plastikkarte mit dem blauen Streifen, in dem "SÜRÜCÜ BELGESI" steht) vor die Nase, allerdings stand dort keine Adresse drauf und war für eine Anzeige wegen Ladendiebstahls nicht brauchbar. Das ist alles, was sie hätte, versicherte sie. Bis dahin wäre es noch ohne Polizei gegangen, aber in dem Fall brauchten wir Hilfe und so nahm ich das Telefon zur Hand. In dem Moment fiel ihr ein, doch einen deutschen Ausweis dabei zu haben. Was für eine Überraschung.

Ich zog mein gesamtes Programm in aller Routine durch. Da sie sich ausweisen konnte und die Ware bei uns blieb, konnten wir die Sache ohne Polizei erledigen. Nachdem ich alle notwendigen Angaben notiert hatte, sprachen die Kollegen noch das übliche Hausverbot auf Lebenszeit aus und geleiteten die Frau zum Ausgang. Thema erledigt.


Fünf Minuten später kam einer der Kollegen zu mir ins Büro. "Die Frau von eben ist wieder da, mit zwei Männern." Ihr Mann hatte sie also offenbar nicht totgeschlagen. Stattdessen hatte sie ihm direkt berichtet, was vorgefallen war und ist zusammen mit ihm und einem Freund oder Verwandten wieder zu uns in den Laden gekommen.

Da sprach nur noch ihr Mann mit mir. Dass sowas doch passieren könne und ob mir denn noch nie ein Versehen passiert ist. Doch, sagte ich. Und dachte mir spontan ein Beispiel aus: "Wenn ich versehentlich mit 80 durch die Stadt fahre und geblitzt werde, muss ich auch mit dem Bußgeld lebe."

"Man fährt nicht aus Versehen mit 80 in der Stadt."

"Und man steckt sich nicht aus Versehen zwei Dosen Thunfisch in die Tasche."

Es ging noch ein paar Sätze lang hin und her und die Stimmung wurde immer angespannter und dann brachte der Ehemann schließlich das Argument der Argumente: "Sie machen das doch nur, weil meine Frau Ausländer ist!"

Uff!

In dem Moment war für mich jede weitere Diskussion mit diesen Personen beendet und das sagte ich ihm auch ziemlich deutlich.

Mit wüsten Beschimpfungen, die von "Sie sind ein sehr schlechter Mensch" bis hin zu unappetitlichen Fäkalausdrücken reichten, zog das Trio schließlich ab. An der Kasse beschimpften und bedrohten sie noch einen der beiden Kollegen, die während der Aufnahme des Diebstahls mit mir im Lager standen.

Was für sympathische Mitbürger.

Post von einem bereuenden Ladendieb

Im Februar hatte ein Mann einen kleineren Einkauf (~10 Euro) getätigt und diesen mit ec-Karte bezahlt. Das machte ihn zum Kunden. Dass er dabei ein fast genauso teures Stück Bio-Parmesan in der Jacke stecken hatte, machte ihn zum Ladendieb. Und das an dem Parmesan angebrachte Sicherungsetikett machte ihn zum erfolglosen Ladendieb. Der Käse löste nämlich den Alarm aus und sorgte so für allerhand Aufregung am fraglichen Abend. Nachdem der Mann alles ausgepackt hatte, flüchtete er schnell, ohne dass meine Mitarbeiter seine Personalien festhalten konnten.

Ich zuckte mit den Schultern: Egal, er hat mit Karte bezahlt. Wir bekommen die Daten nicht, aber die Staatsanwaltschaft wird da sicherlich in Erfahrung bringen können, um wen es sich handelt. Außerdem feixte ich über den Mann, denn für ihn bedeutete die Flucht nämlich nicht nur, auf das während dieser verlorene Diebesgut zu verzichten. Er hatte die zuvor bezahlte Ware auch gleich bei uns zurückgelassen.

Zwei Wochen später kam dieses Schreiben hier an. Ich habe die Sache bis heute nicht zur Polizei gegeben und werde es auch nicht mehr tun. Der Schreck dürfte Erfahrung genug gewesen sein:


Absolut… langatmig!

Vor ein paar Tagen hat ein Typ sich eine Flasche Absolut Vodka in die Jacke gesteckt und wollte, ohne diese Flasche zu bezahlen, den Laden verlassen. Der Alarm der Warensicherungsanlage löste aus, dann versuchte der Mann schnell, die Flasche unauffällig wieder im Laden verschwinden zu lassen, dabei wurde er jedoch von einem Kollegen beobachtet und gestellt. Es folgte das übliche Prozedere mit Polizei, Anzeige und Hausverbot. So weit war der Vorgang nicht besonders erwähnenswert.

Die Polizei wollte ein Video von dem Vorgang haben, doch das Vorhaben gab ich irgendwann auf. Bevor sich der Mann überhaupt an dem Alkohol vergriff, wanderte er minutenlang ziellos oder zumindest scheinbar ziellos durch den Laden (unnützes Videomaterial). Guckte hier, guckte da. Dann nahm er die Flasche Absolut aus dem Regal und wanderte auch damit wieder ein paar Minuten hin und her (unnützes Videomaterial). Schließlich versuchte er relativ umständlich und nicht weniger langatmig, um das Warensicherungsetikett etwas Aluminiumfolie herumzutüdeln. Schließlich steckte er sie in mehreren Anläufen in seine Jacke. Er hatte aus strafrechtlicher Sicht dabei relativ viel Glück, denn im Grunde auf keiner unserer Kameras war konkret zu sehen, wie er DIE Flasche in SEINE Jacke steckte (unbrauchbares Videomaterial).

Nachdem die Warensicherungsanlage trotz der vermeintlich abschirmenden Aluminiumfolie Alarm auslöste, ging der Mann wieder schnell in den Laden, um sich unauffällig von der verräterischen Flasche zu trennen. Das klappe jedoch nicht so einfach, denn ein Kollege ging die ganze Zeit hinter ihm her. So wanderten sie durch den ganzen Laden (unnützes Videomaterial) und blieben schließlich in einem Bereich stehen, der überhaupt nicht unmittelbar von einer Kamera eingesehen werden kann. Da standen sie dann über zehn Minuten herum und haben hin und her diskutiert, bis schließlich die Polizei kam. Da packte der Mann dann auch schließlich die Flasche aus.

Klar hätte ich der Polizei über zwanzig Minuten Videomaterial aus allen Kameras liefern können, aber die Arbeit (und den DVD-Rohling) habe ich mir nun einfach mal erspart. Es ist natürlich auch immer in meinem Interesse, wenn Ladendiebe die paar Konsequenzen für ihre Taten tragen müssen, aber die Aufzeichnung hätte in diesem Fall nun überhaupt nicht weitergeholfen. Dass das Material so gar nicht zu gebrauchen ist, haben wir aber auch ausgesprochen selten …

Heiß begehrte Toffifees

Vor ein paar Tagen war mir ein verlassener Einkaufskorb mit Ware im Waschmittelgang aufgefallen. Sowas kann immer mal vorkommen.

Manchmal sind Leute angefressen, weil ihnen die Schlange an der Kasse zu lang ist oder weil irgendein Produkt nicht da ist. Dann stellen sie ihre Sachen einfach hin und gehen wieder. Ist nicht nett, aber passiert. Manchmal merken Kunden auch, dass sie ihr Geld vergessen haben. Dann stellen sie manchmal die Ware auch einfach irgendwo ab und kommen nach ein paar Minuten wieder. Manchmal auch nicht, wenn sie sich anders entscheiden.

Aber nicht jeder stehengelassene Korb ist harmlos. Oft genug stellt sich nämlich beim Blick in die Videoaufzeichnung heraus, dass es sich dabei nur um einen "Alibieinkauf" eines Ladendiebs gehandelt hat, der mit der Ware im Korb wie ein harmloser Kunde wirken wollte.

Wie auch im Falle eines Mannes aus Georgien, der nun vor ein paar Tagen dafür verantwortlich war, dass der oben erwähnte Korb im Waschmittelgang herumstand. Tatsächlich hatte er sich kurz vor Feierabend unbemerkt mehrere Großpackungen (400 g / 48 Stück) Toffifee in seinen Rucksack gestopft und hatte dann nur ein Alibi-Bier an der Kasse bezahlt und war zunächst unerkannt mit der Beute verschwunden.
Am nächsten Morgen entdeckte ich den Korb und guckte natürlich nach, woher er stammte. Der Täter war längst über alle Berge, hatte aber zum Glück ein recht auffälliges Äußeres. Wir zeigten das Bild im Kollegenkreis herum und bereits am nächsten Tag war der Mann wieder da. Diesmal nur zum einkaufen, aber dennoch zogen die Kollegen ihn raus. Mit Hilfe der Polizei wurden seine Daten erfasst. Anzeige, Hausverbot.

Daraufhin beklebten wir die ganzen Toffifee-Packungen mit Warensicherungsetiketten. Bislang hielt ich das für unnötig. Die 48er-Pakete sind ja nun relativ groß und damit tendenziell eher nicht so der typische Klauartikel, aber offenbar sehen die Beschaffungskriminellen das anders.

Drei Tage später lag am Morgen ein Diebstahlsprotokoll im Büro. Ein Mann, der bis dahin noch nie als Ladendieb bei uns in Erscheinung getreten war, hatte versucht, eine große Packung Toffifee zu klauen. Er hatte einen kleinen Einkauf zusammengesucht (und auch bezahlt), aber die Packung hatte er quasi im Vorbeigehen in seiner Jacke verschwinden lassen. Niemandem war es aufgefallen, aber die frisch eingeklebten Warensicherungsetiketten erledigten ihren Job ganz hervorragend. Anzeige, Hausverbot.

Ich staune. Ist es neu, dass dieses Produkt so beliebt ist? Haben irgendwelche Hehler-Quickshops gerade Toffifee zur Beschaffung ausgerufen? Die Leute, die auf Besorgungstour gehen, um (meistens) ihre Drogensucht zu finanzieren, bekommen ja häufig konkrete Ansagen, was sie organisieren sollen.

Nach diesen Vorkommnissen habe ich mal in unserem Warenwirtschaftssystem nachgesehen, wie der aktuelle Bestand bei diesen Produkt sein sollte. Nun: Seit 2017 haben wir 541 Packungen verkauft, aber 576 Packungen eingekauft. Also sind in den letzten vier Jahren 35 Packungen Toffifee verschwunden. Da haben offenbar noch andere eine lukrative Beute darin gesehen … :-|

Jim Beam und Alufolie

Auf einem recht hohen (und daher selbst für mich im Vorbeigehen nicht zu entdecken) Aufsteller sah ich zufällig auf einem der Bilder unserer Überwachungskameras ein seltsames Stillleben: Eine Flasche Jim Beam und eine aufgerissene und zerfetzte Packung Alufolie. Was das werden sollte (oder ggf. auch schon geworden ist), kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen.

Leider ließ sich nicht mehr herausfinden. Die Ablagestelle der Gegenstände war von vorne quasi nicht auszumachen und daher fiel das alles eventuell tagelang nicht auf. Die Aufzeichnung reicht bei uns ganz DSGVO-konform nur 72 Stunden zurück und die Aktion, das an der Flasche angebrachte Sicherungsetikett mit Alufolie abzuschirmen, war nicht mehr nachvollziehbar. Damit leider auch nicht, ob der Täter seinen Versuch komplett erfolglos abgebrochen hat oder ob er vielleicht doch eine oder mehrere Flaschen auf diese Weise entwenden konnte.


Klopfer-Diebstahl

Eine Frau hat eine ganze Packung "Kleiner Klopfer" klauen wollen und sich den schweren Karton kurzerhand in den Bund ihrer Leggings gefriemelt. Wir haben sie erwischt und die Freude über dieses groteske Schauspiel, wie sie den Karton da verschwinden lässt, überwiegt hier gerade den Ärger über die Tat als solche … :-P


Ben & Jerry's im Jackenärmel

Auf dem Weg nach vorne sah ich einen etwas heruntergerockt wirkenden Mann in einem der Gänge hocken. Auffällig fand ich, dass er da nicht nur hockte, sondern die Arme irgendwie ungewöhnlich vor sich hielt. Auf seinen Armen lag eine mehr oder weniger zusammengeknüllte Lederjacke, die bis auf den Boden herunterhing und unter seinen Armen eine Art Hohlraum bildete.
Als der Typ mich erblickte, stand er schnell auf. Da hatte er plötzlich in einer Hand die bereits erwähnte Lederjacke, in der anderen Hand hielt er einen Becher Ben & Jerry's. Das war der Moment, in dem mein kleines inneres Alarmglöckchen zu schrillen begann. Ich wäre jede Wette eingegangen, dass das, was der Typ da gemacht hat oder machen wollte, in einem Konflikt zu meinen Interessen stand.

Einen Kollegen postierte ich an den Tiefkühltruhen, damit der Mann das Eis nicht von uns unbemerkt zurücklegen konnte. Dann wäre die Aktion nämlich unter Umständen peinlich ausgegangen. In dem Fall jedoch nicht für ihn, sondern für uns.

Ein paar Minuten später kam der Mann mit Lederjacke zur Kasse. Er trug die Jacke um einen Arm gewickelt, mit der anderen Hand legte er ein Paket Nudeln auf das Förderband. Ein hellblauer Eisbecher war nicht zu sehen. Auf das Eis angesprochen, ging er schnell in den Laden zurück in der Absicht, den Becher wieder loszuwerden. Die Kontur des Bechers zeichnete sich wunderbar erkennbar durch das Material der Jacke ab, denn er hatte ihn in einem zweiten Anlauf von innen in einen der Ärmel seiner Jacke gedrückt.

Wir nahmen ihn mit nach hinten und zogen das gewohnte Programm durch: Ausweis, Anzeige, Hausverbot. Der Typ versuchte noch zu argumentieren, dass wir ihn gar nicht anzeigen könnten, weil er gar nichts geklaut hatte, weil er ja schließlich noch gar nicht draußen gewesen sei (DAS wissen sie ja immer alle). Ich erklärte ihm den Begriff "Gewahrsamsenklave" und dass das Innere seiner Jacke so sehr in seinem persönlichen Schutzbereich liegt, dass nach allgemein gültiger Auffassung die Wegnahme einer Sache vollendet war. Er verstand das mit der Gewahrsamsenklave und der persönlichen Sphäre nicht ganz, aber als ich ihm sagte, dass er mir doch bestimmt eine auf die Fresse hauen würde, wenn ich ihm auf offener Straße einfach in seine Jacke fassen würde, bestätigte er dieses. "Genau", lobte ich diese Erkenntnis. "Und wenn du dir fremde Sachen da hinsteckst, wo du nicht von fremden Leuten angefasst werden möchtest, gilt das als vollzogener Diebstahl."

So hat er dann nicht nur gelernt, dass ich mich nicht gerne beklauen lasse, sondern auch noch einen praktischen Tipp für seine weitere berufliche Laufbahn erhalten. ;-)

Ehrlicher LD

Ein, tja, irgendwie (zumindest Gelegenheits-) Stammkunde ist durch unsere Warensicherungsanlage überführt worden. Er hatte ein Glas teures Mandelmus in seiner Jackentasche und wollte, ohne dieses zu bezahlen, unseren Laden verlassen.

Seine Erklärung, dass er das nur tat, weil er "nicht mehr genug Geld hat, war so offen und ehrlich, dass man schon fast Mitleid bekommen konnte.

Aber eben nur fast. Wer in Not ist und eine Art Verzweiflungstat begehen möchte, sollte sich vielleicht nicht gerade einen nicht lebensnotwendigen Luxusartikel in die Tasche stecken. Bei Brot und Aufschnitt hätte ich ja möglicherweise noch mal diverse Augen zugedrückt.

Deckel auf, Sicherung ab!

Ein Mann klaut eine Flasche Wodka. Da er das Warensicherungsetikett nicht abgerissen bekommt, schraubt er kurzerhand den Deckel ab.

Das ist eher ungewöhnlich. Die meisten derartigen Diebstähle dienen nicht dem Eigenbedarf, so dass die Flaschen, wenn sie weiterverkauft werden sollen, natürlich nicht geöffnet gewesen sein dürfen / sollten.

War ihm wohl egal … Ob er den Sprit selber saufen wollte oder ob ihn der Beschaffungsdruck dazu getrieben hat, bleibt ungewiss.


Verteidigter "Einklauf"

Am frühen Abend kamen mit einem Abstand von zehn Sekunden zwei junge Männer, beide in den frühen Zwanzigern, hier in den Laden. Ihr Ziel: Besitz- ohne Eigentumsübertragung. Allerdings hatten sie es nicht speziell auf besonders hochwertige Artikel oder die üblichen Waren der Beschaffungskriminalität (wie z. B. Alkohol oder Kaffee) abgesehen. Der erste ging durch den Laden und innerhalb von nicht einmal zwei Minuten füllte er diverse Waren in seine Tasche, die allesamt kaum weiter auffällig waren: Bananen, Eis, TK-Garnelen, Nudeln und andere Lebensmittel.

Währenddessen ging der zweite zum Regal mit den Körperpflegeprodukten, nahm sich zwei Flaschen Shampoo, pulte die angebrachten Sicherungsetiketten ab und steckte die Flaschen im Toilettenpapiergang in seine Jacke. In dem Moment kam auch schon der Typ mit der Tasche hinzu. Gemeinsam gingen sie zur Kasse und stellten sich zunächst scheinbar völlig normal an und legten auch eine Alibi-Saftpackung auf das Band. Während sie wartete, ging der erste mit der Tasche plötzlich hinter den anderen Kunden in Richtung Ausgang, der zweite folgte ihm Augenblicke später und ließ die Packung einfach auf der Kasse liegen.

Weiter als bis zum Ausgang kamen sie aber nicht, denn dort versperrten ihnen bereits zwei Mitarbeiter den Weg. Die Aktion mit dem Duschgel war einer Kollegin aufgefallen, die den beiden nun zusammen mit einem Kollegen im Weg stand. Die Diebe waren überhaupt nicht eingeschüchtert, sondern verteidigten ihre Beute unverzüglich mit aller Kraft und schafften es schließlich auch, den Laden zu verlassen und wegzulaufen. Das wäre es eigentlich gewesen, aber zufällig stand gerade ein Polizeiwagen vor der Tür und die beiden Beamten reagierten geistesgegenwärtig. Danke. :-)

Ergo: Die Ware ist wieder bei uns und gegen zwei Typen aus dem Stadtteil haben wir jeweils eine Anzeige wegen räuberischen Diebstahls gestellt.

Cappys, Masken, Alkohol

Am Vortag fielen Gregor mehrere abgerissene Klebeetiketten unserer Warensicherungsanlage auf. Es handelte sich dabei um einen speziellen Typ Etiketten, den wir Beispielsweise bei Spirituosen verwenden, die nicht mit unseren "Zippeln" gesichert werden können. Likör 43 gehört zum Beispiel dazu, deren Flaschenhals und Verschluss haben keine nennenswerte Einkerbung, in denen sich die Sicherungen festkrallen könnten. Also bekleben wir die Flaschen immer nur, ich korrigiere: beklebten, dazu aber gleich mehr, und vertrauen darauf, dass dieses Produkt in einschlägigen Kreisen generell eher zu den weniger begehrten gehört.

Die Videoaufzeichnung offenbarte, dass sich zwei zwielichtige Gestalten drei Flaschen davon unter die Jacke in den Hosenbund gesteckt hatten und – natürlich – ohne zu bezahlen den Laden verlassen haben. Mist, aber ist passiert. In der Konsequenz haben wir den Cuarenta y Tres nun eingeschlossen in der Vitrine stehen, womit sich auch wie oben erwähnt die Klebeetiketten erledigt haben.

Nun waren die Freggels wieder im Laden. Da sie vollkommen anders angezogen, ihre Gesichter aber auch diesmal wieder hinter den obligatorischen Masken und freiwilligen Schirmmützen verborgen waren, erkannte ich sie nicht sofort und stellte zunächst überhaupt nicht die Brücke zu den Likör-43-Dieben her. Sie fielen mir auch nur zufällig auf, als sie vor dem Regal mit den Spirituosen standen und zwei Flaschen Jim Beam, mit unseren regulären Flaschensicherungen ausgestattet, nahmen und in einen unserer grauen Einkaufskörbe legten. Damit gingen sie ein paar Gänge weiter nach hinten in die Getränkeabteilung und auf dem Monitor der Videoanlage sah ich, wie einer der beiden anfing, wie wild an den Etiketten herumzureißen. Das Schauspiel wollte ich mir nicht ansehen, die Absicht war längst klar, und so ging ich zu den beiden und fragte sie, was das soll. Sie sprachen kaum Deutsch oder taten zumindest so und teilten mir mit, dass sie die Flaschen kaufen wollten. "Alles klar", nickte ich und begleitete die beiden zur Kasse, damit sie nicht noch auf andere dumme Ideen kommen.

Als es ans Bezahlen ging, stellte sich – wer hätte das jetzt gedacht – angeblich heraus, dass sie ihr Geld vergessen hätten und gleich wiederkommen werden. In dem Moment klingelte es dann auch bei mir und ich war mir schlagartig sicher, dass das die beiden vom Vortag waren. Da sie schon auf Höhe der Ladentür waren, sparte ich mir den Stress und ließ sie ohne weitere Konsequenzen oder eine Anzeige laufen. Sie wären vermutlich ohnehin geflüchtet, denn zwei Personen vor der Ladentür sind definitiv in der besseren Position als ich. Aber ich gab ihnen noch den Hinweis mit auf den Weg, dass ich, falls sie sich hier noch einmal blicken lassen, sofort und auf jeden Fall die Polizei holen werde.

Ob sie das verstanden haben, bleibt fraglich.

Demenz oder Diebstahl?

Bei uns allen ist eine ältere Stammkundin pauschal als "tüdelig" / dement bekannt. Kommt regelmäßig mit dem Leergutautomaten nicht klar, vergisst manchmal was, kommt hin und wieder ohne Maske in den Markt. Eigentlich eine liebe, nette, alte Dame.

Meistens benutzt sie für ihre kleinen Einkäufe einen der von uns zur Verfügung gestellten Einkaufskörbe. Manchmal auch nicht, dann ist es wahlweise die Handtasche oder, wie in diesem Fall, eine Einkaufstasche aus buntem Stoff.

In diese Tasche legte sie ein paar belanglose Waren im Gesamtwert von unter zehn Euro, die sie auch an der Kasse allesamt auspackte. Ebenfalls in der Tasche befand sich ein Leinenbeutel, in den sie hier aus unserem Sortiment während des Einkaufs eine Schachtel Pralinen im Wert von fast acht Euro gelegt hatte. An der Kasse packte sie die gerade erwähnten belanglosen Waren aus, blickte in den inneren Leinenbeutel, ließ die Pralinenschachtel darin, schlug den Stoff um und schob den Beutel tief zurück in die bunte äußere Tasche.

Da die Pralinen mit einem Sicherungsetikett beklebt waren, lösten sie schließlich den Alarm der Warensicherungsanlage aus. Die alte Dame packte daraufhin ziemlich zielstrebig die Pralinen aus der Tasche und lachte den Vorfall mit dem Hinweis auf ihre Vergesslichkeit weg.

Je öfter wir uns das Video angucken, desto sicherer sind wir uns, dass das ein knallharter Diebstahlsversuch war. Und wenn doch nicht? Wie hart geht man mit einer knapp Achtzigjährigen ins Gericht, gerade auch unter der Prämisse, dass sie in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebt und manchmal auch schon mit einer Betreuerin hier für den Einkauf in den Laden kam?

Wir werden es jetzt dabei belassen, aber zukünftig gezielt an der Kasse darauf achten, dass sie auch wirklich keine Waren von uns mehr in ihrer Tasche, äh, "vergisst". So viel Seitenhieb musste noch mal eben sein.

Was passiert, wenn man beim Klauen erwischt wird?

Jeden Tag verstoßen Menschen gegen unsere Gesetze. Auch junge Menschen machen das, und auch die müssen dafür gerade stehen, wenn sie erwischt werden.
Siham El-Maimouni schlüpft für uns in die Rolle einer minderjährigen Ladendiebin und erlebt was passiert, wenn man beim Klauen erwischt wird.


Großartige Dokumentation von Armin Maiwald / Der Sendung mit der Maus, die ein heikles Thema, mit dem wir hier bekanntlich häufiger mal zu tun haben, für jüngere (der durchschnittliche Maus-Fan ist vermutlich im Mittelalter) Zuschauer aufbereitet. Wie immer absolut sehenswert: