Monday, May 2. 2011
Immer wieder passieren Dinge, die einen dazu bringen, für den Rest des Tages nur noch ungläubig den Kopf zu schütteln.
Eine Kollegin, die gerade privat hier im Laden war, berichtete mir, dass sie aus etwas Diszanz in der Gemüseabteilung beobachtet hatte, wie eine Frau mittleren Alters mit einem Stift auf der Banderole eines Kartoffelnetzes herumgemalt hatte.
" Kann natürlich sein, dass sie da auch einen Notizzettel in der Hand gehalten hat und es dadurch im Vorbeigehen nur so aussah, als wenn sie auf den Kartoffeln herummalt. Ich gehe mal gucken…", sprach's, ging zur Gemüseabteilung und kam eine Minute später mit einem Netz Kartoffeln wieder zurück ins Büro, auf dessen Banderole mit wasserfestem Stift zwischen und über den aufgedruckten Hinweisen noch einmal dick das Herkunftsland (Israel) und darunter genauso fett das Wort "Blödsinn" standen.
Mit den Erdäpfeln in der Hand ging ich auf die Kundin zu. Oh, da ist ja die Künstlerin. Die Frau sah mich kurz an, drehte sich aber wieder um und tat so, als würde sie mich nicht weiter beachten. Äh, hallo? Ich würde Sie gerne mal was fragen.
Ja, bitte?
Hat es irgendeinen Grund, dass Sie hier auf der Ware herummalen?
Wer sagt, dass ich das war?
Wir haben es beobachtet.
Da war überhaupt niemand bei mir in der Nähe. […]  Was soll sowas?
Weil es doch stimmt.
Weil was stimmt?
Es ist Blödsinn, Kartoffeln aus Israel zu kaufen.
Kann ja sein, dass Sie das so empfinden, aber deswegen braucht man doch die Ware nicht zu beschädigen.
Da ist nichts beschädigt.
Ich würde so eine Ware nicht kaufen wollen.
Das kann man ja so wieder abwischen. Nachdem sie dreißig Sekunden mit angefeuchtetem Finger auf der Banderole herumgerubbelt hatte, drückte sie mir das Kartoffelnetz wieder in die Hand. So. Das ist doch echt albern, was Sie da machen.
Wieso ich? Wer hat denn darauf rumgemalt?
Es ist völliger Blödsinn, Kartoffeln aus Israel zu verkaufen.
Ja, das sagten Sie bereits, dass Sie das so sehen. Trotzdem braucht man sich nicht so zu verhalten. Sie brauchen ja nichts zu kaufen, was Sie für Blödsinn halten. Aber Sie brauchen kein fremdes Eigentum zu beschmieren. Da sich ihre Beschriftung offenbar nicht wieder entfernen lässt, möchte ich jedenfalls, dass Sie die Kartoffeln bezahlen. Mit diesen Worten drückte ich der Frau das Netz Kartoffeln in die Hand. Unmittelbar vor der Kasse deponierte sie es aber in einem der dort stehenden Regale.
Da ich mir sowas aber schon dachte, war ich ihr gefolgt und legte das von ihr so sehr verhasste Netz neben ihre restliche Ware auf das Förderband der Kasse. Zähneknirschend bezahlte sie die Kartoffeln und verließ mosernd den Laden.
Nun ist sie stolze Eigentümerin von 1,5kg israelischer Frühkartoffeln, vorwiegend festkochend. Und ich überlege, was sie damit wohl machen wird. Essen? Stempel draus basteln? Verschenken? Wegwerfen? Feierlich verbrennen?
Friday, December 19. 2008
Auf der Preisangabe steht als Grundpreis null Euro.
Wo denn? Dann werde ich das sofort überprüfen.
Ach. Wo, wo, wo. Das habe ich hier schon so oft gesagt. Mir doch egal jetzt wo. Ich werde Sie jedenfalls bei der Gewerbeaufsicht melden.
Mich wundert heute gar nichts mehr, glaube ich.
Ein Kunde will uns jetzt bei der Handelskammer anzeigen, weil die Thermometer an meinen Tiefkühltruhen nicht einsehbar sind, ohne sich zu bücken.
Wünschen wir dem armen Mann doch einfach mal, dass er nicht allzu sehr unter seinen Schmerzen leidet.
Thursday, August 14. 2008
Gestern am späten Abend war eine Frau hier im Laden, die im wahrsten Sinne des Wortes ein Hingucker war. Ich denke, dass jeder der Anwesenden (Mitarbeiter sowie Kunden) mindestens zweimal hingesehen hat...
Ein Mann und eine Frau betraten den Laden. Ich kann nicht sagen, in welchem Verhältnis sie zueinander standen, er wirkte jedenfalls deutlich älter als sie, die ich auf Mitte zwanzig schätzte. Er war relativ normal bekleidet, ihr Outfit hingegen war der Hammer: Komplett in einem hautengen Lacksuit, Lackhaube mit durchsichtiger Maske im Gesicht und Overknee-Stiefel mit mindestens zehn Zentimeter hohen Absätzen.
Wir haben uns leider nicht getraut, sie direkt darauf anzusprechen. Dabei waren wir alle so neugierig, warum sie sich mit der Kluft, die aussah, wie direkt aus dem SM-Keller, in die Öffentlichkeit wagte: Partyoutfit? Verlorerne Wette? Oder doch "Berufsbekleidung"?
(Während ich diese Zeilen schreibe, erfahre ich, dass in einem nahegelegenen Veranstaltungszentrum gelegentlich "Lack-Partys" stattfinden. Das könnte natürlich eine Besucherin einer solchen Veranstaltung gewesen sein...)
Wednesday, July 2. 2008
An der wilden Plakatwand Ladentür hängt derzeit ein Plakat für eine Helmut-Newton-Ausstellung. Gerade eben beschwerte sich eine Kundin darüber, dass das Plakat sexistisch, frauenfeindlich und diskriminierend sei und deshalb von uns entfernt werden müsse.
Kann man sehen, wie man will. Newton hat sicher etliche sehr provokative Bilder produziert, aber man kann's ja auch mit dem erhobenen Zeigefinger übertreiben.
Sie war's übrigens mal wieder nach langer Zeit.
Saturday, May 31. 2008
Oh, SIE war mal wieder auffällig.
Ein neuer Kollege wusste (noch) nicht, wie er die Bonrolle in der Kasse austauschen kann. Eine Kollegin, die zufällig gerade privat da war, griff unverzüglich mit ein und fädelte das Papier in den Drucker.
Sie stand auch gerade in der Schlange und moserte vor sich hin: " Es kann doch nicht sein, dass da jetzt schon Kunden die Kasse reparieren müssen."
Ich: " Das ist eine Mitarbeiterin von uns."
Sie: " Also das finde ich nicht gut."
Mir doch egal.
Monday, February 25. 2008
Blogleser André schreibt: Moin Björn,
ich wohne zwar eigentlich in der Nachbarschafr, bin aber gerade auf Studienjahr in Japan. Genauer gesagt Toyohashi.
Nun wollte ich an einem der letzten Wochenende mal einen Tempel hier in der Nähe besuchen. nun ja das mit dem Tempel hat zwar nicht geklappt, dafür konnte ich immerhin diese beiden Schnappschüsse hier machen.
Gerne kannst du die beiden Bilder in deinem Blog verwenden, will aber gerne einen kleinen Gefallen daran knüpfen. Nichts großes. Es soll einfach nur dabei stehen das "André auch seine Freundin grüßen möchte" die leider daheim bleiben musste.
Da sie ebenfalls eine regelmäßige Blogleserin und Gelegenheitskäuferin bei dir ist würde sie sich sicher freuen das zu lesen.
Auch grüßen kannst du gerne Romana von mir mit der ich immerhin mal eine Schulbank gedrückt habe.  Also sollen sich jetzt einfach mal Andrés Freundin, die daheim bleiben musste, und Romana, die mit André mal die Schulbank gedrückt hat, gegrüßt fühlen! (Hiermit offiziell ausgerichtet.) Auf dem Foto steht übrigens folgendes:
mittig: "Der Wunsch einer jeden Hausfrau" oder "zu Diensten eines jedermanns Hausfrau" ... <- das letzte ist originaler klingt aber blöd.
unten: Eine ziemlich umständliche Adresse wie in Japan üblich. Ich kann sie Dir wenn du willst nochmal entziffern. Aber ist eigentlich uninteressant.
Den dazu passenden Laden hab ich übrigens nicht mehr gefunden...
Hier die ungefähren Koordinaten. Ganz sicher bin ich mir nicht, aber im Umkreis von wenigen Kilometern müsste der Ort Honnagashino liegen.
34°55'55.62"N
137°34'37.52"O
Mit freundlichen Grüßen nach Bremen,
André P.S: Mein Absenderserver ajsg.de ist übrigens auch gleichzeitig mein Japanbericht. Kannst ja mal reinschauen. Ich weiß aber nicht, ob das Blog gut in deine Blogroll passt.
Thursday, December 13. 2007
Shane ist etwa geschätzte Mitte vierzig und vermutlich seit Juli Kunde von mir. Den genauen Zeitpunkt, an dem er hier auftauchte, weiß ich nicht mehr, es könnte also durchaus sein, dass er hier schon länger ein und aus geht. Zum ersten Mal angesprochen hatte er mich jedenfalls kurz nachdem wir mit der 24-Stunden-Öffnung begonnen haben.
An den Abend meiner ersten Begegnung mit Shane erinnere ich mich noch ganz gut: Er hatte verschiedene Sorten Leergut, unter anderem eine leere Bierkiste einer mir nicht bekannten Marke. "Die kann ich leider nicht annehmen", sagte ich ihm, woraufhin er mir erklärte, dass das "seine Kiste" sei, in denen er "seine eigene Biermarke" vertreiben würde. Seinen Namen wusste ich damals noch nicht, aber er duzte mich gleich und stellte sich folgendermaßen vor: Er plant, demnächst mit seinem "Partner" hier in Bremen einen Getränkegroßhandel zu eröffnen und könne mich dann mit allen möglichen Mehrweg-Getränken beliefern. Das Gespräch war nicht sonderlich lang und da ich nicht davon ausging, dass mir Shane und sein Partner bessere Preise machen könnten, als unser deutschlandweit arbeitender Großhändler, bei dem ich zudem noch die ausgehandelten Edeka-Konditionen bekomme, beachtete ich das Gespräch gar nicht weiter.
In den folgenden Nächten kam er oft hierher und suchte den Kontakt zu meinen Nachtschicht-Mitarbeitern. Erst unterhielt er sich nur mit ihnen, in dem er irgendwelche Gespräche aufzwang, später hielt er sie regelrecht von der Arbeit ab. Unter anderem auch damit, dass er ungefragt mithalf, z.B., in dem er leere Getränkekisten zusammenstapelte und ins Lager brachte. Das klingt zwar im ersten Moment nach Hilfe, letztendlich stand er oft im Weg. Das ging sogar so weit, dass mich meine Mitarbeiter um Rat fragten und um Erlaubnis baten, Shane ungestraft vor die Tür setzten zu dürfen, wenn er weiterhin dermaßen lästig sein würde. Ich erlaubte es, denn er ist mir bis dahin schon selber mehrmals unangenehm aufgefallen und daher wusste ich, wie aufdringlich er sein konnte.
Besonders übel wurde es, als er sich gegenüber meiner Mannschaft als schwul outete und (mindestens) einen meiner Angestellten doch recht -ähm- eindeutig anmachte. Er bekam allerdings eine deutliche Abfuhr und versuchte derartiges seit dem wohl auch nicht wieder.
Nach diesem Vorfall knöpfte ich mir den selbsternannten Getränkelieferanten in spe einmal persönlich vor und nannte ihm einige Regeln, an die er sich zu halten habe, wenn er hier noch weiter als Kunde ein- und ausgehen möchte. Im Wesentlichen waren das nur die Anweisungen, Mitarbeiter nicht von der Arbeit abzuhalten und ihnen gegenüber keine ein-, zwei- oder mehrdeutigen Sprüche zu klopfen.
Seit dem sind inzwischen mehrere Monate vergangen. Daran, dass Shane einen "Getränkegroßhandel" eröffnet, glaube ich schon lange nicht mehr. Er kommt fast täglich und füttert den Leergutautomaten mit allen Merkwürdigkeiten, die er offenbar irgendwo gefunden hat. Schmuddelige Klamotten und mit Alkoholfahne ist das Erscheinungsbild, an das wir uns bei ihm inzwischen gewöhnt haben. Und mehr als einmal wurde er von meinen Mitarbeitern in benachbarten Hauseingängen sitzen und billiges Bier trinken gesehen.
Die Frage, ob er uns von Anfang an Unsinn erzählt hat, oder ob Shane aufgrund widriger Umstände im vergangenen halben Jahr so völlig abgesackt ist, wird mir vermutlich niemals jemand beantworten...
Monday, December 10. 2007
Eine neue Kollegin sprach mich an: " Ich hatte da eine komische Kundin an der Kasse. Die muss irgendwie einen an der Klatsche haben. Hat die ganze Zeit irgendwas davon geredet, dass sie von einer anderen Kundin verfolgt werden würde und hat sich völlig merkwürdig verhalten."
Ich stellte einige Fragen über das Aussehen dieser Frau.
Sämtliche Fragen bejahte die Kollegin.
Volltreffer.
Tuesday, December 4. 2007
Vor rund 20 Minuten fand hier eine merkwürdige Aktion statt: Ein paar Mittzwanziger begannen, ohne Ankündigung auf den Tiefkühltruhen zu trommeln.
Ich zückte meine Kamera und nahm die letzte halbe Minute der Aktion auf Video auf. Plötzlich hörten die Personen auf und gingen wortlos zum Ausgang.
Na, wenn das mal kein Flashmob war.
Dachte ich und begann, das Video bei Youtube hochzuladen. Ein paar Minuten später standen zwei der Trommler an meiner Bürotür und sprachen mich an: Sie hätten gesehen, dass ich das aufgenommen hätte und wollten nur wissen, was mit dem Video passiert.
Ich deutete etwas von "Veröffentlichung bei Youtube" an und die beiden erklärten mir, dass das eigentlich nur ein Experiment für eine Forschungsarbeit sein würde und dass das eigentlich (noch) niemand mitbekommen sollte.
Ich fragte sie: Ihr beginnt, hier mitten im Laden ohne Vorankündigung auf den Tiefkühltruhen zu trommeln. In DIESEM Laden. Und wollt dann NICHT damit ins Internet? Das glaube ich nicht."
Sie mussten mir schwören, dass sie das nicht getan haben, um hier in das Blog zu kommen. Das taten sie unverzüglich, wenngleich mein Wunsch gar nicht so ernst gemeint war. Aber okay, dann bin ich so fair und werde das Video für mich behalten.
Aber die Tondatei darf ich veröffentlichen.
Aber nicht mehr heute. Gute Nacht.
Thursday, October 18. 2007
" Hallo" rief eine weibliche Stimme ins Lager. Ich saß im kleinen Büro, also in unmittelbarer Nähe, sprang gleich auf und brauchte für die zwei Stufen bis zur Lagertür auch nur noch knapp zwei Sekunden.
Etwa zehn Meter von der Lagertür war die Kundin zu dem Zeitpunkt entfernt. Ich lief hinter ihr her, in dem Moment entdeckte sie eine Kollegin und rief ihr quer durch den Laden ebenfalls ein " Hallo!?!" zu.
Inzwischen hatte ich die Frau erreicht und musste ihr einfach eine ganz bestimmte Frage stellen: " Warum rufen Sie eigentlich 'Hallo?' und laufen dann gleich wieder weg? Also etwas Zeit braucht man schon, um zu reagieren."
" Na, ich habe ja nicht ewig Zeit", war ihre Antwort. Was sie ursprünglich wollte, klärte sie dann mit meiner Mitarbeiterin.
Wer jetzt glaubt, dass sie es war... hat Recht.
Monday, October 15. 2007
Eine Frau hat eben ein paar Teile eingekauft. Nachdem meine Mitarbeiterin ihr den zu zahlenden Betrag genannt hatte, holte die Kundin ein paar Münzen aus der Tasche und knallte sie, eine nach der anderen, kräftig auf den Kassentisch.
" Man muß das da aber nicht so hinknallen", sagte meine Kassiererin so freundlich zu ihr. wie man sowas eben sagen kann.
Die Kundin mumelte irgendetwas in ihren Bart unverständlich vor sich hin, sagte ansonsten aber nichts.
Das Wechselgeld hat meine Mitarbeiterin ihr dann natürlich wie immer in die Hand gegeben. Daraufhin ist die Kundin völlig ausgerastet. Ihr Gemurmel wurde lauter, und außer einem "wenn man hier so unfreundlich bedient wird" war nichts davon zu verstehen.
Also SIE war's diesmal nicht.
Friday, October 12. 2007
In der Nacht war ein seltsamer Kauz hier im Laden. Mehr oder weniger stark alkoholisiert plünderte er systematisch den Flummiautomaten.
Offenbar hatte er mehr Geld als Zielsicherheit. Beim Versuch, die Bälle auf der Straße hüpfen zu lassen, entglitten ihm so im Laufe der Zeit ca. zwanzig Flummis...
Saturday, September 15. 2007
Einem Kunden war eine Flasche Bier heruntergefallen. Die Scherben lagen noch einige Minuten im Gang, in dem Moment kam eine Kundin dort entlang. Sie sah das Malheur, manövrierte um die Scherben herum und schnappte sich meinen Mitarbeiter, der bereits dabei war, einen Wischer zu besorgen, um ihn lautstark und möglichst unfreundlich darauf aufmerksam zu machen, dass es ein Unding wäre, dass Scherben auf dem Boden liegen würden und dass man sich daran die Schuhe kaputt machen würde.
Sie war's. War ja fast zu erwarten, oder?
Tuesday, September 4. 2007
...nur wundern.
Eine junge Frau hat meine Kassiererin eben an der Kasse geradezu angebrüllt: Wir wären ein Scheißladen und wir wären alle unfreundlich und dass sie bei uns nie Thunfischpizza bekommen würde und noch einiges mehr. So schlecht kann mein Laden gar nicht sein - immerhin laufen hier täglich rund 1500 Kunden durch...
Aber die Geschichte geht ja noch weiter: Beim Rausgehen rief sie meiner Mitarbeiterin noch mit Häme in der Stimme zu, dass diese nun die Tiefkühltruhe wieder aufräumen dürfe.
Ich wünsche ihr ganz viel Delfin in ihre nächste Thunfischpizza.
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