Das Satzfragment "Scheißladen", dass ich vor einer knappen halben Stunde im Vorbeigehen von zwei Kunden aufgeschnappt habe, muss sich ja gar nicht auf uns beziehen. Wer weiß, worüber die geredet haben. Vielleicht haben sie ja sogar über die Mitbewerber gelästert.
Falls mein Laden doch gemeint gewesen sein soll: Warum machen die nicht einfach am Samstag Abend um halb zwölf woanders ihren Scheißeinkauf?
Eine Heranwachsende wollte Zigaretten kaufen. Da der Verkauf von Tabakwaren an nicht volljährige Personen seit Anfang September relativ illegal ist und meine Mitarbeiterin an der Kasse nicht mit Gewissheit sagen konnte, dass sie auch wirklich schon über 18 Jahre alt ist, erkundigte sie sich nach ihrem Ausweis. Sie hatte keinen dabei und musste folglich ohne die Räucherware wieder abziehen.
Kurze Zeit später kam ihre Mutter mit ihr im Schlepptau wieder her und regte sich tierisch darüber auf, dass wir ihrer einundzwanzigjährigen Tochter keine Zigaretten verkaufen würden.
Okay, aber: Wer in einem gewissen Alter noch deutlich jünger aussieht, weiß dies meistens und hat sowieso den Ausweis dabei. Aber dass Mama deswegen extra herkam, fand ich schon irgendwie bezeichnend.
Das von dem älteren Herren gesuchte Produkt war leider gerade ausverkauft. Ich entschuldigte mich bei ihm und schlug eine Alternative vor.
Seine Reaktion: "Ach, das macht doch nichts. Nichts ist für die Ewigkeit. Nichtmal ich."
Es war von ihm natürlich scherzhaft gemeint. Aber alte Leute entwickeln irgendwie erschreckend oft einen merkwürdig morbiden Umgang mit dem irgendwann unvermeidlichen Ende...
Ein Kunde und eine Kundin, offenbar Bekannte, hatten sich zufällig hier im Laden an der Kasse getroffen. Sie standen nicht hintereinander in der Schlange, sondern auf verschiedenen Seiten des Kassentisches. Das Gespräch entwickelte sich über den Mitarbeiter an der Kasse hinweg und beinhaltete etwa auch diese Passage:
Sie: Die Neustadt ist klein, es ist ja kein Wunder, dass man sich irgendwann über den Weg läuft.
Er: Bist du denn schon fertig? [Vermutlich mit dem Studium]
Sie: Schon lange.
Sie unterhielten sich noch über einige belanglose Dinge und unterschiedliche Bekannte. Schließlich kam von ihm:
Gerüchte gehen um, dass du Mutti geworden bist?
Sie: Ach, inzwischen schon das zweite Mal.
Er: Von wem denn?
Sie: Weiß ich nicht.
Meinem Mitarbeiter fiel es nach eigener Aussage sehr schwer, in diesem tennisgleichen Wortwechsel die Contenance zu wahren und anständig weiterzukassieren.
Ich stand mit dem Freund einer Kollegin auf unserer Rampe zum Innenhof. Gemeinsam haben wir beobachtet, wie sich ein paar Kunden damit abmühten, eine ausgeliehene Bierzeltgarnitur im Auto zu verstauen. Nebenbei unterhielten wir uns über belanglose Dinge.
Bei der ebenfalls an den Innenhof angrenzenden Moschee war nachmittäglicher Besuch des Cafés angesagt, einige Kinder der Besucher rannten auf dem Hof hin und her. Die Knirpse waren ca. 6 Jahre alt und außer gelegentlichem Weinen und Plärren war von ihnen eigentlich nur ununterbrochenes lautes Rufen auf Türkisch oder Arabisch zu hören.
Plötzlich, durch den Krach etwas genervt, warf mein Gesprächspartner folgendes ein: "Können die nicht Deutsch reden?" Er sprach dabei in normaler Lautstärke weiter, die Kids konnten das defintiv nicht hören. Ich zuckte nur mit den Schultern und wollte unser Gespräch fortsetzen.
Einem Kunden war eine Flasche Bier heruntergefallen. Die Scherben lagen noch einige Minuten im Gang, in dem Moment kam eine Kundin dort entlang. Sie sah das Malheur, manövrierte um die Scherben herum und schnappte sich meinen Mitarbeiter, der bereits dabei war, einen Wischer zu besorgen, um ihn lautstark und möglichst unfreundlich darauf aufmerksam zu machen, dass es ein Unding wäre, dass Scherben auf dem Boden liegen würden und dass man sich daran die Schuhe kaputt machen würde.
Eine Kundin rief an und war sichtlich aufgeregt: "Ich glaube, ich habe mein Handy bei Ihnen im Laden liegen gelassen. Ich war eben bei Ihnen einkaufen und als ich zu Hause ankam, merkte ich, dass es nicht mehr da ist.
Sie erklärte mir, in welchem Regal sie das Telefon vermutlich liegengelassen hatte und während ich auf dem Weg dorthin war, kam mir eine Idee: Sagen Sie mir doch bitte mal die Nummer Ihres Handys. Wenn es hier irgenwo versteckt liegt, finden wir das dann sofort.
Inzwischen hatte ich die vermeintliche Stelle erreicht. Ein Handy lag dort nirgends und während ich darauf wartete, dass die Verbindung zum Telefon der Kundin aufgebaut wird, begann ich zu erzählen, dass es heutzutage leider schon Glückssache wäre, wenn jemand das Handy gefunden und nicht mitgenommen hätte.
Sie unterbrach mich freudestrahlend: Es klingelt hier bei mir. Moment. ... Ahhh, da ist es ja! Ich habe das gar nicht bei Ihnen vergessen, das hatte sich nur in meiner Tasche versteckt. ... Ich hatte schon solche Angst, aber nun ist alles wieder gut. Glück gehabt. Sowas schusseliges... Trotzdem ganz vielen Dank!!!