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Gemüseverschwendung im SB-Warenhaus

Diese Geschichte hatte mir Blogleser Daniel im Spätsommer des letzten Jahres geschickt. Die E-Mail ist hier etwas in Vergessenheit geraten, aber natürlich möchte ich sie euch nicht vorenthalten:
Hallo Björn!

Da Du heute wieder zum Thema Lebensmittelverschwendung geschrieben hast, muss ich mal von meinem heutigen dazu passenden Erlebnis in einem Komma-Strich-Markt berichten, der mir einen reichlich dicken Hals beschert hat und würde gerne wissen, ob das so stimmen kann.

Vermutlich aufgrund des sehr bescheidenen Sommers ist es momentan sehr schwer halbwegs gut aussehendes Gemüse zu ergattern. In der Gemüseabteilung gehe ich alle Packungen Chicoree durch und finde nur zwei die halbwegs gut aussehen. Zusammen mit anderen Artikeln stehe ich dann mit einer davon an der Kasse. Die Kassiererin nimmt die Packung Chicoree in die Hand, dreht und wendet sie, da bemerke ich, dass ich wiedermal ausgerechnet eine ohne Etikett erwischt habe. Plötzlich fliegt die Packung zur Seite und die Kassiererin beginnt die anderen Artikel zu scannen. "Darf ich Ihnen nicht verkaufen!" lautet die Ansage. "Steht kein Haltbarkeitsdatum drauf." Die reichlich grantige Kassiererin lässt nicht mit sich reden, das Argument, dass ich noch nie ein Haltbarkeitsdatum auf den im gleichen Markt gekauften Packungen Chicoree gesehen habe, zieht auch nicht. Noch während ich an der Kasse stehe wird die Packung abgeholt und verschwindet hinter den Kulissen vermutlich direkt im Müll, wo anstelle dieser Packung rein optisch wohl eher 80% des restlichen Gemüses dieses Markts hingehören würden. Hätte ich nicht einen der anderen Artikel gebraucht, hätte ich die Kassiererin aus Protest auf dem (kleinen) Einkauf sitzen lassen.

Nach einer Beschwerde am Service-Schalter (die zu meiner Verwunderung tatsache notiert wurde) bin ich dann zum Big-Brother-Award-Preisträger nebenan und - oh Wunder - habe dort ganz problemlos eine Packung Chicoree *ohne* Haltbarkeitsdatum gekauft.

Ich kann mir ja denken, dass die Marktleitung vielleicht vorgibt, dass abgepacktes Gemüse im Gegensatz zu losem nur mit Haltbarkeitsdatum
verkauft werden darf (wenn denn überhaupt eins draufstehen würde) aber mal davon abgesehen, dass ich die Art der beinahe kommentarlosen
Absortierung an der Kasse reichlich schäbig fand, ist gerade bei Chicoree sehr leicht erkennbar, ob es gut oder schlecht ist. Muss dann ausgerechnet eine der wenigen Packungen mit gutem Inhalt in den Müll wandern, wenn das restliche Gemüse des Ladens im Vergleich dazu aussieht als käme es von dort? Die Packung kann eigentlich nur aus einer frischen Lieferung von heute (Montag) sein, da am Samstag Nachmittag nur siffiger Matsch im Korb lag, den nun wirklich niemand gekauft haben dürfte (warum also wäre der dann nicht gegen den frischeren ausgetauscht worden).

Das mit dem Haltbarkeitsdatum kommt mir vor als wäre es nur eine durch schlechte Laune begünstigte, verschwenderische Ausrede, um keine EAN aufgrund des fehlenden Etiketts nachfragen zu müssen. Mir ist auch so, als hätte ich in diesem Markt in der Vergangenheit schon häufiger problemlos Gemüse mit abgefallenem Etikett (auch Chicoree) kaufen dürfen. In der Regel geht man in diesem Markt nie so "fürsorglich" mit den Kunden um; oft genug habe ich gesehen, wie Leute vor mir einen offenbar blind gegriffenen, offensichtlich schon sehr gammligen Eisbergsalat o.ä. auf das Förderband platziert und auch gekauft haben - ganz ohne Absortierung, geschweige denn Kommentar der Kassierer (Eisbergsalat ist übrigens auch in Folie gewickelt und ohne MHD).

Die Frau am Serviceschalter war ebenfalls etwas irritiert über das angeblich fehlende Haltbarkeitsdatum, hat sich aber wohl aus taktischen Gründen nicht weiter dazu geäußert.
Mir fällt dazu nur ein Satz ein: Die Wege und Vorgehensweisen der Filialisten sind unergründlich. Die Konsequenz daraus, so behandelt zu werden, muss natürlich jeder selber ziehen… ;-)

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Kommentare

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schmitzrocket am :

Ziemlich lächerlich was da geschrieben steht.

Immerhin fördert gerade das aussuchen der frischesten Ware aus dem Gesamtbestand doch das Wegwerfen von Lebensmittel ungemein.


Vollständig verfaulte Ware ist in Supermärkten doch eher eine Seltenheit.

Vielmehr ist es so, dass der Kunden den Salat nicht mehr kauft wenn er eine kleine braune Stelle am äußersen Blatt hat.


Vielleicht hatte der Marlkt einfach keine Lust, dass der Kunde den neusten Salat kauft.

Oft stapeln die Leute noch die Kisten um, um an frischere Ware zu kommen.

GelberBuntstift am :

Problem bei diesem von der Konzernmutter ungeliebten Warenhausbetreiber: an der Kasse sitzen oft nur Kräfte von Servicefirmen. Diese Mitarbeiter sind nicht beim Laden angestellt, sondern bei einer externen Firma. Und da werden halt Vorgaben gemacht, was wie getan werden muss und was darf und was halt nicht. Diese Servicemitarbeiter haben leider zuallererst das zu befolgen, was ihr eigener Arbeitgeber vorschreibt.

questionmark am :

Das stimmt so nicht.

Die externen Mitarbeiter unterstehen genauso der Teamleitung Kasse, wie auch die Eigenen. Somit erhalten diese Mitarbeiter die gleichen Vorgaben/Anweisungen/Schulungen wie das Stammpersonal.

Lediglich den Einsatzplan erhalten die externen Mitarbeiter von ihrem eigenen Arbeitgeber - nachdem die Teamleitung Kasse dem externen Dienstleister die zu besetztenden Zeiten gemeldet hat.

nova am :

Das Haltbarkeitsdatum stand wahrscheinlich auf dem (fehlenden) Preisetikett. :-D

Oskar am :

Wahrscheinlich war diejenige Kassiererin einfach momentan oder chronisch verpeilt. Da Kassiererinnen ja eher weder eigenes Dienstpersonal haben, noch ausschließlich in Restaurants speisen wird sie wohl sogar aus eigener Anschauung wissen, daß frisches Obst und Gemüse kein Mindesthaltbarkeitsdatum trägt. Es ist ja auch höchstens in Klarsichtfolie verpackt, sodaß Zustand, Optik und Konsistenz schon von außen hinreichend beurteilt werden kann.

Wenn der Chicoree nicht gerade schon weich ist oder sich gar schon zusehends verflüssigt ist's der eine fast sowieso genauso gut wie der andere. Ein Blatt mit brauner Stelle kommt weg und fertig. Das darunterliegende ist in der Regel schon brauchbar und weiter innen sowieso.

Sonstwer2 am :

Ich denke, die Kassiererin konnte ohne Etikett die Ware nicht erfassen. Es soll tatsächlich Unternehmen geben, die es ihren Kassierkräften nicht zutrauen, die unterschiedlichen Produkte des O&G-Sortiments zu unterscheiden und mit korrekten Preisen zu erfassen.

Bei irreal,- kann die Kassierkraft vermutlich den Artikel überhaupt nicht erfassen, da das Etikett entweder den Preis der verpackten Ware (bei unterschiedlichen Preisen der Packungen) oder die Artikelnummer enthält.

Wenn dann die Organisationsabteilung meint, Ware nicht per Sumpftaste verkaufen zu wollen - das ist ja schlecht für die Bestandsführung und außerdem hat die Revision Angst vor Manipulationen (manus, die Hand, pult das Etikett ab und die der Chicoree-Verschwörung angehörende Kassierkraft vertickt die wertvolle Ware weit unter Preis) - dann wird das Zeug eben garnicht verkauft.
Echt clever die Blau-Gelben/Weiß-blau/roten aus Düsseldorf.

Max am :

Es wäre schön, wenn die Geschichte auch realistisch wäre. In UK gibt es relativ oft Haltbarkeitsdaten für abgepacktes Obst und Gemüse. Das finde ich auch richtig so. Deutsche Supermärkte haben im Vergleich zu britischen richtig abstoßende O&G-Abteilungen, man weiß nie, woran man ist und ob der frische Einkauf nicht am nächsten Tag bereits bunte Schimmelkulturen produziert.

Ich suche auch immer die frischeste Ware aus dem Warenbestand und halte das auch für legitim. Immerhin kaufe ich nicht alles zum Sofortverzehr (denn dann müsste ich jeden Tag einkaufen, was bei deutschen Supermärkten keinen Spaß macht), manches bleibt auch mal einige Tage bei mir liegen und dann macht das durchaus einen Unterschied.

Oskar am :

Dann kaufst du eben in Deutschland zwei verschiedene Packungen Obst/Gemüse zum einfachen englischen Preis. Oder du gehst statt zu einem beliebigen Discounter zum Obst/Gemüse-Fachhändler, in den Bioladen oder zumindest einem teureren Supermarkt a la Tengelmann oder Tegut.

Mit den Haltbarkeitsangaben in England wird dann sicher ladenseitig auch einfach nach Datum entsorgt. Hierzulande könnte man bei Läden wie Rewe aber auch den Eindruck gewohnheitsmäßiger - statt individueller - Entsorgung haben.

Auf aktuellem Stand bin ich nicht, aber während ich bei früher bei Penny des öfteren Frischware gesehen habe, die ich nicht bezahlen würde wollen war bei Aldi immer alles tiptop. Entweder handhabt Aldi das strenger oder ob der Durchsatz dort ist so hoch, daß da entweder nichts schlechtwird oder zumindest beim Auffüllen auffällt, weil als einziges liegengeblieben.

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